Theater:Mal langsam

Lesezeit: 2 min

Start des Modellprojekts Kultur des Kieler Theaters

Bald vorbei? Die trostlose Leere in Theatersälen.

(Foto: Axel Heimken/dpa)

In vielen Städten dürfen die Theater die Säle voll besetzen. Wollen sie aber nicht.

Von Christiane Lutz

In Nordrhein-Westfalen dürften sie das ganze Theater vollmachen. In Berlin auch. Im Hamburg zumindest für Geimpfte und Genesene. Und auch für Bayern hat Markus Söder angekündigt, dass nach der Sommerpause die bisher gültigen Beschränkungen für Zuschauer in Theatern, Opern, Konzerthäusern und Kinos fallen, wenn nur die 3-G-Regel beachtet und die Maske weiter getragen wird. Das bedeutet: Vollbesetzung. Theoretisch. Ein geradezu unglaublicher Schritt nach den vergangenen anderthalb Jahren, in denen man sich in großen Theatern begnügen musste mit mal 200, dann 50 und eine schmerzlich lange Zeit mit null Zuschauern. Erwartet die Theaterhungrigen aber nun ein glückseliger Rausch auf berstenden Rängen?

Jein. Denn die meisten städtisch und staatlich subventionierten Theater entscheiden sich derzeit nicht für Vollbesetzung und Maskenfreiheit, sondern tüfteln eigene Regelwerke aus. Berlin beispielsweise. Dort dürften laut Corona-Verordnungen bei entsprechenden Lüftungssystemen, 100 Prozent Zuschauer eingelassen werden, ohne Maske. Dennoch entschied man sich etwa am Berliner Ensemble, die Maskenpflicht beizubehalten, um in dem recht engen Theater den Zuschauern ein größtmögliches Gefühl der Sicherheit zu geben, wie die Pressesprecherin erklärt.

Auch am Schauspiel Köln wäre jetzt alles erlaubt: Bude voll, ohne Maske. Aber auch dort plant man für die Saisoneröffnung am 10. September mit nur 60 Prozent, konkret für das große "Depot 1" heißt das 296 statt 480 Zuschauer. Dafür dürfen die ihre Maske am Platz abnehmen. Die Menschen sollen sich wieder etwas entspannen dürfen, aber trotzdem sicher fühlen, lautet die Idee, lieber verzichtet man daher auf die Vollbesetzung.

Jedes Theater Besonderheiten, die die Mitarbeiter am besten kennen

In Hamburg, wo es aktuell die Möglichkeit von 2-G gibt, also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene, ziehen die meisten Theater die 3-G-Variante vor. Im "Schachbrett" sitzt man wieder am Hamburger Thalia-Theater, mit Abstand und bei einer geplanten Auslastung von 50 Prozent. Also auch kein randvolles Haus, auch nicht für Geimpfte und Genesene. Die Bayerische Staatsoper verkündete freudig als eine der wenigen, den Vorverkaufsstart aufgrund der neuen Situation zu verschieben, man wolle erst noch den Saalplan umstellen für die volle Auslastung.

Gerade, dass sich die Häuser jetzt eben nicht taumelnd in die Vollbesetzung stürzen, zeigt, dass Intendantinnen und Intendanten mit der Verantwortung umzugehen wissen. Jedes Theater braucht eigene Modelle, denn jedes hat andere bauliche Besonderheiten, manche sind eben luftiger, andere enger konstruiert, manche haben ältere Zuschauer, manche jüngere, die das Tragen einer Maske etwa unterschiedlich belastet.

Man muss sich das leisten können, die Kapazitäten nicht auszuschöpfen, aber die subventionierten Häuser können das, noch. Mit der Verantwortung geht allerdings auch einher, dass die Theater für mögliche Verlusteinbußen nun möglicherweise weniger Entschädigung beantragen können, etwa aus dem 2,5 Milliarden schweren Kulturfonds, den die Bundesregierung erst im Mai verabschiedet hat. Denn sie hätten ja vollmachen können. Theoretisch.

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