Wahlkampf:Diskussionsfreudig

Wahlkampf: Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und Mitglied im CDU-"Zukunftsteam".

Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und Mitglied im CDU-"Zukunftsteam".

(Foto: AFP)

Karin Prien ist Mitglied in Armin Laschets Zukunftsteam - und fragt sich, was Rechtsaußen-Kandidat Hans-Georg Maaßen "eigentlich in der CDU sucht".

Von Peter Burghardt

Am Donnerstag war Karin Prien wieder in ihrer Funktion als Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein unterwegs, Grußwort zur Feier des 75-jährigen Bestehens der Europa-Universität in Flensburg. Aber klar, es begleitet sie gerade diese Sache mit Maaßen und auch die Geschichte mit dem Gendern.

Die CDU-Politikerin ist Teil des sogenannten "Zukunftsteams" von Armin Laschet, Abteilung Bildung. Am Dienstagabend saß sie in der Talkshow von Markus Lanz und beantwortete die Frage, wie sie es finde, dass die CDU Hans-Georg Maaßen als Bundestagskandidaten für Südthüringen aufgestellt hat. Das müsse sie hinnehmen, sagte sie, auch wenn sie gar nicht davon begeistert sei und sich frage, "was Herr Maaßen eigentlich in der CDU sucht".

Ob sie Maaßen wählen würde, wenn sie in dessen Wahlkreis leben würde, erkundigte sich der Moderator dann. Sie sage mal so, sagte sie, "ich bin von Leistungssportlern immer wieder fasziniert". Gegen Maaßen tritt für die SPD der frühere Biathlon-Olympiasieger Frank Ullrich an. Damit sprach Prien sich so deutlich gegen den Rechtsausleger der Union und ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten aus, wie es zum Beispiel ihr Parteichef und Kanzlerkandidat Armin Laschet nicht wagt. Maaßen verlangt in der Bild ihren Rauswurf aus dessen Zukunftsteam, sie sei eine Belastung. Auch auf Twitter ist die Sache ein großes Thema in besonders heiklen Zeiten, die Scholz-SPD enteilt ja gerade Laschets CDU.

Weitere Erregung löst sie beim Thema Gendern aus

Am Telefon mag Karin Prien am Donnerstag nichts mehr dazu sagen. Wobei es sein könnte, dass sie zahlreichen Parteifreunden in der Causa aus der Seele gesprochen hatte. Aber nicht genug: Weitere Aufregung löst Karin Prien derweil beim Thema Gendern aus. Es geht um Streit in der Kieler Jamaika-Koalition.

Gerade wurde im Wahlkampffinale noch mal ihr Hinweis publik, dass Gender-Sternchen, Sonderzeichen oder Unterstriche an den Schulen nichts zu suchen hätten. Sie beruft sich auf Regeln und eine Empfehlung des Rates für deutsche Rechtschreibung. "Ich handele als Bildungsministerin auf Grundlage der geltenden Erlasse", sagt sie nun. Der grüne Bündnispartner läuft Sturm: "Gendergaga", sagt der Kabinettskollege Jan Philipp Albrecht. Die CDU in Schleswig-Holstein verliere sich "im realitätsfernen Populismusbingo", schreibt der Landtagsabgeordnete Lasse Petersdotter. Obendrein regt der CDU-Fraktionschef Tobias Koch einen Volksentscheid an.

Eine Telefonkonferenz der Koalitionäre brachte offenbar wenig Entspannung. Man sei eine diskussionsfreudige Koalition, sagt Prien jetzt. "Aber es gibt nun mal Themen, da sind wir unterschiedlicher Meinung." Das sei auch nicht verwunderlich, "wenn man sich anschaut, wo die Grünen weltanschaulich herkommen und wo wir herkommen".

"Man darf sich jetzt nicht beirren lassen von Umfragen."

Aufmerksamkeit erregt Karin Prien zuweilen. 1965 in Amsterdam geboren, wuchs sie erst in den Niederlanden auf, wohin ihre Großeltern vor den Nazis geflohen waren. Sie kam nach Deutschland, trat 1981 in die CDU ein, sie steht dem Jüdischen Forum der Partei vor. Die Juristin saß von 2011 bis 2017 für den Wahlkreis Blankenese in Hamburgs Bürgerschaft, dann wurde sie Bildungsministerin in Schleswig-Holstein.

Wegen Corona regte sie 2020 kurz die Absage der Abiturprüfungen an und gab dann schnell Entwarnung. Sie war Unterstützerin der liberalen Initiative "Union der Mitte", eines Gegenmodells zur "Werteunion", die in Maaßen ihren prominentesten Vertreter hatte. Wenn man sie fragt, wie die Wahl für Laschet noch zu gewinnen sei und ob sie dann Bundesbildungsministerin werde, dann sagt sie Sätze wie diese: "Man darf sich jetzt nicht beirren lassen von Umfragen." Die CDU sei am besten geeignet, die großen Zukunftsfragen zu lösen. "Wir kämpfen, um vernünftig abzuschneiden."

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