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Illner-Talk zu Terrorangst bei der EM 2016:"Terrorprävention fängt viel früher an, mit der Erziehung"

Dem Einwand von Gila Lustiger, dass niemand als Dschihadist geboren werde ("Terrorprävention fängt viel früher an, mit der Erziehung,") und erst die gescheiterte Integration die Terroristen zu dem gemacht habe, was sie sind, wurde von der Moderatorin wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Sportmoderator Beyer war vor allem da, um Werbung für seine EM-Reportage zu machen. SPD-Politiker Oppermann wurde von Illner mehrmals ermuntert, Erhellendes beizutragen, versteckte sich aber hinter AfD-Bashing, Parteiwerbung und der Anti-Terror-Datei.

Der glitzernde Eiffelturm durfte kurz ins Bild, als Illner die Außenreporterin auf der Fanmeile in Paris befragte. Auf 100 Besucher komme dort ein Sicherheitsmitarbeiter, erfuhren die Zuschauer. Was leider nicht vorkam: Wie die Fanmeilen und Stadien geschützt werden, was jeder Einzelne tun kann, um zu einer gewaltfreien und entspannten EM beizutragen, aktuelle Eindrücke aus dem Fan-Frankreich. Dem EM-Fieber spürte die Runde nicht nach, dafür schaffte sie es thematisch von Marine Le Pen über die Integration von Muslimen bis zu Gauland und Boateng.

Es gebe Aufrufe zum Terror - aber nichts Konkretes

Der Zuschauer erfährt, dass es in Deutschland in den kommenden vier Wochen etwa 60 Fanmeilen mit jeweils Kapazitäten für bis zu 700 000 Menschen gibt. "Es wurde aus verschiedenen Ecken zu einem Anschlag aufgerufen." Die Warnungen seien aber gleich laut, es gebe "nichts Konkretes", beruhigt Kriminalhauptkommissar Schulz dann doch noch.

Neben Terroristen beschäftigten die Polizei aber auch Links- und Rechtsradikale sowie Hooligans, die die Sportgroßveranstaltung als Plattform nutzen könnten. Um die 500 sogenannten Gefährder in Deutschland, also potenzielle Terroristen, kümmerten sich die Polizisten daher "in Maßen", sagt Schulz. An dieser Stelle wacht dann sogar Oppermann aus seiner Talk-Lethargie auf und beteuert energisch: "Terroristen werden in Deutschland rund um die Uhr bewacht."

Ulrich Wickert fühlte sich noch bemüßigt, an die Anschlagsserie des Jahres 1995 zu erinnern, als eine algerische Terrorgruppe in Paris mehrere Sprengsätze in U-Bahnen und Zügen zündete und insgesamt acht Menschen tötete: "Zur EM kann genau dasselbe überall wieder passieren. Attentate, die über Wochen gehen." Und Gila Lustiger hatte zwischenzeitlich noch ein ganz anderes Schreckensszenario recherchiert: "Ich habe mir die Wettervorhersage angeschaut, es wird in zwei Tagen regnen."