Koloniale Raubkunst:Der Wendepunkt

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Paris zeigt zum letzten Mal Benin-Werke

Die Darstellungen der Könige Glélé, Ghézo und Béhanzin im Pariser Musée du Quai Branly. Am Mittwoch sind sie in Cotonou in Benin eingetroffen.

(Foto: Michel Euler/dpa)

Frankreich gibt 26 Kunstwerke an Benin zurück. Emmanuel Macron löst damit ein Versprechen ein.

Von Jörg Häntzschel

Als die Maschine aus Paris am Mittwochnachmittag in Cotonou landete, dem Regierungssitz von Benin, brandete Beifall auf, als kämen Fußballstars von einer gewonnenen WM zurück. Doch es waren 26 Kunstwerke, und sie liefen nicht winkend die Gangway hinab, sondern wurden in Kisten aus dem Frachtraum gerollt. In Benin kennt sie dennoch jeder, zumindest die Statuen der Könige Glélé, Ghézo und Béhanzin. Auf den Billboards der Stadt wird ihre Rückkehr gefeiert. "Historique!", titelte die Tageszeitung La Nation.

Innerhalb von fünf Jahren wolle er "die Voraussetzungen" dafür schaffen, dass geraubte Kunst aus den früheren französischen Kolonien in ihre Herkunftsländer zurückkehrt. Das hatte Präsident Macron im November 2017 versprochen. Vier Jahre später sind nicht nur die Voraussetzungen geschaffen. Der erste Transport ist angekommen. Die 26 Werke aus dem "Schatz von Abomey" waren 1892 von der französischen Armee im damaligen Dahomey, dem heutigen Benin, gestohlen worden (nicht zu verwechseln mit den Benin-Bronzen, die aus Benin City im heutigen Nigeria stammen). Am Dienstag hatten Macron und Benins Präsident Patrice Talon die Eigentumsübertragung im Élysée-Palast in Paris feierlich besiegelt.

Die Rückkehr der Werke aus Benin ist nur ein Anfang

26 Werke, ein Land: Das ist weit weniger, als Bénédicte Savoy und Felwine Sarr in dem Bericht empfohlen hatten, den sie im Auftrag Macrons nach ihrer Reise durch die früheren Kolonien in Afrika geschrieben hatten. Und auch nachdem Macron 2018 die Rückgabe der Stücke aus Benin versprochen hatte, dauerte es noch lange, bis die Nationalversammlung der Gesetzesänderung zustimmte, die erforderlich war, um die Stücke aus dem sonst unveräußerlichen französischen Kulturerbe herauszulösen.

Savoy hält die Rückgabe dennoch für einen Wendepunkt. "Es gibt die Welt davor und die danach", sagte sie dem Spiegel. Nicht zuletzt weil mit den 26 Werken nicht irgendwelche Depotleichen zurückkehren. Die Stücke gehören zu den bedeutendsten Kunstzeugnissen aus Benin, sie gehörten aber auch zu den bedeutendsten Exponaten des Musée du Quai Branly. Das Pariser Museum sei buchstäblich um diese Skulpturen herumgebaut worden. Savoy könnte Recht mit ihrer Erwartung, dass dieser Rückgaben noch viele folgen werden. Benins Präsident hat bereits weitere Rückgaben gefordert.

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