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Coronavirus:München stoppt Impfaktion für Lehrer - weil zu wenige kommen

FREISING: Start Massenimpfung / Impfung für Lehrer und Erzieher

Überschaubare Resonanz: Die Impfbeteiligung bei der Aktion am Isar-Klinikum war eher gering (Symbolbild).

(Foto: Johannes Simon)

Das Personal von Grundschulen und Kitas sollte zu Tausenden am Isar-Klinikum immunisiert werden, doch weniger als ein Drittel nutzte das Angebot.

Von Ekaterina Kel

Eine Impfaktion hat die Stadt bereits wieder beendet: Am Isar-Klinikum an der Sonnenstraße wird es keine Impfungen mehr für Personal von Grundschulen und Kitas geben. Der Grund: Von den gut 31 000 Menschen, mit denen man für diese Aktion gerechnet hat, haben sich bloß 9866 dort impfen lassen - weniger als ein Drittel. Nach vier Wochen hat die Stadt die Kampagne deshalb für beendet erklärt.

Haben sich tatsächlich nur so wenige Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher gegen Corona impfen lassen? Und das, nachdem im Vorfeld die Forderungen für die Impfungen so laut waren, dass diese Gruppe in die zweite Prioritätsstufe vorgezogen wurde? Wolfgang Schäuble, Leiter des städtischen Corona-Stabs, sagte am Donnerstag dem Gesundheitsausschuss im Stadtrat: "Die Resonanz ist überschaubar, um das höflich zu formulieren."

Verena Dietl (SPD), Dritte Bürgermeisterin, bekräftige dies mit dem Kommentar, die Aktion sei "sehr schleppend" gelaufen. Sie bedauere es, dass nicht sofort alle Lehrerinnen und Lehrer dem Impfangebot nachgekommen seien. "Die Pandemie hat den pädagogischen Alltag von Bildungseinrichtungen schwer getroffen. Die Impfung ist eine große Chance, Schritt für Schritt wieder in die Normalität zurückzukehren", meinte Dietl.

Endgültig beziffern lässt es sich nicht, wie die Impfbeteiligung bei dieser Gruppe insgesamt war. Einige hätten sich zum Beispiel im Heimatlandkreis impfen lassen, schätzt eine Ärztin vom Isar-Klinikum, die bei der Impfaktion mitgearbeitet hat. Einige hätten einen anderen Termin im Impfzentrum in Riem oder bei ihrem Hausarzt angenommen. Wie viele jeweils zusätzlich geimpft wurden, ist unklar. Die bayerische Impfsoftware Bayimco lasse es leider nicht zu, Zahlen in Bezug auf bestimmte Personengruppen auszuwerten, teilt das Gesundheitsreferat mit.

Wegen dieser Unsicherheit müsse die schlechte Impfquote hinterfragt werden, sagt Martin Schmid, Vorsitzender des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands (MLLV). An seiner Schule und an mehreren Schulen seiner Kollegen vom MLLV wisse er von vielen Lehrerinnen, die einen Termin am Isar-Klinikum erhalten hätten - und einen weiteren in Riem, der früher war. Bei ihm an der Grundschule Klenzestraße liege die Beteiligung zum Beispiel bei etwa 90 Prozent. Schmid fordert, die anderen Zahlen ebenfalls zu erheben, sonst ergebe dies ein einseitiges und unzureichendes Bild.

Vielleicht haben einfach nicht alle abgesagt, die doch lieber nach Riem gefahren sind? Fest stehe, dass an manchen Tagen nur 200 Menschen gekommen seien, obwohl man mit 750 geplant habe, sagt die Impfärztin vom Isar-Klinikum. "Es wurden extra Leute dafür freigestellt, wir hätten das locker geschafft." Von denen, die kamen, hätten auch viele Nachfragen gehabt. Besonders häufig seien Ängste gewesen, dass die Impfung zu Fruchtbarkeitsstörungen führen könnte, berichtet die Ärztin.

Unter dem Grundschul- und Kita-Personal sind besonders viele jüngere Frauen. Sie könne sich vorstellen, dass sich einige auch wegen solcher Ängste gegen eine Impfung entschieden hätten, sagt sie. "Ich habe allen immer gesagt, dass es keinerlei Hinweise darauf gibt, dass sich die Impfung negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken kann." Doch sie wisse, wie schnell sich solche Falschinformationen über die sozialen Netzwerke verbreiteten. Sie habe auch immer wieder die Sorge gehört, dass die mRNA sich in das eigene Genom einbauen könnte. "Das ist unmöglich", sagt die Ärztin. Aber die Verunsicherung sei dann eben schon da.

Ein weiterer möglicher Rückschlag für die städtische Impfkampagne waren die zwei Astra-Zeneca-Stopps: Erst musste der Start der Aktion um vier Tage verschoben werden, weil der Bund die Impfung mit Astra Zeneca komplett ausgesetzt hatte wegen eines Risikos für Hirnvenenthrombosen. Und nachdem doch grünes Licht gegeben wurde, kam nur wenige Tage nach Beginn der Aktion die Entscheidung, Astra Zeneca für alle unter 60 Jahren auszusetzen. Nun stehen Hunderte vor der Frage, ob sie sich nach der aktuellen Empfehlung der Impfkommission für eine zweite Impfung einen mRNA-Impfstoff geben lassen - ein weiterer Faktor für noch mehr Verunsicherung.

"Unglücklich" nennt das Christian Müller. Er ist Fraktionsvorsitzender der SPD und Fachbereichsleiter für Kindertageseinrichtungen bei der Caritas in München. Sein Einblick aus der Branche: "Es gibt leider zu viele Kollegen und Kolleginnen, die sich zur Impfung eine Meinung gebildet haben, die ich sehr bedauere." Möglicherweise habe auch die anonyme Anmeldung den ein oder anderen davon abgehalten, sagt Müller. Doch auch er weist darauf hin, dass es unmöglich sei, die endgültigen Zahlen zu erheben.

© SZ vom 27.04.2021/syn
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