Verkehr in München:Autoreisezüge sollen erhalten bleiben

Lesezeit: 3 min

Verkehr in München: Hier ging es bisher los: Am Ostbahnhofareal an der Friedenstraße in Berg am Laim konnten die Autos verladen werden. Bald soll hier für die zweite S-Bahn-Stammstrecke gegraben werden.

Hier ging es bisher los: Am Ostbahnhofareal an der Friedenstraße in Berg am Laim konnten die Autos verladen werden. Bald soll hier für die zweite S-Bahn-Stammstrecke gegraben werden.

(Foto: Florian Peljak)

Weil das bisherige Verladeterminal am Ostbahnhof für die zweite S-Bahn-Stammstrecke weichen muss, drohte München bei den Autoreisezügen den Anschluss zu verlieren. Nun aber soll am früheren Südbahnhof aufwändig ein neues Terminal entstehen.

Von Andreas Schubert

Für Reisende, die im Urlaub nicht auf das eigene Auto verzichten wollen, aber weite Strecken scheuen, sind Autoreisezüge eine willkommene Alternative. Weil die Deutsche Bahn (DB) ihr Autoverladeterminal am Ostbahnhof schließen und zugunsten des neuen S-Bahn-Stammstreckenbahnhofs abreißen will, sah es lange so aus, als gäbe es künftig von München aus keine Reisen mehr mit dem Autozug.

Jetzt soll am früheren Südbahnhof zwischen der Isarvorstadt und Untersendling ein neues Terminal gebaut werden. Dieser Plan ist Teil der geänderten Planfeststellungsunterlagen zum Bau des östlichen Stammstreckenabschnitts, die seit Montag im Planungsreferat sowie online unter www.2.stammstrecke-muenchen.de/verfahren-pfa3ost.html noch bis zum 19. Juli eingesehen werden können.

Verkehr in München: Auffahrt zur Zugfahrt: Am alten Südbahnhof in Sendling sollen die Autos künftig auf die Waggons rollen können.

Auffahrt zur Zugfahrt: Am alten Südbahnhof in Sendling sollen die Autos künftig auf die Waggons rollen können.

(Foto: SZ-Karte/Foto: GoogleEarth)

Das neue Terminal ist eine von 16 geprüften Standort-Varianten. Bei der Standortsuche waren einige wichtige Kriterien zu beachten. Obwohl derzeit von München aus keine Autozug-Verbindung nach Italien angeboten wird, soll die Anlage an einer Hauptstrecke Richtung Brenner liegen. Dann soll sie gut an das überregionale Straßennetz angebunden sein. Weil mit den Zügen auch Reisende ohne Auto unterwegs sind, ist eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr erforderlich. Weitere Kriterien sind der Aufwand der baulichen Maßnahmen und die Verfügbarkeit eines Grundstücks, das optimalerweise der DB gehört.

Heißer Favorit als Ersatzstandort war bisher Kempten. Dort hielten bis 2008 Autoreisezüge. Den Standort hält die DB für gut geeignet, weil hier nur vergleichsweise wenig neu gebaut werden müsste. Auch die Anbindung an das Fernbahnnetz ist gut. Als Nachteil betrachtet die DB, dass Kempten nicht an einer Hauptstrecke nach Österreich respektive Italien liegt. Vorteil sei aber, dass Reisende aus dem Norden direkt im Allgäu, also einer beliebten Urlaubsregion, ankommen würden.

Ingolstadt war ebenfalls im Gespräch. Doch das liegt nach Urteil der Planer zu weit im Norden und entsprechend zu weit entfernt von München und den oberbayerischen Urlaubsregionen. In München und Umgebung wurden unter anderem die Standorte Freimann, Unterschleißheim und der Flughafen geprüft. Doch diese liegen ebenfalls nicht an einer Hauptstrecke nach Italien.

