Landwirtschaft:Lieber Brache als Sonnenblumen

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Es ist ein Fehler, auf Flächen, die für den Artenschutz reserviert waren, Getreide anzubauen. Es gibt effektivere Methoden, die Ernährung zu sichern.

Kommentar von Tina Baier

Auf den ersten Blick ist die Entscheidung von Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) vernünftig und richtig: Landwirte in Deutschland dürfen zusätzliches Getreide anbauen, um die Engpässe auf dem Agrarmarkt auszugleichen, die durch den Krieg in der Ukraine entstanden sind. Auf Flächen, die eigentlich schon für den Artenschutz reserviert waren, werden nächstes Jahr Getreide, Sonnenblumen und Hülsenfrüchte wachsen. Auf den zweiten Blick ist das falsch und kurzsichtig.

Als Reaktion auf den Ukrainekrieg müsste Deutschland eigentlich daran gelegen sein, die Produktion von Lebensmitteln auch langfristig zu sichern. Dass das nur möglich ist, wenn die Natur intakt und die Böden nicht durch die intensive Landwirtschaft mit ihrem Einsatz von Herbiziden, Pestiziden und Unmengen von Dünger überstrapaziert sind, scheint vielen leider immer noch nicht klar zu sein.

Ein Großteil des in Deutschland angebauten Getreides wird an Schweine verfüttert

Die meisten Politiker betrachten Umwelt- und Artenschutz offenbar immer noch als Luxus, den man sich in guten Zeiten leisten kann und der in schlechten als Erstes wieder gestrichen wird. Das ist nicht nur bitter für Artenschützer, sondern gefährlich für die ganze Menschheit. Wie der Klimawandel hat das weltweite Artensterben nämlich das Potenzial, die Erde zu einem unwirtlichen Ort zu machen, auf dem Menschen nur noch mit Mühe überleben können.

Das Ziel, die Lebensmittelversorgung zu sichern, ist ehrenhaft und verständlich. Fakt ist aber, dass die Ernährung der Bevölkerung in Deutschland nicht in Gefahr ist. Und global betrachtet sind die zusätzlichen Erträge, die jetzt durch die beschlossenen Einschnitte im Artenschutz erzielt werden können, irrelevant.

Es gäbe wirkungsvollere Mittel, die Lebensmittelsicherheit auch in Krisenzeiten zu gewährleisten. Weniger Fleisch essen zum Beispiel: Ein Großteil des in Deutschland angebauten Getreides wird an Tiere, vor allem Schweine, verfüttert. Würden die Viehbestände reduziert, könnte man mit der gleichen Ackerfläche viel mehr Menschen ernähren.

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