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"Markus Lanz":Hört ihnen zu

"Markus Lanz" mit den Gästen Gerald Asamoah, Otto Addo, Patrick Owomoyela und Ewald Lienen

Zu Gast bei Lanz (v.l.): Gerald Asamoah, Otto Addo, Patrick Owomoyela, Ewald Lienen.

(Foto: Markus Hertrich/ZDF)

Markus Lanz lässt beim Thema Rassismus im Fußball die Betroffenen zu Wort kommen. Dank Gerald Asamoah und Otto Addo wird es eine eindrückliche Sendung.

TV-Kritik von Dominik Fürst

Am Donnerstagabend hat Markus Lanz alles richtig gemacht, indem er etwas Ungewöhnliches tat: Er hörte fast nur zu. Da saßen Gerald Asamoah, Otto Addo und Patrick Owomoyela bei ihm in der Sendung, drei ehemalige deutsche Fußballprofis mit dunkler Hautfarbe, die seit Beginn ihrer Karriere mit Rassismus konfrontiert waren, und erzählten von ihren Erfahrungen. Es war keine gewöhnliche Sendung, sondern eine eindrucksvolle.

Asamoah war 18 Jahre alt, als sie ihn in Cottbus mit Bananen bewarfen, er spielte damals zusammen mit Addo bei Hannover. Irgendwann habe das ganze Stadion angefangen, sich gegen die schwarzen Spieler auf dem Platz zu verbrüdern, erzählt Addo. Da sei ihm klar geworden, dass etwas ganz Gravierendes nicht stimmt. Addo, geboren in Hamburg, hat sich später für die ghanaische Nationalmannschaft entschieden, erzählt er bei Lanz, weil er sich so gefühlt habe, wie andere ihn sahen: als nichtdeutsch.

An diesem Freitag um 23.30 Uhr strahlt das ZDF den Dokumentarfilm "Schwarze Adler" aus, an dem Asamoah, Addo und Owomoyela mitgewirkt haben. Untertitel: "Wie rassistisch ist der deutsche Fußball?" Und natürlich passt es ins Marketingkonzept, das Thema nochmal talkweise aufzugreifen. Trotzdem begreift man nach der Sendung mit Markus Lanz, dass es sich nur um eine rhetorische Frage handeln kann. Der Kampf gegen den Rassismus im Fußball hat es auch im Jahr 2021 noch schwer, was zuletzt das EM-Spiel zwischen Belgien und Russland gezeigt hat, als nur eines der beiden Teams vor dem Anpfiff auf die Knie ging, um ein Zeichen zu setzen. Die Russen verweigerten sich.

Es ist Addo, der die eindrücklichsten Erfahrungen schildert. Wie ihn als Kind Eltern seiner Gegner auf dem Fußballplatz beleidigten. Oder wie er später als Jugendlicher nach den Trainings immer wieder vom selben Auto verfolgt wurde, seiner Mutter aber nie davon erzählte, aus Angst, sie würde ihn nicht wieder zum Fußball gehen lassen. Wer so etwas erlebt hat und darüber nicht verbittert ist, den würde man auf dem Rasen wohl Kämpfernatur nennen.

Der Kampf geht weiter

Immer wieder spielt Lanz Videos ein, es ist eine Zeitreise aus den 70ern bis in die Gegenwart, man erkennt das an der Bildqualität, aber nicht am Inhalt der Beleidigungen und des Hasses, der den schwarzen Spielern allezeit entgegenschlägt, mal von den Fans, mal von TV-Kommentatoren. "Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Menschen gar nicht verstehen wollen, dass uns die Sachen schmerzen, die sie zu uns sagen", sagt Asamoah, der sich seinerzeit trotz allem für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hat. Er sei eben ein Optimist. Aber auch seinem Kumpel Addo wurde er so zum Vorbild. Viele hätten erst "durch Gerald begriffen, dass es auch schwarze Deutsche gibt".

Der Kampf geht weiter. Man würde auch gerne von Antonio Rüdiger, Serge Gnabry und Leroy Sané hören, welche Erfahrungen sie gemacht haben. Ob es vielleicht ein bisschen besser geworden ist. Sie haben aber erst mal eine EM zu spielen. Am Samstag geht es gegen Portugal, am Mittwoch gegen Ungarn. Doch irgendwann nach diesem Fußballsommer hat Markus Lanz bestimmt wieder drei Plätze in seiner Sendung frei.

© SZ/jael
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