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Oscars 2017:Die Sache mit dem misslungenen Bustouristen-Sketch

Wie gesagt, Kimmel konnte nur verlieren. Wobei man am Ende gerechterweise sagen muss: dass ein kurzer Video-Rückblick auf die zuvor verliehenen Technik- und Wissenschafts-Oscars unterhaltsamer war als große Teile der Show, lag nicht nur an Kimmel. Ihm ist aber die Sache mit dem misslungenen Bustouristen-Sketch anzulasten.

Da wurden also echte und ahnungslose Menschen, die in Los Angeles nur ein bisschen Promis gucken wollten, ins Dolby Theatre geführt, in dem - Überraschung! - just an diesem Abend die Oscar-Verleihung stattfand. Folgende Worte bitte mit Anführungszeichen und einem zwinkernden Grinsegesicht versehen: echt, ahnungslos, Überraschung.

Oscars 2017

"La La Land"-Produzent Jordan Horowitz (links) übergibt den Oscar, der eigentlich nie seiner war, an Barry Jenkins, Produzent und Regisseur von "Moonlight".

(Foto: Kevin Winter/AFP)

Im vergangenen Jahr waren wenigstens nur die Oscars rassistisch

Ansonsten war Kimmel politisch - in homöopathischen Dosen. Einmal gleich zu Beginn, als er die Erwartung einfach zurückspielte, dass er als Oscar-Moderator ein auseinanderdriftendes Land vereinigen soll. "Wenn jeder versuchen würde, mit jemandem zu reden, mit dem er inhaltliche Differenzen hat - nicht als Republikaner oder Demokrat, sondern als Amerikaner - könnte der Satz 'Make America Great Again' wahr werden", sagte Kimmel. Später wurde es minimal konfrontativer. In Anspielung auf Trump, aber ohne dessen Namen zu nennen, fragte der Gastgeber: "Erinnert ihr euch an vergangenes Jahr, als es schien, als seien die Oscars rassistisch?"

Gleichzeitig ließ Kimmel den kritisch-politisch-humorigen Wollmilchsau-Part einfach aussehen - das können die wenigsten Menschen von sich behaupten, die jemals das höchste Unterhaltungs-Amt in Hollywood innehatten. Ob Kimmel nun Süßigkeiten an Mini-Fallschirmen vom Saalhimmel abwerfen ließ oder wahlweise die Wut-Bürger Gibson ("You look great, Mel - Scientology is working") oder Trump (#merylsayshi) reizte: Er wirkte souverän dabei. Und es ist ja auch nicht so, dass allein der Moderator über das Gelingen einer Show bestimmt. Von Ausnahmen abgesehen, fielen auch die Dankesreden unpolitischer aus als erwartet. Das deutlichste Statement setzte der Regisseur des iranischen Films "The Salesman", der als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde: Asghar Farhadi blieb der Verleihung wie angekündigt aus Solidarität mit dem von Trumps Einreisestopp betroffenen Ländern fern.

Taten sind allemal mehr wert als Worte

Der Rest war Mama-Papa-Manager-Danksagungs-Blabla. Casey Affleck, der den Oscar als bester Schauspieler für seine Rolle in "Manchester by the Sea" gewann, sagte beispielsweise: "Ich wünschte, ich hätte etwas Größeres oder Bedeutsameres zu sagen." So musste Meryl Streep - die zur Abwechslung mal keinen Oscar gewann (die Kategorie "Beste Schauspielerin" ging an "La La Land"-Hauptdarstellerin Emma Stone) - als politische Referenz herhalten. Zu den erwähnten Bustouristen sagte Kimmel: "Da sitzt Meryl Streep. Total überbewertet." Diese Einschätzung stammte natürlich nicht von Kimmel, sondern war aus einem Tweet des US-Präsidenten geklaut.

Trotzdem: Die Oscars 2017 waren es wert, geschaut zu werden. Noch nie zuvor wurden so viele afroamerikanische Künstler ausgezeichnet. Gleich den ersten Oscar des Abends bekam Mahershala Ali als bester Nebendarsteller im Film "Moonlight". Er der erste Schauspieler muslimischen Glaubens überhaupt, der einen Oscar gewinnt. Kurz darauf durfte sich in der gleichen Kategorie Viola Davis freuen, sie gewann für ihre Rolle im Film "Fences". Was uns das sagt? Taten sind allemal mehr wert als Worte. Und: Es gibt immer Hoffnung.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, dass Faye Dunaway und Warren Beatty den falschen Filmtitel vorgelesen hätten. Tatsächlich wurde den beiden aber ein falscher Umschlag ausgehändigt. Wir haben den Fehler korrigiert.

© SZ.de/cag/lalse/cat
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