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Oscar-Gewinner in Bildern:Viermal erstes Mal

Zwischen Politik und Vergänglichkeit: Die Oscars 2015 belohnen mit "Birdman" und der Snowden-Doku "CitizenFour" einige außergewöhnliche Projekte. Die großen Gewinner der Nacht.

Von Irene Helmes

13 Bilder

Michael Keaton, Alejandro G. Inarritu

Quelle: AP

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Bester Film: "Birdman"

Die Academy konnte sich schon bei den Nominierungen kaum entscheiden in diesem Jahr: Acht Filme wurden für den wichtigsten Oscar vorgeschlagen. Sean Penn war kurz sprachlos, als er den berühmten Umschlag geöffnet hatte. Dann fragte er in die Runde: "Wer hat diesem Mistkerl seine Greencard gegeben?" Nach kurzer Stille war klar: Gemeint war Alejandro G. Iñárritu - Film des Jahres war somit seine Tragikomödie "Birdman".

Der Mexikaner hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige Dankesworte hinter sich, es blieben also noch zwei Liebeserklärungen zu machen - eine an seine Frau, und eine an die Vereinigten Staaten, "dieses großartige Einwanderungsland".

Sein Hauptdarsteller ließ es etwas lapidarer angehen: "Es ist doch toll, hier zu sein, wem erzähle ich denn was?", sagte Michael Keaton neben seinem Regisseur - für ihn war die Trophäe zugleich auch Trostpreis.

Actor Redmayne reacts as he takes the stage to accept the Oscar for best actor for his role in 'The Theory of Everything' during the 87th Academy Awards in Hollywood

Quelle: Reuters

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Bester Schauspieler: Eddie Redmayne

Denn sein Comeback mit einem Oscar zu krönen, blieb Keaton verwehrt. Wer auf eine wirklich überschwängliche Dankesrede gewartet hatte, bekam diese stattdessen von Eddie Redmayne, sogar mit ein paar kleinen Luftsprüngen dazu. Der Brite ("My Week with Marilyn", "Les Misérables") freute sich so, wie es das Publikum wohl von einem 33-Jährigen erwartet, der vor laufenden Kameras seinen endgültigen Durchbruch erlebt.

Redmayne verkörpert in "Die Entdeckung der Unendlichkeit" den Physiker Stephen Hawking in jungen Jahren, bevor und während dessen Leben durch die Nervenkrankheit ALS für immer verändert wird.

Die undankbare Aufgabe des höflichen Beifalls kam in diesem Fall neben Keaton noch Steve Carell ("Foxcatcher"), Bradley Cooper ("American Sniper") und Benedict Cumberbatch ("The Imitation Game") zu.

Patricia Arquette

Quelle: AP

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Beste Nebendarstellerin: Patricia Arquette

Patricia Arquette hat etwas getan, das Schauspielerinnen eigentlich nicht gerne tun: Sie hat sich beim Älterwerden filmen lassen. Über zwölf Jahre hinweg stand sie immer wieder für "Boyhood" vor Richard Linklaters Kamera. Als Mutter, die ihre Kinder beim Erwachsenwerden begleitet, als Frau, die mit ihrem eigenen Leben kämpft. Diese Momente zwischen Freude und Verzweiflung haben nach Kritikern und Publikum nun auch die Academy überzeugt.

Die heute 46-Jährige widmete ihren Oscar "jeder Frau, die ein Kind geboren hat, jedem Steuerzahler und jedem Bürger dieser Nation" und nutzte ihre kurze Dankesrede für einen politischen Aufruf: Es sei endlich Zeit für die Gleichberechtigung der Frauen in den USA.

Geschlagen geben mussten sich Laura Dern ("Wild"), Keira Knightley ("The Imitation Game"), Meryl Streep ("Into the Woods") und Emma Stone ("Birdman").

87th Annual Academy Awards - Show

Quelle: AFP

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Bester Nebendarsteller: J.K. Simmons

Bester Nebendarsteller wurde J.K. Simmons für "Whiplash". In dem Drama quält er als gnadenloser Jazzmusiker ein Nachwuchstalent.

