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Corona-Maßnahmen:Warum München die Maskenpflicht für Grundschüler aufgehoben hat

Coronavirus - Schule - Maskenpflicht

Maskenpflicht im Unterricht? Von Mittwoch an trifft das in München nur wieder Schülerinnen und Schüler von der fünften Klasse aufwärts.

(Foto: dpa)

Nur zwei Tage hat die Verordnung des Freistaats gegolten, nun hat die Stadt eine Ausnahme beschlossen. Dafür waren Vorbereitungen nötig.

Von Heiner Effern

Grundschüler in München müssen schon von diesen Mittwoch an keine Maske mehr am Platz tragen. Die Stadt hob die entsprechende Anordnung für die erste bis vierte Klasse am Dienstagabend auf. "Das Infektionsgeschehen ist in Grundschulklassen sehr gering, sie machen nur fünf Prozent der heute aktuell 83 geschlossenen Schulklassen aus", erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in einer Mitteilung. "Grundschüler sind keine Infektionstreiber." Die Regelung des Freistaats hat damit in München nur zwei Tage lang gegolten. Die Befreiung von der Maske schließt auch die Grundstufen an den Förderzentren ein.

Erlassen wurde die durchgehende Maskenpflicht für Grundschüler vom Freistaat Bayern am 16. Oktober. Sie tritt in Kraft, wenn der Inzidenzwert, also die Zahl der Infizierten pro 100 000 Einwohner in den letzten sieben Tagen, über 50 liegt. In begründeten Einzelfällen könne eine Kommune jedoch von der Verordnung abweichen, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Genau von diesem Recht mache man nun Gebrauch. Bereits am Montag im Krisenstab war die Maskenpflicht sehr kritisch diskutiert worden, sagte Reiters Sprecherin. Es sei darum gegangen, kleinere Kinder unbedingt vor unverhältnismäßigen Maßnahmen zu schützen, bestätigte auch Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne). Dafür habe sie sich im Krisenstab auch eingesetzt. Habenschaden findet die Entscheidung "richtig und wichtig".

Das Gesundheitsreferat hatte auf Bitte des Krisenstabs die Infektionszahlen an Grundschulen nochmals dargestellt. Diese fallen deutlich geringer aus als an Schulen, die ältere Kinder und Jugendliche besuchen. "Vor diesem Hintergrund habe ich entschieden, die Maskenpflicht aufzuheben, um die Einschränkungen gerade für die jüngsten Schülerinnen und Schüler durch das Tragen von Masken so gering wie irgend möglich zu halten", erklärte Reiter sein Vorgehen.

Dass die Grundschüler am Dienstag noch die Masken tragen mussten, war den nötigen Vorbereitungen geschuldet. Man habe sicherstellen müssen, dass und wie die Aufhebung rechtlich sicher möglich sei. Dazu habe es auch Rücksprache mit dem Freistaat gegeben, der positiv reagiert habe, sagte Reiters Sprecherin. Der Betrieb an den Münchner Schulen mit insgesamt etwa 5000 Klassen und 3000 Kitagruppen wird in Pandemiezeiten nach einem Stufenplan mit drei Phasen gesteuert. Einen Automatismus, dass die Phasen direkt an den Inzidenzwert gekoppelt sind, gibt es jedoch nicht. Dieser Wert fließt zwar in die Beurteilung ein, nach der das Referat für Gesundheit, die städtische Bildungsbehörde und die staatliche Schulaufsicht entscheiden. Eine wichtige Rolle spielt hier aber auch das konkrete Infektionsgeschehen an den Schulen. Deshalb gilt in München weiterhin die mittlere Stufe "gelb".

Das bedeutet, dass die Grundschüler in München weiterhin, wenn sie sich in der Schule bewegen, die Maske tragen müssen. Schülerinnen und Schüler von der fünften Klasse an aufwärts müssen weiterhin durchgehend Mund und Nase auch im Unterricht bedecken. Eine Ausnahme gilt nur, wenn sie einen Abstand von 1,5 Metern wahren können - das dürfte jedoch in fast keinem Klassenzimmer der Stadt wirklich möglich sein.

© SZ vom 21.10.2020/infu

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