bedeckt München -2°

Neues Album von Antilopen Gang:"Ich bin für die Revolution - und die kann man durch Wahlen nicht herbeiführen"

Sie haben sich 2003 als Anti-Alles-Aktion zusammengetan. Ihr Anspruch war es, politische Texte zu machen, Ihre Lieder wurden bei Antifa-Veranstaltungen gespielt. Zwischendurch haben Sie aber eine Pause eingelegt. Koljah machte Battle Rap. Warum?

Danger Dan: Zu unseren Konzerten kamen Leute, die das als politisches Event gesehen haben. Die wollten, dass wir "Nazis raus" rufen. Mit unserer Musik konnten die nichts anfangen. Das war eine komische Stimmung.

Panik Panzer: Wir hatten das Gefühl, dass wir unsere Musik nur in einem geschlossenen Raum präsentieren, wo jeder die Parole eh kennt. Nichts von unserer Message ist nach außen gedrungen. Wir hatten dann eher Lust zu pöbeln.

Koljah: Erst mit Beate Zschäpe hört U2 haben wir wieder ein explizit politisches Stück gemacht. Nach der Entdeckung des NSU wollten wir uns nicht mehr nur in ironischen Witzen verlieren, sondern Position beziehen.

Sie waren in der berühmten Filterbubble - hat sich das wirklich verändert? Zu Ihren Konzerten kommen ja vorrangig Leute, die auf Ihrer politischen Linie sind.

Panik Panzer: Dagegen habe ich per se nichts. Aber das Publikum ist heterogener geworden. Vor zehn Jahren bestand bei einem Konzert die erste Reihe aus drei Schwarzvermummten und zwei Hunden. In Wiesbaden vor zwei Jahren sahen wir uns 20 kreischenden Teenagern gegenüber. Ich habe mich selbst nicht mehr rappen gehört, so laut waren die.

Koljah: Es gibt Begegnungen, die sonst nicht möglich wären. Jemand mit Tupac-Shirt steht neben einem, der das Shirt einer queeren Punkband trägt. Beide singen unsere Texte mit.

Danger Dan: Mich hat neulich jemand angeschrieben und gefragt, warum ich in einem Video mit einem Mann knutsche. Das sei doch gegen die Natur. Auch das war irgendwie ein Fan von uns. Ich habe ihn allerdings geblockt.

Zurück zur Politik: Dieses Jahr ist Bundestagswahl. Panik Panzer, Sie waren lange überzeugter Nichtwähler. Warum?

Panik Panzer: Ich hatte die Argumentation meiner linken Genossen übernommen, dass Wahlen nichts bringen - sonst wären sie verboten.

Danger Dan: Du klingst wie ein Mitläufer.

Panik Panzer: War ich auch. Ich habe übernommen, was mir gepredigt wurde. Heute denke ich, dass es ein Privileg ist, wählen zu dürfen. Einmal habe ich Die Partei gewählt aber grundsätzlich fühle ich mich von keiner Partei repräsentiert.

Danger Dan: Ich finde es schwierig, das zu sagen. Denn auch die neuen Rechten argumentieren, dass sie sich von keinem repräsentiert fühlen. Sprechen vom Berliner "Marionettentheater". Eigentlich will ich mich von denen abgrenzen - aber auch ich bin Nichtwähler. Die Partei ist mir zu lustig für eine so ernste Angelegenheit. Die Linke ist auch keine Option. Gerade gibt es für mich zwischen Sahra Wagenknecht und Beatrix von Storch zu viele Parallelen. Ich bin für die Revolution - und die kann man durch Wahlen nicht herbeiführen.

Bleibt also nur noch über Deutschland eine Atombombe abzuwerfen, wie es in einem Ihrer Songs heißt?

Koljah: Die Atombombe ist eine realpolitische Maßnahme, wie wählen gehen.

Was kommt danach?

Koljah: Wir beschreiben das im Song Baggersee. Die Atombombe ist Mittel zum Zweck, um ein riesiges Naherholungszentrum zu schaffen. Deutschland soll ein riesiger Krater werden, den man mit Wasser füllt. Dann kann man da Skateboard fahren, sich sonnen, schwimmen, Tretboot fahren. Das erscheint uns die angemessenere Alternative für Deutschland.

© SZ.de/cag/sks
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema