Kindesmissbrauch:Grüne: Kirchen sollen Missbrauch nicht selbst aufklären

Lesezeit: 1 min

Kindesmissbrauch: Die Kirchen - hier der sogenannte Teufelstritt in der Liebfrauenkirche - sollen Missbrauchs-Verdachtsfälle nicht selbst aufklären, fordern die Landtags-Grünen.

Die Kirchen - hier der sogenannte Teufelstritt in der Liebfrauenkirche - sollen Missbrauchs-Verdachtsfälle nicht selbst aufklären, fordern die Landtags-Grünen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die bayerische Landtagsfraktion fordert eine staatliche Ombudsstelle für Betroffene - und eine tatsächlich unabhängige Aufarbeitungskommission.

Von Bernd Kastner

Die Grünen im Landtag fordern die Staatsregierung auf, die Aufklärung und Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in den Kirchen staatlichen Institutionen zu übertragen. Nur so könne dies tatsächlich unabhängig geschehen. Die Kirchen dürften nicht länger versuchen, ihr eigenes Versagen selbst aufzuklären. Die Grünen unterstützen damit Forderungen des Betroffenenbeirats der Münchner Erzdiözese. Dessen Sprecher Richard Kick kritisiert, dass sich der Staat aus der Aufarbeitung weitgehend heraushalte. Der Freistaat solle eine tatsächlich unabhängige Aufarbeitungskommission einrichten, fordern die Grünen. Zudem eine staatliche Ombudsstelle, an die sich Betroffene wenden können, um unterstützt zu werden - etwa bei der Frage, ob sie Strafanzeige stellen sollen.

Gabriele Triebel, religionspolitische Sprecherin der Grünen, kritisiert die CSU: Diese habe offenbar "kein gesteigertes Interesse", Licht in die dunklen Ecken der Kirche zu bringen. Es sei falsch, wenn sich die CSU-geführte Staatsregierung für die Aufklärung der Missbrauchsfälle in den Kirchen nicht verantwortlich fühle. Mit einer Sachverständigen-Anhörung im Landtag wollen die Grünen beleuchten lassen, wie der Freistaat aktiver werden könne. Eine umfassende, staatlich initiierte Hell- und Dunkelfeldstudie solle das Ausmaß von sexualisierter Gewalt in den Kirchen untersuchen.

Was in Orden und Klöstern geschehen sei, sei noch weitgehend unbekannt

Toni Schuberl, rechtspolitischer Sprecher der Grünen, wirft früheren Justizministern Versagen vor: Staatsanwaltschaften hätten über Jahre zu passiv agiert im Umgang mit Verbrechen in den Kirchen. Den aktuellen Minister lobt Schuberl vorsichtig: Georg Eisenreich sei "bemüht". Der Grünen-Abgeordnete will die Frage beantwortet wissen, "inwiefern auch staatliche Stellen die systematische Vertuschung von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen im kirchlichen Kontext begünstigt haben".

Richard Kick vom Betroffenenbeirat betont, dass bisher nur Teile dessen bekannt seien, was in den Kirchen Kindern angetan worden sei. Was in Ordensgemeinschaften und Klöstern geschehen sei, sei weitgehend unbekannt. In allen bayerischen Diözesen gibt es mittlerweile ehrenamtlich tätige Aufarbeitungskommissionen. Die Aufarbeitung solcher Verbrechen dürfe aber nicht länger Ehrenamtlichen aufgeladen werden, fordern Kick und die Grünen. Es brauche auch hier professionelle Strukturen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusMissbrauch in der Katholischen Kirche
:Die Akte der Namenlosen

Nach gut zwei Jahren beendet die Staatsanwaltschaft die Missbrauchs-Ermittlungen in der Causa Piusheim. Drei Zeugen berichteten zwar öffentlich von schockierenden Erinnerungen - doch diese Hinweise reichen nicht aus.

Lesen Sie mehr zum Thema