Es war die erste Nominierung für den 60-Jährigen, der sich damit im ersten Anlauf gegen wirklich starke Konkurrenz durchsetzte. Neben ihm standen Edward Norton ("Birdman"), Ethan Hawke ("Boyhood"), Robert Duvall ("The Judge") und Mark Ruffalo ("Foxcatcher") zur Auswahl. Simmons gehört nicht zu den bekanntesten Gesichtern Hollywoods, hat sich aber in prägnanten Nebenrollen etabliert (etwa in der "Spider-Man"-Reihe oder "Thank You For Smoking") - außerdem ist er ausgebildeter Filmkomponist.

Julianne Moore

Quelle: AP

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Beste Schauspielerin: Julianne Moore

Sie habe einen Artikel gelesen, in dem es hieß, ein Oscar könne das Leben um fünf Jahre verlängern - für diese Aussicht wolle sie sich bei der Academy bedanken, zumal ihr Mann jünger sei als sie selbst. Mit diesen Worten leitete Julianne Moore ihre Dankesrede ein. Und ersparte damit sich und dem Publikum den Spruch, sie sei völlig überrascht und habe ja nun gar nichts vorbereitet.

Viele hatten im Vorfeld auf Moore getippt. In "Still Alice - Mein Leben ohne Gestern" spielt Moore eine Frau, die in ihren vermeintlich besten Jahren an Alzheimer erkrankt. Vier Mal zuvor war der Star schon für einen Oscar nominiert gewesen, nun wurde die Geduld belohnt. Obwohl es so etwas wie "beste Schauspielerin" nicht gebe, wie Moore schnell betonte. Das dürften ihre Konkurentinnen Marion Cotillard ("Zwei Tage, eine Nacht"), Felicity Jones "Die Entdeckung der Unendlichkeit"), Rosamund Pike ("Gone Girl") und Reese Witherspoon ("Wild") gern gehört haben.

87th Annual Academy Awards - Show

Quelle: AFP

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Bestes Drehbuch: "Birdman"

Alejandro G. Iñárritu hat mit seinen Kollegen Nicolás Giacobone, Alexander Dinelaris, Jr. und Armando Bo einen atemlosen, durchgeknallten Film geschrieben. In "Birdman" treiben eine scheinbar nie abgesetzte Kamera, ein unermüdliches Jazz-Schlagzeug und großartige Schauspieler durch zwei Stunden Gefühlschaos hinter den Kulissen des Broadway.

Neben dem Gesamtkunstwerk wurde das Drehbuch mit dem Oscar prämiert, ebenso wie ...

Director Alejandro Inarritu accepts the Oscar for Best Director for his film 'Birdman' at the 87th Academy Awards in Hollywood, California

Quelle: REUTERS

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... die Regieleistung.

Beste Regie: Alejandro G. Iñárritu

Seine Darsteller Michael Keaton, Naomi Watts, Emma Watson und Edward Norton applaudierten dem Regisseur ("Amores Perros", "Babel").

Die Konkurrenz war auch in dieser Kategorie nicht ohne: Richard Linklater ("Boyhood"), Bennett Miller ("Foxcatcher"), Wes Anderson ("Grand Budapest Hotel") und Morten Tyldum ("The Imitation Game") waren für den Oscar nominiert gewesen.

Actors Chiwetel Ejiofar (L) and Nicole Kidman present director Pawel Pawlikowski (R) with the Oscar for his foreign language film 'Ida' at the 87th Academy Awards in Hollywood, California

Quelle: REUTERS

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Bester fremdsprachiger Film: "Ida"

Einen extremen Kontrast zum US-Kino bildet der Überraschungserfolg aus Polen: "Ida". Hollywood ehrt einen Schwarz-Weiß-Film über die Spurensuche einer jungen Nonne im Polen der Sechzigerjahre. In der Heimat hat der Film teils erbitterte Kontroversen ausgelöst, da er sich mit dem Holocaust und seinen Nachwirkungen im Land auseinandersetzt. Zugleich hat er Auszeichnungen en masse abgeräumt - unter anderem den Europäischen Filmpreis.

