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Prominente zur Gleichberechtigung:Thomas Meinecke, Autor

"Männer können Feministen sein, denn der Feminismus ist im Wesentlichen eine Parteinahme. Ich signalisiere: Ich setze mich für Frauenrechte ein. Dafür muss ich keine Frau sein, genauso wenig, wie ich Arbeiter sein muss, um mich für Arbeiterrechte einzusetzen.

Meine Überzeugung ist: Welches Geschlecht jemand hat, das ist Verhandlungssache. Die biologischen Unterschiede sind da, keine Frage. Aber sie sind nicht wichtig. 'Mann sein' oder 'Frau sein' ist im Wesentlichen eine Tätigkeit.

Aus diesem Grund habe ich einmal gesagt: 'Mann' ist ein Schimpfwort für mich. Nicht etwa, weil ich grundsätzlich kein Mann sein will. Aber ich will nicht jene Tätigkeiten ausüben, die Männern oft zugeschrieben werden. Sie werden als geschlossene Subjekte begriffen, die aus einer Machtposition heraus hierarchisch handeln. Ich finde das unsympathisch. Andere, offenere Positionen sind für mich viel interessanter, und diese sind oft weiblich definiert.

Gleichberechtigung heute Männer müssen Feministen werden
Essay - Die Recherche
Gleichberechtigung

Männer müssen Feministen werden

Es ist ein Missverständnis, dass sich der Kampf um Gleichberechtigung gegen sie richtet. Der Feminismus kann Männer und Frauen befreien.   Von Karin Janker

Geschlechterrollen sind viel zu oft noch ein Gefängnis. Wer eine Frau ist, bleibt eine Frau, wer ein Mann ist, bleibt ein Mann. Ich plädiere dafür, umzudenken: Welches Geschlecht man hat - und es gibt ja viel mehr als nur Männer und Frauen -, sollte man sich durch Tätigkeiten aussuchen können.

Gut ist, dass sich in diesem Bereich etwas tut, wenn auch ganz langsam - Stichwort LGBT.

Ich habe vor etwa 20 Jahren mit der Lektüre feministischer Werke begonnen, insbesondere Judith Butler hat mich elektrisiert.

Der Feminismus hat das Politische in mir zurückgeholt, das nach dem Mauerfall verloren gegangen war. Er ist für mich ein Stück weit auch eine Art Klassenkampf. Es geht um Ausschlussmechanismen, denen Frauen unterliegen, etwa durch Sprache.

Als Autor sehe ich meine Aufgabe darin, auf diese Ausschlussmechanismen hinzuweisen. In den neunziger Jahren habe ich einen Roman geschrieben, 'Tomboy'. Auf 251 Seiten kommt kein einziges Mal das Wort 'man' vor. Im Nachhinein denke ich, das war vielleicht etwas zu radikal. Eine befreundete Feministin sagte mir später, dass das Wort 'man' von 'Mann' komme, sei etymologisch gar nicht haltbar. Seitdem benutze ich 'man' wieder.

Im Grundsatz aber bleibt meine Überzeugung: Man muss die Ungleichheit in der Sprache zum Thema machen. Nur ein Beispiel: Wenn einer sagt: 'Alle Menschen werden Schwestern', zucken viele zusammen. 'Alle Menschen werden Brüder', der Satz aber ist völlig okay."

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