Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Pappfiguren im Beziehungsgeplänkel

"Am Hang" mit Martina Gedeck verspielt Witz und Substanz der Romanvorlage. Maribel Verdú bezaubert im Schwarz-Weiß-Film "Blancanieves" und "Die Eisprinzessin" ist zauberhaft schizophren. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

The Counselor

1 / 10
(Foto: Twentieth Century Fox)

"Am Hang" mit Martina Gedeck verspielt Witz und Substanz der Romanvorlage. Maribel Verdú bezaubert im Schwarz-Weiß-Film "Blancanieves" und "Die Eisprinzessin" ist zauberhaft schizophren. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht. The Counselor Smarter Anwalt aus Texas steigt aus Gier in den Kokainhandel ein. Dies führt geradewegs in Verderben - nach einem Originaldrehbuch von Cormac McCarthy, inszeniert Ridley Scott. Zu erratisch, um wirklich als Film zu funktionieren, aber brillant als literarischer Warnung - der Drogenkrieg ist mehr als nur ein mexikanisches Problem. Die Rache ist nah, und sie wird ungefähr wie Cameron Diaz aussehen. Im Bild Penélope Cruz als Laura Tobias Kniebe Eine ausführliche Rezension zum Film lesen Sie hier.

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Tage am Strand

2 / 10
(Foto: dpa)

Tage am Strand Nach einer Novelle von Doris Lessing erzählt Anne Fontaine die Liebesgeschichte zweier Mütter (Naomi Watts und Robin Wright) mit den Söhnen der jeweils anderen. Zwei alterslose Schauspielerinnen und zwei junge Surf-Götter bilden ein schönes Gespann, deren erotischer Ausnahmezustand in einem australischen Küstenort dank Weißwein, Sonne und Salzwasser sich zum ewigen Lebensabend am Strand ausdehnt. Im Bild Robin Wright als Roz und Naomi Watts als Lil Eine ausführliche Rezension des Films lesen Sie hier. Philipp Stadelmaier

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

The Love Police

3 / 10
(Foto: Real Fiction Filme)

The Love Police Harold Baer begleitet den britischen Aktivisten und Filmemacher Charlie Veitch, der mit Kamera und Megaphon bewaffnet in London, New York und Toronto seine ironische Botschaft "Everything is ok" verkündet, einen subtilen Nicht-Protest gegen Kapitalismus und Überwachungsstaat führt und Beamte umarmt: Die Irritation der humorlosen Polizei enthüllt erst das ganze gegenwärtige Ausmaß ihrer Gewalt. Philipp Stadelmaier

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Tore tanzt

4 / 10
(Foto: dpa)

Tore tanzt Tore streunt als obdachloser Jesus Freak, halb Christ, halb Punk, durch Hamburg. Eine Familie lädt den dürren Jungen in ihren Schrebergarten ein - wo sich der Vater als Sadist entpuppt, der ihn quält und foltert. Tore aber bleibt, denn er glaubt an eine göttliche Prüfung. Das Debüt von Katrin Gebbe ist eine so brutale wie ästhetisierte Gewaltstudie, die als Religionsdiskurs beginnt und im Blutrausch endet. Im Bild Annika Kuhl als Astrid, Julius Feldmeier als Tore und Sascha Gersak als Benno David Steinitz Eine ausführliche Rezension zum Film lesen Sie hier.

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Die Familie mit den Schlittenhunden

5 / 10
(Foto: Real Fiction Filme)

Die Familie mit den Schlittenhunden Was machen Teenager bei minus 34 Grad, ohne Freunde, ohne Schule? Eine kanadische Familie mit zwei halbwüchsigen Töchtern lebt tief in der Einöde, 260 km entfernt von überhaupt der nächsten Straße. 37 Hunde richten sie zum Schlittenziehen ab, das ältere Mädchen fährt in Alaska ein Rennen mit ihnen. In Breier/ Kuhlands entspannter Dokumentation verliert der Alltag in der Wildnis vielleicht an Romantik, aber keinesfalls an Faszination. Doris Kuhn

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Die Eiskönigin

6 / 10
(Foto: Disney)

Die Eiskönigin Seit einigen Jahren räumt die Disney-Company rigoros mit den eigenen Klischees auf, weshalb mittlerweile sogar Prinzessinnen neurotisch und Bösewichte nachsichtig sein dürfen. Diese Evolution mit traditionellem Trick-Charme zu kombinieren haben sich Chris Buck und Jennifer Lee in ihrer Hans Christian Andersen-Adaption vorgenommen - ein zauberhaft schizophrener Trickfilm im glitzernden Schnee. David Steinitz

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Am Hang

7 / 10
(Foto: dpa)

Am Hang Der junge Mann (Max Simonischek) sollte ein cooler Weiberheld sein, der ältere (Henry Hübchen) die tragische Figur des verlassenen Ehemanns. Beide aber bleiben Pappfiguren eines gespreizten Beziehungsgeplänkels. Markus Imboden verspielt Witz und Substanz des Bestseller-Romans von Markus Werner, wenn er ihn ins Format eines Premium-Fernsehspiels mit Seeblick und Thrillertouch übersetzt. Fazit: gediegene Langeweile. Im Bild Martina Gedeck als Valerie und Maximilian Simonischek als Thomas Rainer Gansera

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Blancanieves

8 / 10
(Foto: dpa)

Blancanieves Eine Schneewittchen-Version von Pablo Berger, das arme Mädchen etabliert sich in der Arena, als Stierkämpferin. Spielt in den Zwanzigern, ist schwarz-weiß, im Stummfilmstil gedreht, und war lang vor dem Überraschungserfolg "The Artist" konzipiert. Ist näher dran an der Zeit damals, urwüchsiger, weniger sophisticated, mehr Buñuel als Hollywood. Maribel Verdú bezaubert erneut, zehn Jahre nach "Y tu mamá también", als Stiefmutter. Im Bild Maribel Verdu als​ Encarna Fritz Göttler

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Battle of the Year

9 / 10
(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Battle of the Year Der Protagonist ist ein alkoholabhängiger Ex-Coach. Seine Aufgabe: Das beste Breakdance Team Amerikas finden. Das Ziel: Den ersten Preis bei der "Battle of the Year" gewinnen, auf heimatlichem, amerikanischem, blau-weiß-rotem Boden. Die Dramatik: Seine Familie ist tot. Dieser komplexen Handlungsstränge nimmt sich Regisseur Benson Lee todesmutig an. Das Problem: Die Tanzszenen sind langweilig. Der Knackpunkt: Es ist ein Tanzfilm. Zoe Hagen

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

As Time Goes By in Shanghai

10 / 10
(Foto: dpa)

As Time Goes By in Shanghai Das Rentenalter, wenn es ein solches denn gäbe, hätten sie allesamt längst überschritten, einer ist schon über 90. Jeden Abend spielen sie im Peace-Hotel von Schanghai Jazz-Nummern aus den 20-er, 30-er und 40-er Jahren. Seit 30 Jahren. Mit einer Hingabe, wie sie die nachfolgenden Generationen cooler Jazz-Musikern rundweg ablehnen würden. Aber die Freude war einfach zu gewaltig, nach den unmenschlichen Verfolgungen und Umerziehungen der Kulturrevolution auf einmal wieder den verpönten alten Jazz spielen zu dürfen. Und dann kommt auch noch eine Einladung zum weltgrößten Jazzfestival nach Rotterdam. Das Publikum ist irritiert, schließlich doch sehr berührt von den alten Nummern der alten Herren. Im Bild die "Peace Old Jazz Band", Herren zwischen 53 und 93 Jahren Helmut Mauro

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