"Tatort" aus Münster:Auf der Spur der Echsenwesen

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"Tatort" aus Münster: "Vielleicht hast du auch einfach nur zu viel gekifft": Axel Prahl (r.) und Jan Josef Liefers als Thiel und Boerne im neuen "Tatort" aus Münster.

"Vielleicht hast du auch einfach nur zu viel gekifft": Axel Prahl (r.) und Jan Josef Liefers als Thiel und Boerne im neuen "Tatort" aus Münster.

(Foto: Thomas Kost/dpa)

Thiel und Boerne haben es in "Propheteus" mit Verschwörungstheoretikern zu tun - und beäugen sich irgendwann gegenseitig kritisch. Üblicher Münster-Klamauk? Nicht ganz.

Von Claudia Fromme

Wenn es die Vorhölle geben sollte, war Europas größte Kegelparty in Münster lange ein heißer Kandidat dafür. Einmal im Jahr rückten bis zu 40 000 Menschen aus dem Umland an, um die Stadt zu zerlegen. Erst ging es auf die Bahn, dann wurden die Taxis vollgekotzt. Die Älteren erinnern sich. Irgendwann rechnete sich die Sause nicht mehr, aber natürlich gehört das Kegeln in Gaststätten und auch das Bowlen an Ausfallstraßen weiter zur DNA der Stadt.

Es ist also durchaus stimmig, dass Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) in Propheteus erst niedergestreckt auf einer Bowlingbahn liegt und dann mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) zu einem Freizeitsportler mit eingeschlagenem Schädel eilt. Ist ja in Münster, ist ja ein Krimi. Das wird aber die einzige Gewissheit bleiben. Im Verlauf der Geschichte wird ein Metzger mit Sprengstoffgürtel auftauchen, ein bananenfressender Jack-Russell-Terrier und zwei Beamte namens Muster und Mann vom Verfassungsschutz, die schmale schwarze Anzüge tragen und zackige Vidal-Sassoon-Frisuren. Klingt nach dem üblichen Gaga-TV aus Münster, ist es aber nicht.

Das Absurde darzustellen ist vollkommen ausreichend

Diesmal geht es um Verschwörungserzähler, die alle einen Chip hinter dem Ohr eingepflanzt tragen, damit sie wissen, wer zu ihnen gehört, wenn reptilienartige Außerirdische die Weltherrschaft übernehmen. Es gibt auch jenseits der Fernsehfiktion ausreichend Menschen, die von dem Humbug überzeugt sind. Ein Leichtes, daraus sehr viele Kalauer zu fabrizieren. Aber in Münster machen Astrid Ströher (Buch) und Sven Halfar (Regie) das Erwartbare nicht, sie stellen das Absurde einfach dar, was vollkommen ausreichend ist.

Sind Boerne und Thiel nun Ermittler in dem Fall oder Täter? Sind jene, die unter ihrem Anführer Propheteus an Echsenwesen glauben Wirrköpfe oder Satiriker? Und sind die merkwürdigen Typen vom Verfassungsschutz vielleicht doch Aliens? In dem dystopischen Film Matrix heißt es: "Kennst du das Gefühl, wenn du nicht weißt, ob du wach bist oder noch träumst?" Auch Boerne und Thiel wissen das nicht mehr sicher, sie beäugen einander kritisch, und am Ende ist es die Rechtsmedizinerin Silke Haller (ChrisTine Urspruch), die den Durchblick behält und mit einer etwas albernen Volte Propheteus enttarnt. Aber womöglich ist alles gar nicht so hochtrabend, sondern doch einfach so, wie Thiel es seinem Hippie-Vater bescheinigt: "Vielleicht hast du auch einfach nur zu viel gekifft."

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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