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"Anne Will" zur Hessen-Wahl:Kramp-Karrenbauer hat Mitleid mit der immerfort getretenen SPD

Bei Kramp-Karrenbauer ist die nüchterne Analyse mit Demut garniert. "Ergebnis kann nicht zufriedenstellen", "Wir haben die Aufgabe, es besser zu machen", solche Sätze sagt sie dann. Nur einmal, bei Minute 53, driftet die CDU-Politikerin für etwa anderthalb Sekunden leicht ins Saarländische, ein Zeichen emotionaler Aufwallung möglicherweise. Sie wundere sich, dass die Frage "erscht jetzt kommt", sagt sie, als sie von Anne Will gefragt wird, ob sie im Dezember beim CDU-Parteitag Angela Merkel als Parteichefin ablösen wolle. Spoiler: Will sie nicht.

Sowohl Politikprofessor Vorländer als auch Spiegel-Journalistin Christiane Hoffmann sind sich einig, dass die CDU mit Merkel an der Spitze vor allem ein "personelles Problem" habe. Wenn Wechsel in der Parteiführung etwas brächten, "wäre die SPD heute bei 50 Prozent", sagt Kramp-Karrenbauer. Mitfühlender Blick zu ihrem Sitznachbar Scholz - viele in der CDU haben ja inzwischen Mitleid mit der immerfort getretenen SPD. "Guter Witz", sagt Scholz und legt Kramp-Karrenbauer fast zärtlich die Hand auf den Arm.

Auf der anderen Seite der Sitzgruppe geht es konfrontativer zu. FDP-Chef Christian Lindner und Grünen-Chef Habeck sitzen dort nebeneinander. Der eine wollte mit seiner Partei nicht in die Bundesregierung, der andere bekam genau deshalb nicht die Gelegenheit. Habeck und Lindner duzen sich, das merkt der Zuschauer nach ein paar Sekunden, und sie zoffen sich.

Als Lindner "Klima-Nationalist" sagt, wird Habeck fuchtig

Vordergründig geht es um Klimapolitik, tatsächlich aber darum, wer was wie über wen gesagt hat. Habeck ist auf Krawall gebürstet, vielleicht ärgert er sich noch immer über ein Interview mit der Bild-Zeitung, die seine Aussagen zur Merkel'schen Flüchtlingspolitik arg zugespitzt, manche sagen verdreht hat. Jetzt muss er sich des Vorwurfs erwehren, er sei allzu "cremig", verfolge also eine inhaltlich dünne Wohlfühlpolitik, die derzeit alle irgendwie gut finden.

Als von Lindner das Wort "Klima-Nationalist" fällt, weil die Grünen angeblich auf rein nationale Maßnahmen gegen die Erderwärmung setzen, wird es Habeck zu viel. "Das ist fachlich falsch", sagt Habeck. "Du hast eine interessengeleitete Erinnerung", sagt Lindner. "Da gehe ich mit zehn Prozent Plus nach Hause und du mit zwei", sagt Habeck. "Robert!" sagt Lindner.

So geht das, rhetorisch gleich geschickt von beiden, ein paar Mal hin und her, nur mühsam im Zaum gehalten von der Moderatorin, die die Sendung ansonsten gut im Griff hat. Der Streit zwischen Habeck und Lindner ist der Höhepunkt der 60 Minuten, jedenfalls vom Unterhaltungswert her. Und das sind Talkshows ja immer auch, Unterhaltung.

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