Der Regisseur Pawel Pawlikowski bedankte sich auf der Bühne so lange, bis sogar die Musik, die ihn nach Ausreizung seiner Redezeit übertönen sollte, wieder abgedreht wurde und Hollywood ihn zu Ende sprechen ließ. Seine Grüße gingen unter anderem an seine Kollegen und Freunde zu Hause, die jetzt vermutlich völlig betrunken seien.

Dirk Wilutzky, Laura Poitras, Glenn Greenwald

Quelle: AP

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Bester Dokumentarfilm: "CitizenFour"

Edward Snowden ist derzeit längst nicht mehr so präsent in den internationalen Nachrichten, wie er es einmal war, doch die Oscars lenken die globale Aufmerksamkeit erneut auf seine Geschichte. "Die Informationen, die Edward Snowden offenlegt, enthüllen nicht nur eine Bedrohung für unsere Privatsphäre, sondern für unsere Demokratie an sich" - mit diesen Worten bedankte sich Filmemacherin Laura Poitras vor dem internationalen Fernsehpublikum bei dem Whistleblower.

Zusammen mit Mathilde Bonnefoy und Dirk Wilutzky hat Poitras im Film "CitizenFour" Hintergründe zu Snowdens Enthüllungen über die massenhafte Überwachung durch Geheimdienste gezeigt. Ihre engagierte Arbeit ist bereits vielfach ausgezeichnet worden, nun kam auch noch ein Oscar hinzu.

Das Nachsehen hatte unter anderem Wim Wenders mit "Das Salz der Erde".

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Quelle: AFP

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Bester Filmsong: "Glory" aus "Selma" (John Legend & Common)

Eigentlich zählt die Verleihung in dieser Kategorie nicht zu den meistbeachteten Momenten der Oscars - in diesem Jahr war sie aber ungewöhnlich emotionsgeladen. Dass der Film "Selma" über Martin Luther King fast komplett bei den Nominierungen übergangen worden war, hatte im Vorfeld eine Debatte über möglichen Rassismus in der Academy ausgelöst.

Dementsprechend nutzte John Legend seine Dankesrede für den besten Song für ein Statement: " 'Selma' ist jetzt, weil der Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit gerade jetzt stattfindet", so der Musiker: "Es sind heute mehr Schwarze unter Kontrolle der Justiz als zu Zeiten der Sklaverei 1850. Leute, die zu unserem Lied marschieren, sollen wissen: Wir sind bei euch. Marschiert weiter!"

87th Academy Awards - Arrivals

Quelle: dpa

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Bester animinierter Film: "Big Hero 6"

Weniger politisch ging es wie üblich in der Kategorie Animation zu. Das Team hinter dem Walt-Disney-3D-Abenteuer "Big Hero 6" hatte sich bereits vor der Gala in Siegesposen geworfen. Zu Recht: Sein Film gewann unter anderem gegen die "Boxtrolls".

87th Annual Academy Awards - Show

Quelle: AFP

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Der Moderator: Neil Patrick Harris

Neil Patrick Harris zählt zwar nicht unbedingt zu den Gewinnern des Abends. Seinen Einstand als Oscar-Gastgeber hat er jedoch überstanden. Seine Gags werden am Tag danach wohl noch ausgiebig seziert werden - beim Abschied wirkte der 41-Jährige erschöpft, aber zufrieden.

J.K. Simmons, Patricia Arquette, Julianne Moore and Eddie Redmayne pose with their Oscars backstage at the 87th Academy Awards in Hollywood, California

Quelle: REUTERS

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Definitiv zufrieden waren die vier ausgezeichneten Schauspieler - haben sie doch nun alle ihren ersten Oscar in Händen.

Alle Höhepunkte des Abends finden Sie hier in der Liveticker-Nachlese.

Einen vollständigen Überblick über die Preisträger finden Sie hier.

© SZ.de/dpa/AFP/ihe/khil
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