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Audi:Ein Plan, der Deutschland sehr schnell verändern könnte

Audi A3 e-tron

Von der Ausnahme zur Regel: Von 2026 will Audi den A3 und den A4 nur noch mit Elektromotor anbieten.

(Foto: Hendrik Schmidt/picture alliance / dpa)

Audi setzt bald schon voll auf Elektromobilität. Das ist eine ebenso große wie gewagte Entscheidung.

Kommentar von Max Hägler

Die Verkehrswende läuft derzeit vor allem in den Köpfen: Der Autofahrer redet viel über Batteriewagen, bestaunt sie mitunter auch, kauft aber dann doch meist einen Benziner oder Diesel. Da weiß man, woran man ist und wie weit man kommt - Klimaschutz hin oder her. Doch dieses Kaufverhalten wird sich ändern, schneller als gedacht. Audi hat als erster Autobauer in Deutschland einen konkreten Ausstiegsplan aus Benzin und Diesel vorgelegt. Von Mitte des Jahrzehnts an wird es die Modelle A3 und A4 nicht mehr in gewohnter Form geben. Und in gut einem Jahrzehnt wird man in Ingolstadt nur noch Batterieautos kaufen können.

Das ist klarer und radikaler, als es die Pläne der Konkurrenz sind, und nicht ohne Risiko. Denn noch kommt das Geschäft fast ausschließlich von Verbrennern, die zudem noch profitabler sind. Von den knapp zwei Millionen Autos pro Jahr haben derzeit nur ein paar Tausend Batterien. Und es ist nicht so, dass eine Fabrik in Brüssel, Győr, Neckarsulm oder eben Ingolstadt mal eben so zwischen alter und neuer Welt wechseln kann. Anlagen werden demnächst umgebaut für viele Millionen, Ingenieure ändern ihre Planungen, Tausende Zulieferer bekommen mit viel Vorlauf neue Aufträge und beginnen mit der Fertigung anderer Teile. Die Produkte schließlich, die Autos, haben in der Autowelt nur eine begrenzte Laufzeit, in der sie verkauft werden können. Sieben Jahre sind es meist. Es ist eine gewaltige Entscheidung ohne einfache Rückzugsmöglichkeit.

Unternehmerischer Mut

Falls also in einem halben Jahrzehnt viele Kunden weiter das fahren wollen, was sie kennen - Benzin und Diesel -, dann hat Audi ein Problem, dann könnten etliche Leute zu Wettbewerbern abwandern. Dabei geht es um Milliarden. Nicht umsonst sind die C-Klasse von Mercedes und der 3er von BMW genau ähnlich positioniert wie der Audi A4.

Viel aber spricht dafür, dass sich der unternehmerische Mut von Audi-Chef Markus Duesmann auszahlen wird. Die Politiker in der EU, China und den USA verlangen immer CO₂-ärmere Fahrzeuge. Elektrowagen sind da die bestmögliche Antwort, sie können im Idealfall CO₂-frei fahren. Auch deshalb wird in immer mehr Ländern, auch in Deutschland, sogar über ein Verbrennerverbot diskutiert. Und die Wirtschaft wie zumindest Teile der Bevölkerung versperren sich dem nicht, das zeigen Umfragen. Das zeigen aber auch die bizarr hohen Investitionen in den großen Konkurrenten Tesla. Der E-Auto-Pionier aus den USA ist das am höchsten bewertete Fahrzeugunternehmen der Welt.

Vom Dieselsünder zum Klimaretter?

Mit der neuen Strategie kann das Unternehmen aus Ingolstadt endlich wegkommen vom miserablen Diesel-Image und dem damit verbundenen Rückstand bei den neuen Technologien. Zudem reiht sich Audi mit seiner Entscheidung nun bei den Hoffnungsträgern ein: In zwei Schritten vom Dieselsünder beinahe zum Klimaretter, das ist ein bedeutender Wandel, vielleicht auch der einzige, der Audi aus der Mittelmäßigkeit holen kann.

Dieser Strategiewechsel reicht über Ingolstadt hinaus. Die direkten Konkurrenten BMW und Daimler geraten in Zugzwang, das beschleunigt erfreulicherweise den Wandel zur Elektromobilität. Zugleich muss die Gesellschaft sich überlegen: Woher soll der Strom für E-Autos kommen? Wie können Abermillionen Fahrzeuge geladen werden? Was passiert mit den Jobs? Woher kommen die Rohstoffe? Es braucht Antworten, und zwar schnell.

© SZ
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