Alternative zum Krankenhaus Münchens zweites Geburtshaus eröffnet

Das neue Geburtshaus an der Theresienwiese, Lindwurmstraße 92a, wird am Donnerstag offiziell eröffnet.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Bedarf an Entbindungsplätzen in der Stadt steigt seit Jahren. Nun können Schwangere ihre Babys bei Hebammen in einem Haus an der Theresienwiese zur Welt bringen.

Von Inga Rahmsdorf

Die Arbeit hat längst begonnen. 20 Kinder sind bereits im zweiten Geburtshaus Münchens zur Welt gekommen. Eine offizielle Eröffnungsfeier aber gab es noch nicht. Die Hebammen waren in den vergangenen Monaten noch zu sehr mit Anträgen, Umbauten und anderen organisatorischen Dingen beschäftigt. Nun ist es endlich soweit: Die beiden Leiterinnen Larissa Löffler und Anita Schultze haben auch die letzte Genehmigung erhalten, um den hinteren Teil des Gebäudes an der Theresienwiese umzubauen.

Jetzt soll das neue Geburtshaus auch offiziell eröffnet werden. Für diesen Donnerstag haben die Hebammen die Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs, Stadträte sowie Vertreter der Münchner Geburtshilfe eingeladen. "Wir möchten uns auch bedanken", sagt Schultze. Die Stadt unterstützt den Umbau des neuen Geburtshauses mit 75 000 Euro.

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Die Nachfrage ist schon jetzt hoch. Bis Januar kann niemand mehr auf die Warteliste für Geburten aufgenommen werden. Etwa zehn bis 20 Babys können pro Monat in den Räumen an der Theresienwiese geboren werden. Derzeit gibt es zwei Geburtszimmer. Wenn der Umbau abgeschlossen ist, wird noch ein drittes hinzukommen. Es laufe bisher sehr gut, sagt Schultze. Die Frauen würden sich wohlfühlen in den Räumen. Und auch die Kurse, von Schwangerschaftsvorbereitung über Yoga bis hin zur Rückbildungsgymnastik, würden gut nachgefragt.

Nur weitere Kolleginnen könnten die sieben Hebammen noch gebrauchen. "Wir führen derzeit Vorstellungsgespräche und es sieht gut aus, dass zwei weitere Hebammen im Herbst das Team erweitern werden", sagt Schultze. Doch wie überall in München, so bekommen auch sie den Fachkräftemangel in der Geburtshilfe zu spüren. Zudem unterscheidet sich die Arbeit im Geburtshaus stark von der im Krankenhaus.

Und nicht jeder Hebamme liegt die selbständige Tätigkeit. "Es ist schon eine Herausforderung und sehr viel Eigenverantwortung", sagt Schultze. Die hohen Haftpflichtprämien für Hebammen kommen noch erschwerend hinzu. "Aber wir unterstützen auch gern Berufsanfängerinnen beim Einstieg in die Freiberuflichkeit", betont die Leiterin. Drei der Hebammen aus dem Team bieten auch Hausgeburten an.

Bis Herbst vergangenen Jahres gab es in München nur ein Geburtshaus, das bereits seit 1994 existiert und etwa 250 Geburten im Jahr betreut. Vor vier Jahren war die Einrichtung von der Schließung bedroht, weil der Mietvertrag in dem Gebäude in Neuhausen auslief und die Hebammen keine neuen Räume fanden.

Die Anfragen würden reichen, um ein drittes Geburtshaus zu eröffnen

Ende 2014 wandten sie sich deswegen mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit und sammelten mit einer Online-Petition mehr als 10 000 Unterschriften. Darin forderten die Hebammen den Stadtrat auf, sie bei dem Erhalt ihrer Einrichtung zu unterstützen. Der zeigte sich auch hilfsbereit. Nach langer Suche zog das Geburtshaus schließlich im Sommer 2016 in ehemalige Praxisräume im Westend.

Der Weg von der Idee, ein zweites Geburtshaus in München zu gründen, bis zur Eröffnung war nicht immer einfach. Larissa Löffler und Anita Schultze hatten zuvor beide in der Hebammenpraxis im Lehel gearbeitet. Über ein Jahr lang suchten sie nach geeigneten Räumen. Zwar fanden sie diese schließlich im vergangenen Jahr in dem Gebäude an der Theresienwiese, doch dann gab es Schwierigkeiten mit der Bauordnung.

Die Hebammen mussten eine Nutzungsänderung und Zweckentfremdung beantragen - und das bürokratische Prozedere kostete viel Zeit. Währenddessen zahlten Löffler und Schultze bereits 3500 Euro monatliche Miete, durften zunächst aber keine Geburten in den Räumen begleiten.

Schultze ist nun zuversichtlich, dass alle Umbauten Ende 2018 abgeschlossen sein werden und sie dann die gesamte Fläche von 210 Quadratmetern nutzen können. Im Vergleich zu der gesamten Zahl von 23 650 Geburten pro Jahr in München ist die Zahl der Babys, die in den beiden Geburtshäusern zur Welt kommen, relativ gering. Doch die Geburtsabteilungen sind überfüllt und der Bedarf an Entbindungsplätzen steigt seit Jahren. Da zählt jeder Platz.

Außerdem garantiert das Geburtshaus den Frauen eine Wahlfreiheit, denn es bietet eine Alternative zu Klinik und Hausgeburt. Wenn sie noch mehr Kolleginnen finden, könnten sie auch noch mehr Geburten begleiten, sagt Schultze. Die Anfragen würden schon reichen, um ein drittes Geburtshaus zu eröffnen.

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