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Corona in München:Wirrwarr um den Inzidenz-Wert in München

Maskenpflicht in Münchner Innenstadt

Das für den Bund zuständige RKI und das für Bayern verantwortliche LGL veröffentlichten an den meisten Tagen völlig unterschiedliche Werte für die Stadt. Entscheidungen, wie hier die Frage nach der Maskenpflicht in der Innenstadt, mussten dennoch getroffen werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Aus dem Rathaus kommt Kritik, dass Behörden in Bund und Freistaat unterschiedliche Zahlen für die Sieben-Tage-Inzidenz veröffentlichen. Wie die unterschiedlichen Werte zustande kommen.

Von Heiner Effern und Ekaterina Kel

Jetzt ist es doch passiert, und die Münchner Stadtspitze wird staunen. Nach sechs Monaten Corona-Pandemie haben das Robert Koch Institut (RKI) und das bayerische Landesamt für Gesundheit (LGL) fast deckungsgleiche Zahlen über das Infektionsgeschehen geliefert, die nun ohne Diskussion für eine wichtige Entscheidung herangezogen werden können. Das hat Folgen für den FC Bayern, die diesen nicht erfreuen werden: Zum Bundesligaspiel am Sonntag gegen Hertha BSC werden keine Zuschauer in der Arena zugelassen, da der Inzidenzwert in beiden Fachstellen bei 36 und damit über dem festgelegten Grenzwert von 35 liegt.

Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen auf 100 000 Einwohner gerechnet, ist der maßgebliche Wert für alle politischen Entscheidungen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Doch das für den Bund zuständige RKI und das für Bayern verantwortliche LGL veröffentlichten an den meisten Tagen völlig unterschiedliche Werte.

"Ich hab es echt satt, dass wir hier in den Kommunen es ausbaden, dass eine Bundes- und Landesbehörde es nicht fertig bringen nach sechs Monaten Pandemie einen Meldeweg zu kreieren, der die Verzüge ausschaltet", ärgerte sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) noch am Mittwoch während einer Stadtratssitzung. Verantwortlich für das Wirrwarr um die Zahlen machte er das RKI, das ständige Daten mit Verzug oder falsch veröffentliche. "Ich habe nicht gewusst, dass wir mit reitender Post nach Berlin reiten von allen Bundesländern aus und per Depesche dann die Werte übergeben", sagte er in Richtung Bund.

Das RKI liegt an der letzten Stelle der Meldekette, die in Bayern grundsätzlich vorsieht, dass ein Labor die Fälle zunächst dem lokalen Gesundheitsamt meldet, dieses sie dann ans LGL weitergibt und das LGL wiederum die Zahlen ans RKI meldet. Für Verwirrung sorgen neben technischen Pannen vor allem die unterschiedlichen Meldezeitpunkte, also wann die einlaufenden Zahlen jeweils wo abgelesen werden.

Ein Beispiel: München veröffentlichte am 1. Oktober um 14.35 Uhr die Zahlen für Mittwoch, den 30. September. Darin waren alle positiven Tests gesammelt, die in den 24 Stunden von 29. September 16 Uhr bis 30. September, 16 Uhr aus den Laboren gekommen sind. So kamen sie auch beim LGL an, das am 1. Oktober um 8 Uhr morgens die Daten ablas. Das LGL gab wie immer alle gesammelten Fälle für ganz Bayern eigenen Angaben zufolge mehrmals täglich ans RKI weiter. Das wiederum betrachtete auch einen Zeitraum von 24 Stunden für den 30. September, nur einen anderen: Am 1. Oktober abends gab es einen Bericht heraus, der sich auf die 24 Stunden vom 30. September bezieht.

Die Staatsregierung beschloss am Donnerstag wegen der Datenprobleme, dass künftig einfach die jeweils höchste vorliegende Fallzahl der Behörden ausschlaggebend sei.

© SZ vom 02.10.2020/syn
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