Nordkorea:Das Arsenal des Dialogs

Pjöngjang ist stolz auf eine neue Waffe. Sie einzusetzen, wäre selbstmörderisch.

Kommentar von Thomas Hahn

Nordkorea hat einen Langstrecken-Marschflugkörper getestet, eine Cruise Missile, die sich selbst ins Ziel steuern kann. Die Staatsmedien sprechen von einem "epochalen Erfolg" und von einer "strategischen Waffe". Nahezu jedes Ziel in Japan ist mit dieser Rakete anzusteuern, eine Abwehr dagegen ist nur schwer möglich. Fraglich ist allerdings, ob Nordkorea auch zur ultimativen Bedrohung in der Lage ist, indem es den Raketenkopf mit einem Nuklearsprengkopf bestückt. So weit sind die Entwickler wohl noch nicht, aber das kann sich ändern. Momentan gilt: Nordkorea hat nicht den selbstmörderischen Plan und auch nicht die Kraft, andere Länder anzugreifen.

Joe Biden muss einen klugen Dialog versuchen

Nordkorea nutzt seine Drohkulisse um Kräfte abzuschrecken, von denen die Parteidiktatur sich bedroht fühlt. Vor allem zeigt der jüngste Test, dass das Regime die Entwicklung neuer Systeme nicht aufgegeben hat - und wohl auch nicht seine nuklearen Ambitionen. Das heißt: Nordkorea wird immer gefährlicher. Vielleicht irgendwann auch so gefährlich, dass doch eine konkrete nukleare Bedrohung für Südkorea oder auch Japan entsteht. Deshalb ist der Test auch eine Erinnerung daran, wie wichtig ein neuer, kluger Dialog mit Pjöngjang ist.

US-Präsident Joe Biden hat sich dazu bekannt. Er sucht den Kompromiss aus den Nordkorea-Strategien seiner Vorgänger. Er will weder zurück zur sogenannten strategischen Geduld aus der Barack-Obama-Zeit, die nichts als Stillstand brachte. Noch will er einen Spektakel-Dialog, mit dem Donald Trump Schlagzeilen und falsche Hoffnungen produzierte. Mit Südkorea und Japan überlegen die Amerikaner gerade, wie die Annäherung gelingen kann. Sicher ist, wie sie nicht gelingen wird. Machthaber Kim Jong-un wird Nordkoreas Arsenal niemals hergeben. Denuklearisierung ist eine schöne, unmögliche Vision. Das Ziel muss ein anderes sein: ein verbindlicher Frieden, in dem Nordkorea seine Raketenfähigkeit nicht weiter ausbaut.

© SZ/jsl
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