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Bildung:Jetzt sind die Jüngsten dran

Leerer Schulhof an der Karl-Treutel Grundschule - Kelsterbach 23.01.2021: Karl-Treutel Grundschule *** Empty schoolyard

Viele Kinder lernen gerade: Erwachsene denken zuerst an sich selbst.

(Foto: Marc Schueler via www.imago-images.de/imago images/Marc Schüler)

Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie herumgeschubst wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe. Jetzt müssen sie endlich ihre Rechte zurückerhalten - denn ihr Schulunterricht und ihr soziales Leben sind wichtiger als die Vergnügungen der Erwachsenen.

Kommentar von Christina Berndt

"Mallorca!", rufen die Erwachsenen. "Cappuccino!" Und vor allem: Ich zuerst! Gerade kämpfen Bürger verbissen um mehr Freiheiten. Wer jetzt was darf. Und wie man möglichst schnell an den Status des vollgeimpften Bessergestellten kommt, für den das Leben so viel angenehmer und lustvoller geworden ist. Dabei geht es um Themen, die wichtig sein mögen und die vielen Menschen offensichtlich eine Herzensangelegenheit sind: Reisen. Essen. Shoppen.

Es gibt aber, das mag man angesichts dieser Diskussionen kaum glauben, Themen, die noch wichtiger sind: Bildung, Entwicklung und psychisches Wohlergehen. Themen, die für die verletzlichste Gruppe dieser Gesellschaft, die Kinder und Jugendlichen, untrennbar mit Schule verbunden sind, und zwar mit offener Schule. Und doch sehen Kinder, während die Hotels ihre Tore jetzt weit öffnen, immer noch zu selten eine Schule von innen. Während sich die Erwachsenen um Privilegien streiten, denken sie erst an letzter Stelle, wie schon so oft in dieser Pandemie, an die Kinder, an ihre Freiheiten und Rechte, an ihr körperliches und seelisches Wohlergehen. Man kann den Kinder- und Jugendärzten deshalb nur dankbar sein, dass sie erneut auf die Entwicklungsprobleme und das Leid junger Menschen verweisen, denen Struktur und soziale Begegnungen fehlen.

Baldige und möglichst umfassende Schulöffnungen sind zwingend

Baldige und möglichst umfassende Schulöffnungen sind eine zwingende Konsequenz daraus. Natürlich sind diese mit Risiken verbunden. Aber das gilt für die Öffnung von Hotels, Schwimmbädern, Restaurants und Geschäften ebenso. Alles ist in dieser Pandemie mit Risiken verbunden. Überall, wo sich Menschen treffen, können Infektionen weiterverbreitet werden.

Und dennoch ist es Zeit, den Kindern jetzt dort, wo die Infektionszahlen ein stabiles Maß unter 100 und die Erstimpfquoten ein erfreuliches Maß von mehr als 30 Prozent erreicht haben, ein normales Leben und Entwicklungschancen zu ermöglichen. Die Schulen sind zuletzt viel sicherer geworden: Kinder werden so intensiv getestet wie keine andere Bevölkerungsgruppe, Masken tragen sie sowieso. Viele Lehrer, wenn auch leider noch nicht alle, die das möchten, sind mittlerweile geimpft. Und schließlich: Der Winter ist vorbei, Unterricht bei geöffneten Fenstern ist keine Zumutung mehr.

Trotz allem sind Schulen gewiss kein coronafreier Raum. Schon beim Test können sich Kinder anstecken, weil sie mit ihren dabei maskenlosen und wegen der Wattestäbchen oft niesenden Klassenkameraden in einem Raum sitzen. Schnelltests produzieren falschnegative Ergebnisse in mitunter unerfreulicher Zahl. PCR-Tests hingegen brauchen Zeit, bis das Ergebnis vorliegt. Zu viele Lehrer haben immer noch keinen Impfschutz, die allermeisten impfbaren Schüler ab 16 auch nicht. Und, ja: Wenn Kinder in die Schule gehen, gehen noch mehr Eltern wieder in die Arbeit, statt im Home-Office auf die Virenbremse zu treten.

Aber es ist wichtiger, das Risiko zu tragen, das von Schulöffnungen ausgeht, als das Risiko, das von Hotelöffnungen ausgeht. Kinder wurden in dieser Pandemie herumgeschubst wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe. Die Maßnahmen, die sie trafen, galten größtenteils dem Schutz der anderen - auch wenn Kinder gewiss ein genuines Interesse daran haben, dass ihre Eltern und Großeltern nicht schwer erkranken. Jetzt müssen endlich die Kinder ihre Rechte zurückbekommen.

© SZ/kia
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