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"Anne Will" zur Hessen-Wahl:Ist ja alles schlimm genug

Robert Habeck und Christian Lindner bei "Anne Will"

Der Höhepunkt bei "Anne Will": Robert Habeck von den Grünen und Christian Lindner von der FDP gehen auf Konfrontationskurs.

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Die Vertreter der Volksparteien lassen sich bei "Anne Will" in Ruhe. Grünen-Chef Habeck und FDP-Chef Lindner duzen sich - und zoffen sich.

Genau wie der Tatort ist Anne Will eine Sendung, bei der manchmal interessant(er) ist, was die Leute während des mäßig spannend dahinplätschernden Programms so in ihr Smartphone tippen. Kurzer Blick auf Twitter also, dann ist klar: Einer der besten Tweets des Abends kommt vom Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Zwar merkt ein User an, dass die Satiresendung Heute Show dasselbe schon vor zwei Tagen getwittert habe, aber Kühnert will das nicht gewusst haben - und es ist ja auch egal: Der Witz sitzt, so oder so: "Gut, dass letzte Nacht Zeitumstellung war. Jetzt ist es nicht mehr 5 vor 12, sondern erstmal wieder 5 vor 11."

SPD und CDU mit jeweils mehr als zehn Prozentpunkten Minus. Die Grünen bei fast 20 Prozent. Eine AfD, die feiert, weil sie jetzt in allen 16 Landesparlamenten vertreten ist. Und ein Wahlergebnis, das typisch hessisch, weil auch am späten Abend noch unsicher ist. So geht es los um kurz vor 22 Uhr bei Anne Will.

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Die Moderatorin tut gut daran, die schlimmste aller Politikerphrasen, dass man jetzt bitteschön endlich über "Inhalte" reden sollte, zurückzuweisen. Deshalb unterbindet sie eine zwischendrin aufkommende Diskussion über die Zukunft der Braunkohle. Was sie interessiert, ist die Zukunft des deutschen Parteiensystems. Hier haben leider sowohl die Politiker als auch die beiden eingeladenen Experten nur vage Antworten. Politikprofessor Hans Vorländer von der TU Dresden argumentiert, früher hätten Volksparteien "Heimat und Zugehörigkeit" geboten. Das sei heute nicht mehr gefragt, aber das müsse für die Demokratie nicht schlecht sein. Nun ja. Grünen-Chef Habeck schwebt eine Volkspartei neuen Typs vor. Das Modell, dass sich innerhalb einer Partei "Arbeitnehmer und Arbeitgeber darauf einigen, nichts zu tun", sei überholt.

Den Volksparteien ergeht es wie einst Rudi Völler als Bundestrainer

Annegret Kramp-Karrenbauer und Olaf Scholz, das sind in der Talkshow-Runde die beiden Vertreter jener offenbar aussterbenden Spezies der Volkspartei. Bayern und Hessen, zwei Pleiten innerhalb von zwei Wochen, dazu miserable Umfragewerte im Bund: Es scheint wie 2003 bei Rudi Völler als Bundestrainer - stets kommt nach einem Tiefpunkt ein noch tieferer Tiefpunkt. Aber anders als damals Völler reagieren die CDU-Generalsekretärin und der Finanzminister von der SPD nicht mit einer Wutrede vor laufender Kamera, sondern erklären sachlich-seriös, warum sie in der Bundesregierung so agieren, wie sie agieren.

Der SPD-Mann beginnt seinen Wortbeitrag mit einem Rückblick. Er erklärt, warum seine Partei Anfang des Jahres in die große Koalition gegangen ist und listet dann ein paar Politikfelder auf (Rente, Mieten, Kitas), auf denen die SPD erfolgreich ist. Beziehungsweise erfolgreich sein müsste. Beziehungsweise bald erfolgreich sein will. Dumm für die SPD ist, dass es den Wählerinnen und Wählern seit geraumer Zeit totalabsolutwurscht ist, dass sie eigentlich ganz gute Politik macht.

Andrea Nahles, die SPD-Chefin, hat sich daher etwas Neues ausgedacht: einen Fahrplan bis zur Mitte der Legislaturperiode. Den will man mit der Union abarbeiten und die SPD wird total sauer, wirklich, ernsthaft jetzt, wenn das nicht eingehalten wird. "Was ist denn das Tolle an dem Fahrplan, wo Sie doch schon einen Koalitionsvertrag haben?", will Anne Will wissen und Scholz bleibt eine überzeugende Antwort schuldig.