Also hat sich letzten Endes der frühere Südbahnhof als beste Variante durchgesetzt, auch wenn dort ein hoher baulicher Aufwand notwendig ist. Der Standort liegt an einer elektrifizierten Hauptstrecke, Zwischenhalte an einem der weiteren Münchner Bahnhöfe sind möglich. Und das Gleis 25 bietet im Gegensatz zu allen anderen Gleisen ausreichend Nutzlänge zur Abfertigung des Autoreisezuges. Die räumliche Nähe zum gesamten Alpenraum als auch zur Stadt München bleibt nach Auffassung der Planer vollumfänglich bestehen.

Im Moment sind die Züge gut gebucht

Wie der Verkehr dann in Richtung des neuen Verladeterminals geleitet werden soll, darüber befindet sich die Bahn nach eigenen Angaben im Gespräch mit der Stadt. Die direkte Zufahrt ist aktuell an der Thalkirchner Straße, Ecke Oberländerstraße, vorgesehen. Dorthin könnten Reisende von außerhalb zum Beispiel vom Süden kommend über die A995 oder die A95 über den Mittleren Ring, die Schäftlarn-, Lagerhaus- und Thalkirchner Straße gelangen. Die Bahn erwartet aber keine signifikante Verkehrszunahme.

Das Verladen übernimmt ein privates Unternehmen. Während die Deutsche Bahn (DB) ihre Autoreisezüge längst eingestellt hat, bietet die Firma Train4You noch immer Verbindungen von und nach München an. Ziele sind Hamburg und Düsseldorf. Und nach Auskunft des Unternehmens läuft das Geschäft derzeit sehr gut.

Man werde im Jahr 2022, Winter- und Sommersaison zusammengerechnet, auf 56 Züge von und nach München kommen. "Wenn Sie nur eine Auslastung von 50 Prozent, also 35 Fahrzeuge pro Zug, annehmen, kommen Sie auf rund 1900 Fahrzeuge", rechnet Train4You-Sprecher Christian Oeynhausen vor. "Und wir sind auf vielen Terminen stärker gebucht als 50 Prozent und teilweise jetzt schon ausgebucht", sagt er.

Die DB spricht dagegen in ihren Planungsunterlagen von 600 Fahrzeugen pro Jahr. Diese weitaus geringere, offenbar 2020 erfasste Zahl, hält Oeynhausen dagegen, sei pandemiebedingt so niedrig. Die Zahl der verladenen Autos halte Train4You zudem für rechtlich irrelevant, wenn es um das Recht auf Nutzung der Infrastruktur geht.

Eine Pause von bis zu drei Jahren droht

Zu den neuen Plänen für den Südbahnhof will sich Oeynhausen aber erst äußern, wenn das Unternehmen sie genau geprüft hat. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat sich noch nicht im Detail mit den neuen Planfeststellungsunterlagen beschäftigt und will später dazu eine Stellungnahme abgeben. Der VCD hatte bei den alten Unterlagen zum Bau der zweiten Stammstrecke unter anderem wegen des Wegfalls der Autoverladung am Ostbahnhof Einwand erhoben. Dass diese nun in München verbleibt, verbucht der Verkehrsclub als Erfolg.

Einen Haken hat die Sache allerdings: Dass die Autoverladung durchgehend erhalten bleibt, ist ungewiss. Zwar heißt es in den Unterlagen: "Der Vorhabenträger stellt sicher, dass der Rückbau der Autoverladeeinrichtung am Ostbahnhof erst erfolgt, wenn der funktional gleichwertige Ersatz dafür zur Verfügung steht."

Dann jedoch folgt der Nebensatz: "Wobei jedoch ein zeitlicher Versatz von bis zu drei Jahren aufgrund bauzeitlicher Zwänge erforderlich werden kann und zumutbar und möglich ist, da eine lediglich vorübergehende Betriebsunterbrechung keine Betriebseinstellung darstellt."

Zur SZ-Startseite

SZ PlusVerkehr
:Mehr Parkausweise als Parkplätze

Wo viele wohnen, gibt es viele Autos, aber zu wenig öffentliche Stellplätze. Weitere Radwege und Schanigärten verschärfen die Parkplatznot. Sollen so die Autos für die Verkehrswende aus der Stadt gedrängt werden?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB