"Tatort" aus Ludwigshafen:Das Lächeln passt zur Lederjacke

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"Tatort" aus Ludwigshafen: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) verliert die Geduld mit Kessler (Götz Otto).

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) verliert die Geduld mit Kessler (Götz Otto).

(Foto: Benoît Linder/dpa)

Der erste "Tatort" der Saison vernuschelt routiniert sein tolles Thema, hat aber mit Götz Otto immerhin einen souveränen Schurken.

Von Claudia Tieschky

Die neue Tatort-Saison beginnt mit Ludwigshafen. Das ist okay, denn Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) in Jeans und Lederjacke ist die Ermittlerin mit der längsten Erfahrung. Sie könnte eine richtig gute Klassikerin sein, wenn die Filme mit ihr nur etwas weniger pflichtschuldig und ein klein wenig einprägsamer wären.

"Das Verhör" von Regisseurin Esther Wenger hat diesmal mit Götz Otto als verdächtigem Bundeswehrhauptmann Kessler schon mal einen Punkt, nämlich einen souveränen Schurken. Die Spannung am Ende stimmt handwerklich, und der Mord mittels Bastelarbeit ist wirklich horrormäßig: Autobatterie erhitzt Tauchsieder, Tauchsieder erhitzt Benzinkanister, entzündetes Benzin lässt Scheiterhaufen lodern, auf dem eine Frau lebendig verbrennt. Lena Odenthal steht erschüttert am Tatort, Kollegin Stern (Lisa Bitter), ist weniger mitgenommen; vielleicht, weil sie das für die Ermittlung nötige Hirn sein muss. Hirn spielt nämlich diesmal bei Odenthal echt keine Rolle, es geht um Ideologie, es ist ein bisschen wie in Trump-Amerika, das Gesetz ist auch irgendwie egal.

Der Krimifreund weiß: Geständnisse sollte man besser nicht erzwingen, indem man Asthmaspray verweigert

Eigentlich ist das eine faszinierende Versuchsanordnung: Kommissarin ermittelt einen Mord aus Frauenhass und verliert sich in Männerhass. Odenthal ist ohne jeden Beweis überzeugt, den Täter vor sich zu haben, denn: "Männer jenseits ihres Bedeutungszenits sind brandgefährlich." Ein Geständnis aber, das weiß der Krimifreund, sollte man besser nicht erzwingen, indem man Asthmaspray verweigert. "Wir sind uns ähnlicher, als Sie glauben", sagt der verdächtige Kessler, und zwischendurch flirtet er mit Odenthal. So unter Gleichgesinnten.

Leider vernuschelt sich die tolle Geschichte vom bösen Zwilling in der Umsetzung. Richtig hat man sich nicht getraut, Odenthal ins Unrecht zu setzen, sie bleibt eine Frau, die eben ihrem Gefühl folgt. Und leider steckt in der Episode auch noch ganz viel von dem Quatsch, dessentwegen Tatorte oft ganz, ganz furchtbar sind: Hinterbliebene, die bei der Todesnachricht ungerührt die ganze Vorgeschichte runtererzählen, damit die mal geklärt ist, so als Beispiel.

Drehbuchautor Stefan Dähnert ist einer, der Lena Odenthal glänzen lassen kann. Er hat 1991 die Skandalepisode "Tod im Häcksler" geschrieben und 30 Jahre später die Fortsetzung "Die Pfalz von oben". Bei ihm darf Odenthal eine Heldin sein, die mit Wumms aus dem Tritt gerät, das steht ihr, ihr Lächeln passt plötzlich zur Lederjacke. Sekündchenweise passiert es auch diesmal. Der Rest ist Routine.

Das Erste, Sonntag, 20.15 Uhr.

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