Skizze des Holocaust:"Magna Charta einer ganzen Nation"

Rabbiner Hier kommentierte das Dokument so: "Was als Privatbrief, als Meinung eines Mannes begann, wurde 22 Jahre später die Magna Charta einer ganzen Nation und führte zu der fast vollständigen Auslöschung des jüdischen Volkes." Darin liege "eine wichtige Lektion für kommende Generationen", so Hier. "Demagogen meinen, was sie sagen, und wenn sie können, führen sie aus, was sie versprechen."

Skizze des Holocaust: "Unbedingt Rasse und nicht Religionsgemeinschaft" - im "Gemlich-Brief" wird bereits deutlich, was Hitler nach seiner Machtübernahme schließlich in reale Politik umsetzte.

"Unbedingt Rasse und nicht Religionsgemeinschaft" - im "Gemlich-Brief" wird bereits deutlich, was Hitler nach seiner Machtübernahme schließlich in reale Politik umsetzte.

(Foto: AP)

Als Hitler den Brief verfasste, war er der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt, zeigte allerdings erstes Interesse an der Politik. Als Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg diente er in einer Propaganda-Einheit der deutschen Armee, die kommunistische Einflüsse bekämpfen sollte. Sein vorgesetzter Offizier, Hauptmann Karl Mayr, hatte ihm befohlen, auf die Anfrage Gemlichs zu antworten. Der Soldat hatte wissen wollen, welche Haltung die Armee bezüglich der "jüdischen Frage" habe.

Hitlers Antwort geriet zur antisemitischen Schmähschrift, in der er die Juden als "reine Materialisten" bezeichnet. Für die Nation seien sie wie die Tuberkulose. Der Brief enthält auch bereits den Gedanken, im Umgang mit den Juden nicht emotional vorzugehen, sondern durch planmäßiges Regierungshandeln: "Der Antisemitismus aus rein gefühlsmässigen Gründen wird seinen letzten Ausdruck finden in der Form von Progromen. Der Antisemitismus der Vernunft jedoch muss führen zur planmässigen gesetzlichen Bekämpfung und Beseitigung der Vorrechte der Juden die er zum Unterschied der anderen zwischen uns lebenden Fremden besitzt", schreibt Hitler.

Die Schrift soll dauerhaft im "Museum der Toleranz" in Los Angeles im Eingangsbereich der Holocaust-Abteilung gezeigt werden, die am 11. Juli eröffnet. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum selbst besitzt nach eigenen Angaben eine der größten historischen Sammlungen zur nationalsozialistischen Judenvernichtung. Zu den Beständen gehören 50.000 Dokumente, Fotografien, Tagebücher und Kunstwerke.

Der "Gemlich-Brief" soll der Organisation bereits 1988 angeboten worden sein, die damals aber noch vom Ankauf zurückschreckte. Denn die Abfassung der Zeilen mit einer Schreibmaschine ließen die Herkunft des Briefes dubios erscheinen. Eine Schreibmaschine war 1919 ein wertvoller Gegenstand, den Hitler damals unmöglich besessen haben konnte. Die Zweifel hätten sich aber verflüchtigt, so Hier, als bekannt wurde, dass Hitler damals für die Armee arbeitete und Zugang zu deren Schreibmaschinen hatte. Das Staatsarchiv in München besitzt eine nicht unterschriebene Kopie des Schreibens.

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