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Zweite Stammstrecke:"2023 ist das Schlimmste überstanden"

Markus Kretschmer, dem Projektleiter des Stammstreckenbaus, steht in der nächsten Zeit noch viel Kommunikationsarbeit bevor.

(Foto: Catherina Hess)
  • Markus Kretschmer hat Erfahrung im Bau von Bahnstrecken. Zuletzt war der 50-Jährige maßgeblich für den Bau der U-Bahn in Doha zuständig.
  • Jetzt kümmert er sich als Projektleiter um den Bau der zweiten Stammstrecke.
  • Die zahlreichen Proteste gegen das Projekt schrecken ihn nicht - die kennt er noch von den Plänen für den Bau des Transrapid.
  • Auch bei dem 2008 beerdigten Projekt war Kretschmer Planungsleiter.

Ein großes Bürgerfest feiern sie, zwei Tage lang Brot und Spiele am 5. und 6. April. Zelebriert wird der Spatenstich zur zweiten Stammstrecke am Marienhof, zu der Sause werden die A-cappella-Gruppe Wise Guys erwartet und die Crossover-Volksmusikanten Die Cubaboarischen. Es soll eine Wirtemeile geben und ein Programm für jedwede Generation. Und dann wird erst einmal ein gutes Jahr vergehen, ehe am Marienhof der Aushub für die etwa 40 Meter tiefe Baugrube des künftigen S-Bahnhofs beginnt. Bereits am 6. März dieses Jahres starten am Marienhof die Vorarbeiten, bei denen diverse Leitungen verlegt werden müssen.

Projektleiter des Stammstreckenbaus ist Markus Kretschmer, 50, ein Münchner mit viel internationaler Erfahrung. Bevor er im Mai vergangenen Jahres Stammstrecken-Chef wurde, war er maßgeblich beteiligt am U-Bahn-Bau in Doha, der Hauptstadt des Emirats Katar.

Mit Bürgerinitiativen wie in München hatte der Bau- und Wirtschaftsingenieur am Persischen Golf nicht zu tun. Und dass sich hier noch immer der Widerstand regt, nimmt Kretschmer gelassen. So viel Widerstand, sagt er, sei es ja gar nicht. Und er ist überzeugt, dass sich mit viel Kommunikation und Information auch die Haidhauser umstimmen oder zumindest besänftigen lassen. Dort, im Osten der Stadt, sind noch immer sechs Klagen gegen die Stammstrecke anhängig. Für Ende Februar hatte die Bürgerinitiative Haidhausen zur Demonstration am Wiener Platz aufgerufen. Anschließend hätte es im Hofbräukeller eine außerordentliche Bürgerversammlung gegeben. Die fiel aber aus - wegen des großen Andrangs.

Es wäre nicht die erste Bürgerversammlung von Kretschmer gewesen, der seinerzeit Planungsleiter der 2008 endgültig beerdigten Transrapid-Strecke zwischen Hauptbahnhof und Flughafen war. Offenheit gegenüber allen Beteiligten, sagt er, sei wichtig bei einem Projekt dieser Größenordnung.

Es wird noch viel zu kommunizieren geben in den nächsten Jahren. Deshalb soll zum Spatenstich auch ein Info-Zentrum für den Stammstreckenbau am Marienhof eröffnet werden. Dort wird das Projekt in 3-D-Simulationen vorgestellt und immer ein aktueller Stand der Bauarbeiten dargestellt.

Der genaue Zeitplan ist noch nicht abzusehen - auch wegen der Klagen

Der Zeitplan der Bauarbeiten ist noch relativ vage, nicht zuletzt, weil gegen die Planfeststellung für den östlichen Bauabschnitt noch die erwähnten Klagen laufen. Im Laufe des Aprils, hofft Markus Kretschmer, werden die Klagen vor dem Verwaltungsgerichtshof aber erledigt sein, im Januar hat die Bahn ihre Stellungnahme dazu abgegeben.

Wenn es so ausgeht wie für den westlichen und mittleren Bauabschnitt, dann hat die Bahn nichts zu befürchten. Mitte 2018 geht es dann am Marienhof los, etwas später sollen die Bauarbeiten am Orleansplatz starten, Ende 2018 am Hauptbahnhof. Von 2019 an sollen sich dann die vier Tunnelbohrmaschinen durchs Erdreich fressen, die Bauarbeiten für die Rettungsschächte starten etwa im Jahr 2020.

"2023 ist das Schlimmste überstanden", sagt Kretschmer. Dann werde man sich an den Innenausbau der Bahnhöfe machen. Demnächst, im Zuge der Vorarbeiten am Marienhof, werden sich Radler und Fußgänger an neue Wege gewöhnen müssen. Von März 2017 bis Ende März 2018 wird der Verkehr über provisorische Geh- und Fahrbahnen in Schrammer- und Dienerstraße gelenkt.

Im Zuge der Vorarbeiten ändert sich auch die Verkehrsführung für Radfahrer: Die Nord-Süd-Querung der Altstadt über die Sparkassenstraße wird nicht mehr möglich sein. Bis Ende August 2017 wird eine Alternativroute über Residenz- und Dienerstraße bis zum Marienplatz eingerichtet.

Es wird also eng in der Stadt. Mit den Geschäftsleuten, sagt Projektleiter Kretschmer, habe man sich aber gut verständigt. Man woll ja nicht das Geschäftsleben lahmlegen.

Vom 5. April an wird neun Jahre lang an der zweiten Stammstrecke durch München gebaut. Warum dauert es so lang? Und wie verändert sich die Stadt? Lesen Sie dazu:

© SZ vom 21.02.2017/bica/bhi

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