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Rechtslastige Medien in den USA:Zahlreiche interne Skandale

Das Wort "Russland" (und damit die FBI-Ermittlungen zu den möglichen Beziehungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland) wurde sieben Stunden lang nicht erwähnt, stattdessen drehte Moderator Sean Hannity die Geschichte darauf, wie Clinton nun vielleicht doch noch ins Gefängnis kommen könnte.

Das fanden dann wohl doch auch gemäßigt konservative Zuschauer absurd, seit diesem Tag jedenfalls sind die Einschaltquoten erheblich gesunken. Die Nutzerzahlen von Breitbart und anderen rechtspopulistischen Webseiten wie National Review Online, Infowars und Drudge Report sind ebenfalls um dieses Datum herum - eine Woche nach der 100-Tage-Marke von Trumps Präsidentschaft - deutlich zurückgegangen.

Es wäre jedoch zu einfach, die Krise ausschließlich auf die Rolle als Trump-Verteidiger zurückzuführen, schuld sind auch zahlreiche interne Skandale.

Die Star-Moderatoren von Fox News, Bill O'Reilly und Sean Hannity, waren im Wahlkampf zwei Putzerfischchen, die den Kandidaten Donald Trump von Plankton befreiten und Dreck auf andere Fische warfen. Seinen wertvollen Diensten entsprechend bekam Hannity von Trump die Prädikate "toller Journalist" und "großartiger Mann", O'Reilly erhielt ein Interview direkt vor dem Football-Endspiel Super Bowl.

Die eine Galionsfigur O'Reilly musste den Sender im April verlassen, weil Belästigungsvorwürfe gegen ihn dafür gesorgt hatten, dass zahlreiche Firmen ihre Werbebuchungen zurückzogen.

"Breitbart"-Galionsfigur verharmloste Pädophilie

Nun gerät auch Hannity unter Druck. In seiner Sendung hatte er wiederholt die Vermutung geäußert, dass Seth Rich, ein Mitarbeiter der Demokratischen Partei, im vergangenen Sommer ermordet worden sein könnte, weil er Interna an das Enthüllungsportal Wikileaks weitergegeben haben könnte - eine hanebüchene Verschwörungstheorie; Hannity wurde vergangene Woche erst einmal in Urlaub geschickt.

"Liberaler Faschismus", schrieb Hannity bei Twitter und beschwerte sich über eine vermeintliche Kampagne gegen konservative Moderatoren. Das freilich ist so, als würde ein Inquisitor die Hexenjagd anprangern, nur weil es plötzlich ihn selbst trifft.

Bei Breitbart gab es auch so eine Galionsfigur, den Profi-Provokateur Milo Yiannopoulos. Der veröffentlichte auf der Nachrichtenseite Texte mit Titeln wie "Empfängnisverhütung macht Frauen unattraktiv und verrückt", er beschimpfte Feminismus als tödliche Krankheit und bezeichnete den Islam als "schlimmer als Krebs". Das fanden sie ziemlich toll bei Breitbart - bis ein Interview auftauchte, in dem Yiannopoulos Pädophilie verharmloste. Da musste er gehen.

Ein Putzerfisch bekommt dann ein Problem, wenn er es nicht mehr schafft, sein Wirtstier von all dem Plankton zu befreien und sich stattdessen selbst mit allerlei unerwünschtem Zeug besudelt. Die Krise bedeutet freilich nicht, dass Fox News und Breitbart künftig vorsichtiger oder gar gemäßigt berichten werden. Der vierte Ratschlag in "Trumping your life" lautet schließlich: "Sei dir bewusst, dass du beim Streben nach großen und würdigen Zielen auf wachsenden Widerstand treffen wirst."

© SZ vom 31.05.2017/pak
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