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"Chopan":Gulas grüne Augen

Restlos überzeugen die gereichten Dips und stellen uns doch gleichzeitig vor schwierige Entscheidungen: Chapati mit Joghurtsoße oder erst Aubergine mit dem scharf-süßen Chili-Dip? Und wonach schmeckt denn nun genau dieses grüne Dressing? Koriander ist sicher dabei, denn die Afghanen lieben frischen Koriander. Wir tippen außerdem auf Limette, Essig, Pfeffer und Honig. Widerwillig verrät Saadat, dass wir mit dem Koriander richtig liegen und der andere Hauptbestandteil Minze ist.

Aufregendes Huhn, langweiliges Lamm

Gerade noch lassen wir die intensiven Aromen von Chilli und afghanischer Petersilie auf der Zunge nachbrennen, als der höfliche Afghane schon wieder an unserem Tisch steht, um den Hauptgang zu servieren. Natürlich haben wir Lamm bestellt, gekocht, mit Auberginen in pikanter Soße. Neben dem obligatorischen Reis gibt es dazu Kartoffeln. Auf afghanisch hört sich das viel schöner an: "Badenjan Tschalau". Außerdem probieren wir "Kababe Morgh ba Quabeli Palau": mariniertes Hühnchenfleisch und gebratenen "braunen" Reis mit Mandeln, Pistazien, Rosinen und gekochten Karottenstreifen, dazu Blattspinat.

Während die zarte Konsistenz des Hühnerspießes mit den kräftigen Gewürzen der Marinade und dem gleichzeitig vertraut und exotisch schmeckenden Blattspinat begeistern, hält der gebratene Reis nicht ganz mit seinen optischen Versprechen mit und hinterlässt fast etwas zu wenig Eindruck. Ähnlich geht es uns mit dem Lamm, das zwar mehr als genießbar ist, aber doch etwas unscheinbar wirkt im Vergleich zum köstlichen Hühnchenfleisch. Die Kartoffeln wiederum werden in einer tomatigen Soße so pikant serviert wie auf der Karte versprochen und schließlich stehen da noch die drei würzigen Dips zum Aufmotzen bereit.

Preise im oberen Mittelfeld

Glücklich wollen wir das Mahl mit einer weiteren Spezialität abrunden: Ferni. Doch auch der afghanische Vanille-Pudding mit Pistazien und Kardamom ist heute leider "nicht erhältlich" und Alternativen wie Mangocreme oder Bakklava erscheinen unseren frisch geschulten Geschmacksknospen nicht mehr exotisch genug. Für eine Kanne frischen Pfefferminz-Tee ist leider kein Platz in den vollen Bäuchen, also bleiben wir der italienischen Note treu und genießen einen intensiven Espresso.

Die Rechnung scheint angemessen, die Preise befinden sich im oberen Mittelfeld: Eine Vorspeise für Zwei beläuft sich im Chopan auf 13 Euro, Hauptgerichte sind für zwölf bis 15 Euro zu haben, die Halbe Bier kostet 3,20 Euro, die Apfelschorle (0,4l) drei Euro, ein Espresso zwei Euro. Rotweintrinker müssen allerdings mindestens 26 Euro für die Flasche hinlegen. Es lohnt sich übrigens den Wirt um eine Empfehlung zu bitten, wenn er sich nicht sowieso schon dazu bemüßigt gefühlt hat. Saisonal gibt es nämlich eine sehr überzeugende feurig-süße Vorspeise aus gebackenem Kürbis und Ingwer - und der Koch weiß schließlich selbst am besten, was ihm heute gelungen ist.

Eins ist sicher: Wenn wir in Zukunft mal wieder auf das berühmte Foto von Steve McCurry stoßen, werden wir nicht mehr an arme Flüchtlingskinder denken, sondern an aromatische Köstlichkeiten und reiche Rentner.