"Chi Hongkong Cuisine" Frisch und knusprig

Hinter der Theke krachten in der Eile immer wieder Gläser oder Geschirr ins Spülbecken, was auch von der Hintergrundmusik nicht gemildert wurde, die so leise und eintönig war, dass sie auch von einem quengelnden Handy hätte stammen können. Aber das Lokal hat eine so freundliche, familiäre Atmosphäre, dass wir uns leicht damit taten, über diese kleinen Misslichkeiten hinwegzulächeln.

Bei den Speisen war das gar nicht nötig. Nur der Spruch "Du bist, was du isst" auf der Karte reizte durchaus zum Lachen, denn wer will schon Schwein, Huhn oder Rind sein, wenn bereits die Pfanne lauert? Die Karte ist für ein Chinarestaurant verblüffend überschaubar. Die Vorspeisen und Suppen kosten etwa 4,30 bis 12,80 Euro (ein Entengericht, das leicht für zwei Personen reicht), Hauptgerichte von 12 bis 18 Euro, Desserts 3,80 Euro. Werktags gibt es preiswerte Mittagsmenüs.

Nun zu den Spezialitäten des Chi: Die kleine Wellness-Suppe, Kräuter, rote Datteln und Hühnerfleisch viele Stunden geköchelt, schmeckte nicht nur gesund, sondern auch sehr gut und machte Gaumen und Magen bereit für die folgenden Gänge. Bei den Vorspeisen sollte man auf keinen Fall das in Tempuramehl gebackene Soft-Shell-Krebsfleisch übergehen und nicht die Dim Sums, kleine gedämpfte Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen. Aber auch die gebackenen Wan-Tans und Hongkong-Röllchen waren köstlich frisch und knusprig.

Bei den Hauptgerichten ist die Aromatic Duck einfach Pflicht. Die Ente, in Kräuter eingelegt, erst gedünstet und dann gebraten, zerging auf der Zunge und hatte trotzdem eine rösche Haut. Das aromatische Entenfleisch gibt es auch als Vorspeise, wobei es mit Lauchzwiebel- und Gurkenstreifen in gedämpfte Pfannkuchen einzuwickeln ist - ein etwas mühsames Unterfangen. Zu Recht beliebt bei den Gästen ist das in Streifen geschnittene Entrecote, mit schwarzem Pfeffer gebraten und auf frischem Wok-Gemüse serviert. Dieses Wok-Gemüse, Spargelbohnen, großblättrige Brunnenkresse und Pok Choy, kurz gebraten, war ein Genuss für sich.

Ob gebratene Reisnudeln mit Krabben oder mit Streifen von Hühnerfleisch und Entrecote: Nichts gab es zu mäkeln. Besonders köstlich waren die gebratenen Schweinebauchscheiben in dunkler, würziger Sauce.

Etwas mehr Fischgerichte als im Chi angeboten, dürfte der Gast bei Hongkong Cuisine eigentlich erwarten. Dass die Küche mit dem Meeresgetier umzugehen versteht, bewies sie beim feinen Tintenfischsalat mit Limettensaft und frischem Chili und auch beim zarten, perfekt filetierten Wolfsbarsch, der ebenfalls mit Limettensaft überträufelt war. Die Desserts - gedämpfte Klebereisbällchen mit Mango oder im Teigmantel gebackenes Eis - waren eine recht gewöhnungsbedürftige Angelegenheit.

Das Zitat über den Geschmack eingangs stammt übrigens aus dem Roman "Judiths Liebe" von Meir Shalev. Das Buch ist ebenso zu empfehlen wie das Chi Hongkong Cuisine.