Neues Album von Antilopen Gang "Deutschland soll ein riesiger Krater werden"

Wollen aus Deutschland einen Baggersee machen. Koljah (mitte), Panik Panzer (links), Danger Dan (rechts).

(Foto: Robert Eikelpoth)

Die Band Antilopen Gang gilt als linkes Gewissen im Hip-Hop. Und sagt gleichzeitig: "Musik hat das Recht, belanglos und blöd zu sein." Eine Atombombe wollen sie auch werfen: auf die BRD.

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Mit Beate Zschäpe hört U2 wurde die Band Antilopen Gang bekannt - auch, weil sie sich dabei mit dem Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen anlegte. Nun haben Koljah, Danger Dan und Panik Panzer Anarchie und Alltag vorgelegt. Auch ihr zweites Album ist sehr politisch. Gleichzeitig aber auch hochgradig eskapistisch - und manchmal auch einfach nur Dada. Sie rappen über Rechtsextreme und Islamisten. Aber auch über Pizza als letzte Rettung der Welt. Das ist zuweilen ganz schön traurig, aber auch saukomisch.

SZ: Nach Aversion haben Sie jetzt Ihr zweites politisches Album herausgebracht. Sie behandeln aktuelle Themen wie islamistischen und rechtsextremen Terror. Wen wollen Sie im Wahljahr 2017 damit erreichen?

Koljah: Niemanden. Wir haben keine politische Programmatik - aber natürlich eine Meinung.

Danger Dan: Bei uns funktioniert das eher über Abgrenzung.

Abgrenzung wovon?

Koljah: Von Leuten, die sich nicht mehr als Individuen sehen, sondern anfangen, sich als Volksgruppe zu definieren. Das sieht man bei Rechten, aber auch Linken. Ich bin für individuelle Freiheit.

Danger Dan: Es gibt aber auch Gruppen, mit denen ich zurechtkomme - etwa die Gruppe der Raucher und Schnapstrinker. Das sind meine Freunde.

Koljah: Da sind auf jeden Fall nicht allzu viele Islamisten dabei. Aber im Ernst: Eigentlich steht der Gegner überall und nirgends. Man findet ihn unter Extremisten - aber auch in der Mitte der Gesellschaft. Deswegen finde ich immer etwas, wovon ich mich abgrenzen kann. Das macht es leichter.

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Machen Sie es sich damit nicht zu leicht?

Koljah: Kritik muss nicht konstruktiv sein. Wenn ich sie äußere, muss ich nicht gleich den Gegenentwurf liefern. Das ist auch nicht mein Anspruch.

Versuchen wir es trotzdem mal: Brexit, die Wahl von Trump, brennende Flüchtlingsheime und Terroranschläge. Das Jahr 2016 hat ganz schön weh getan. Was können wir machen, damit 2017 besser wird?

Panik Panzer: Beten.

Danger Dan: Unser Album kaufen, zu unserer Tour kommen. Das hilft. Teil der Antilopen werden, Teil einer Gemeinschaft, die sich wie eine Familie anfühlt. Oder die große Liebe finden.

Ist es nicht Zeit, sich auch als Künstler politisch zu positionieren? Sie machen das ja bereits - aber müsste nicht auch der musikalische Mainstream klare Kante zeigen?

Koljah: Ich würde mir das nicht wünschen, mit dem Ergebnis wäre ich häufig unzufrieden.

Danger Dan: Musik hat das Recht, belanglos und blöd zu sein und einfach ein gutes Gefühl zu erzeugen. Ich kann mir nicht den ganzen Tag Leute anhören, die meckern, die Vorträge darüber halten, wie scheiße die politische Situation ist. Ich will auch einfach mal Die Doofen hören. Wir machen ja auch abstruse Lieder, danach fragt uns nur keiner.

Können wir uns Belanglosigkeiten in diesem Wahljahr wirklich leisten?

Danger Dan: Das kann man sich genauso leisten wie in den letzten Jahren. Wer meint, er müsste sich angesichts der aktuellen Lage politisieren, der hat einiges verpasst. Der Syrienkrieg ist älter als 2017. Die Flüchtlinge sind nicht erst seit diesem Jahr unterwegs. Auch 2015 wurden Geflüchtete von deutschen Vollidioten verprügelt. Das war alles abzusehen.

Koljah: Wenn man ein gutes Leben zelebriert, dann positioniert man sich ja auch. Nach den Angriffen auf ein Rock-Konzert in Paris oder den Breitscheidplatz in Berlin kann es auch ein Statement sein, weiter auf Rock-Konzerte zu gehen oder auf den Weihnachtsmarkt.

Danger Dan: Eskapismus hat auch im Ursprung des Hip-Hop eine wichtige Rolle gespielt. In den USA ist Hip-Hop als Partymusik entstanden. Schwarze, die angesichts von Rassismus, Verelendung und Kriminalität gute Gründe gehabt hätten, sich aufzulehnen, rappten: "Throw your hands in the air, and wave them like you just don't care".

Im Laufe der Zeit hat sich Hip-Hop politisiert - auch in Deutschland. Wie gespalten ist die Szene?

Danger Dan: Es gibt Rechtsextreme, die Hip Hop machen, Linksradikale, homophobe Spinner. Es gibt aber auch queeren Hip-Hop.

Wo steht die Antilopen Gang?

Danger Dan: Wir sind unsere eigene Schublade - dort sind wir die Kings.

Das glaubt Bushido auch.

Danger Dan: Aber bei uns stimmt das.