Dem Geheimnis auf der Spur:Rätsel auf Rädern

Lesezeit: 3 min

Dem Geheimnis auf der Spur: Ein älteres Jeep-Modell von 1943.

Ein älteres Jeep-Modell von 1943.

(Foto: Alamy Stock Photos / Roman Belogorodov/mauritius images / Alamy Stock P)

War ein Comic das Vorbild? Wie der berühmte Geländewagen Jeep zu seinem ungewöhnlichen Spitznamen kam, ist bis heute umstritten.

Von Titus Arnu

Was ist eigentlich ein Jeep? Diese Frage hat erstmals ein gewisser Professor Brainstine wissenschaftlich geklärt. In einem Comic, der am 9. August 1936 erschien, bekommt der Seemann Popeye ein mysteriöses Tier geschenkt. Es kommt per Paket an und sieht aus wie eine Kreuzung aus Hund und Bär, hat eine rote Knollennase, gelb geflecktes Fell und macht "Jeep! Jeep!". Auf einem Beipackzettel steht, dass der Jeep durch Wände gehen kann und "alles weiß". Popeye dagegen weiß nichts, deshalb fragt er Professor Brainstine. Ein Jeep sei ein Tier, referiert der Professor, das eigentlich in einer vierdimensionalen Welt lebt. Eine kleine Anzahl von Jeep-Zellen sei durch eine "Dimensionsbarriere" auf die Erde gelangt und mutiert, es entstand ein neuer Organismus - der Jeep. Popeye tauft ihn Eugene.

Bei einer Umfrage zum Begriff Jeep wäre die Geschichte vom vierdimensionalen Tier wohl die unwahrscheinlichste Antwort. "Jeep" gilt weltweit als Synonym für Geländewagen, egal ob es sich um ein Allradfahrzeug von Toyota, Ford, Landrover oder der Marke Jeep handelt. Der Ursprung dieser Fahrzeuggattung ist nicht in der vierten Dimension zu finden, sondern beim Militär. Die US-Army schrieb 1940 den Auftrag für einen kleinen, wendigen Geländewagen aus. Der Willys MB gilt als Urahn aller SUVs. Von 1941 an wurde er von Ford unter dem Markennamen GPW produziert. Wie er zu seinem Spitznamen Jeep kam, ist allerdings genauso rätselhaft wie die Herkunft von Eugene, dem Comic-Tier.

Eines der wichtigsten Transportmittel im Zweiten Weltkrieg

Militärhistoriker, Oldtimer-Experten und Comicfans haben unterschiedliche Theorien dazu entwickelt, und keine gilt als die einzig richtige. Fest steht, dass der Name kurz und gut ist, sich in verschiedenen Sprachen problemlos aussprechen lässt, beste Voraussetzungen also für eine erfolgreiche Automarken-Karriere.

Eine Erklärung für die Herkunft der Bezeichnung hat mit Abkürzungen zu tun. Joe Frazer, von 1939 bis 1944 Präsident von Willys-Overland, behauptete im Nachhinein, das Wort geprägt zu haben, durch Verwischen der Initialen GP. Der Spitzname Jeep komme demzufolge von der militärischen Abkürzung GP, was für "General Purposes" stehe. Spricht man G und P auf Englisch laut aus, klingt es allerdings wie "Dschiepieh", nicht wie "Dschiep". Auto-Historiker weisen aber darauf hin, dass die Abkürzung anders zu interpretieren sei. Ford bezeichnete das militärische Projekt als GPW (G für government contract, P für 80 Zoll Radstand und W für Lizenz Willys-Overland).

Wie der US-Schauspieler Lee Ermey in einer Dokumentation über die Geschichte des bekannten Geländewagens darlegt, kann die Abkürzung GPW jedoch nicht der Ursprung des Namens Jeep gewesen sein. Das Kürzel war eine firmeninterne Namenskonvention und in der Öffentlichkeit kaum bekannt, argumentiert Ermey. Der kleine Geländewagen entwickelte sich zu einem der wichtigsten Transportmittel im Zweiten Weltkrieg, aber es gab nachweislich schon vorher Fahrzeuge, die im Militärjargon als Jeep bezeichnet wurden. Dazu gehörten umgebaute zivile Traktoren mit Allradantrieb, die an die US-Armee geliefert wurden, sowie leichte, geländegängige Lastwagen von Dodge.

Ist das Auto nach einem deutschen Einwanderer benannt?

Eine andere Theorie sieht die Ursprünge des Namens im Ersten Weltkrieg: Damals wurden neue Fahrzeuge, die die Armee zur Erprobung bekam, Jeep genannt. Das Wort wurde damals in der US-Armee angeblich auch als Slang-Ausdruck für Rekruten verwendet, die sich mit neuen, noch nicht erprobten Fahrzeugen beschäftigten. Dazu gibt es allerdings keine schriftlichen Nachweise. Ebenfalls unbewiesen ist die Behauptung, dass Jeep der Familienname des Konstrukteurs sei - eines Einwanderers aus Deutschland, denn Jeep ist ein alter deutscher Familienname, der schon im 16. Jahrhundert nachweisbar ist.

Erstmals in der Zeitung zu lesen war der Name Jeep im Februar 1941. Da hatte der Prototyp seinen ersten PR-Auftritt, er fuhr werbewirksam die Stufen des Kapitols in Washington, D.C., hinauf. Im Auto saßen Senator James Meade und Testfahrer Irving Hausmann. Auf die Reporterfrage, was das für ein merkwürdiges Vehikel sei, antwortete Hausmann den Washington Daily News zufolge: "It's a Jeep." Es ist nicht genau bekannt, wo Hausmann diesen Begriff herhatte. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass er Comic-Fan war und Popeye zitierte. Die Abenteuer des Spinat mampfenden Seefahrers waren damals äußerst populär, und das Fabelwesen Jeep hatte gerade die Bühne der bunten Bildergeschichten betreten. Eugene, das vierdimensionale Haustier, kann sich mühelos in Raum und Zeit bewegen, die Wände hochgehen und jedes Hindernis überwinden. Die Eigenschaften des magischen Fantasiewesens wünschten sich die US-Soldaten vielleicht auch im Kampf gegen Nazideutschland herbei - und verpassten dem Allzweck-Allradfahrzeug den Namen der beliebten Comicfigur.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusDem Geheimnis auf der Spur
:Der Hexenbrenner von Bamberg

Kaum irgendwo wütete die Hexenverfolgung so grausam wie in der fränkischen Bischofsstadt. Wie konnten hier zu Beginn des 17. Jahrhunderts fast tausend Bürger Opfer des religiösen Fanatismus werden?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB