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Dachauer Altstadt:Mit alten Ideen gegen das Verkehrschaos

Kein Durchkommen mehr: Alltägliche Szene in der Altstadt.

(Foto: Toni Heigl)

Die Stadt will Anwohner befragen, was sie von einer eine Einbahnstraßenregelung in der Altstadt halten würden. Eine solche wurde schon 2003 getestet. Damals beklagten Einzelhändler heftige Umsatzeinbußen.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Morgens und abends steht es in der Dachauer Altstadt oft Spitz auf Knopf. Der Verkehr schiebt sich die Augsburger und Konrad-Adenauer-Straße hinauf. Radfahrer müssen aufpassen, dass Autos sie beim Überholen an engen Stellen nicht von der Straße drängen. Und wenn ein Bus und Lastwagen sich in gegensätzlicher Richtung begegnen und Millimeter für Millimeter aneinander vorbeifahren, geht auf beiden Fahrspuren oft gar nichts mehr. Und das obwohl Lastwagen mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen nur noch aus einer Richtung in die Altstadt einfahren dürfen. Doch das ist nicht der einzige Regelverstoß im Straßenverkehr. Laut Polizei Dachau rollt täglich ein "starker Durchgangs- und Pendelverkehr" durch die Altstadt. Verkehrsteilnehmer würden das Rechtsabbiegeverbot von der Augsburger Straße in den Karlsberg missachten, das von 6 bis 8 Uhr gilt, um den Schulweg zur Klosterschule sicherer zu machen. Es gebe viele Beschwerden von Anwohnern über zu viel Lärm. Wenn es um die Verkehrsbelastung der Altstadt geht, ist die Mängelliste der Polizei lang. Eine Idee, um den Verkehr zu entzerren und letztlich sicherer zu machen, taucht seit Jahren immer wieder auf: eine Einbahnstraßenregelung.

Jetzt will es die Stadt mal wieder versuchen. Einstimmig haben die Mitglieder des Umwelt- und Verkehrsausschusses beschlossen, Anwohner der Altstadt zu befragen, was sie denn von einer Einbahnstraßenregelung in der oberen Altstadt halten würden. Im Gespräch sind verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Längen. Der aus Sicht der Verwaltung vielversprechendste Vorschlag: Die Konrad-Adenauer-Straße auf Höhe der Wieningerstraße bis zur Augsburger Straße auf Höhe der Klosterstraße nur in eine Richtung befahrbar machen. Die Einbahnstraße würde im Uhrzeigersinn von der Konrad-Adenauer-Straße zur Augsburger Straße verlaufen. Öffentliche Busse dürften weiter in beide Richtungen unterwegs sein. Im Hinblick auf die Einführung des Zehn-Minuten-Taktes im Dezember wäre die Einbahnstraßenregelung "vorteilhaft", so die Stadtverwaltung. Diese setzt voraus, dass die Altstadtgarage und die Zufahrt zum Schloss sowohl von der Augsbuger- als auch von der Konrad-Adenauer-Straße möglich sein sollte. Die Verwaltung hofft so, Einschränkungen für den Einzelhandel und Gewerbetreibende zu vermeiden.

Eine erneute Einbahnstraßenregelung wäre ein "Albtraum"

Es wird spannend, was Anwohner und Geschäftsleute überhaupt von der Idee einer Einbahnstraße halten. Doch wenn Apotheker Maximilian Lernbecher nur das Wort "Einbahnstraße" hört, wird er leidenschaftlich. Er erinnert sich sofort an das Jahr 2003. Damals war der Altstadtberg nur in einer Richtung befahrbar. Die Stadt testete die Regelung. Doch Geschäftsleute und deren Kunden protestierten dagegen. Mit Erfolg. Nach nur einem halben Jahr kippte der Stadtrat mit knapper Mehrheit den Probebetrieb. Lernbecher sagt, er habe damals 20 Prozent weniger Umsatz gemacht. Aus Einzelhandelsperspektive wäre eine erneute Einbahnstraßenregelung "ein Albtraum", zumal jetzt in der Corona-Krise der Einzelhandel angezählt sei.

Lernbecher ist aber nicht grundsätzlich gegen eine Einbahnstraße. Nur brauche es ein vernünftiges Konzept mit begleitenden Maßnahmen. Die Wieningerstraße müsste als Querungshilfe fungieren, so Lernbecher. Zudem müsste endlich die Aufstiegshilfe am Rathausberg her, Parkplätze müssten umgebaut, der ÖPNV ausgebaut werden und, und, und... "Es müsste vernünftig organisiert werden." Doch das werde sehr teuer. Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) ist anderer Meinung. Er glaubt, dass die Regelung auf mehr Gegenliebe stoßen würde als beim ersten Versuch 2003. Mittlerweile gebe es in dem Bereich mehr Wohnbevölkerung und weniger Geschäfte, sagt er. "Man müsste das einfach mal ein Jahr lang ausprobieren."

Auch die Brucker Straße könnte zur Einbahnstraße werden

Dass das Thema jetzt wieder aufgetaucht ist, hat auch mit einem Antrag zu tun, den die CSU noch in der vergangenen Sitzungsperiode eingebracht hatte. Die Christsozialen wollten eine umfangreiche Machbarkeitsstudie für Einbahnregelungen im Stadtgebiet in Auftrag geben, mit dem Ziel, wichtige Verkehrsachsen für Radfahrer sicherer zu machen und den motorisierten Verkehrsfluss zu verbessern. Der Antrag wurde damals mehrheitlich abgelehnt.

Stattdessen beschlossen die Stadträte, dass die Verwaltung gezielt einige Straßenzüge dahingehend vorprüfen sollte, ob dort eine Einbahnstraße überhaupt möglich sei. Zur Abstimmung standen nun etwa die Martin-Huber-Straße oder die Ludwig-Thoma-Straße. Die CSU-Fraktion stimmte etwa für einen Ringschluss aus Ludwig-Thoma-, Martin-Huber- und Innere Schleißheimer Straße. Doch unterm Strich fand neben der Altstadt nur noch die Brucker Straße eine Mehrheit. Die Stadträte beschlossen mehrheitlich, dass die Verwaltung auch dort eine Einbahnstraßenregelung weiterverfolgen soll, in Gegenrichtung zur Burgfriedenstraße. Das würde helfen, eine "bessere und sicherere" Verbindung für den Radverkehr zur Altstadt zu schaffen.

CSU-Stadtrat Peter Strauch zeigte sich enttäuscht vom Ergebnis der Sitzung. Seine Fraktion hatte sich ein umfassendes Konzept für Einbahnstraßenregelungen in Dachau erhofft. Strauch sagte, die CSU würde sich eine Verkehrssimulation für alle vorgeschlagenen Straßen wünschen.

© SZ vom 18.09.2020
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