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Kunst-Projekt:Protest gegen Trump: Christo sagt Projekt ab

Fluss-Projekt von Christo und Jeanne-Claude

So hatten sich Christo und Jeanne-Claude ihr Projekt "Over the River" am Arkansas River in Colorado vorgestellt.

(Foto: dpa)
  • Der Künstler Christo hat sein Projekt "Over the River" abgesagt - aus Protest gegen Donald Trump.
  • Zwanzig Jahre lang hat Christo an diesem Projekt bereits gearbeitet und 15 Millionen Dollar dafür ausgegeben.
  • Mit markisenartigen "Dächern" wollte der Künstler den Arkansas River in Colorado auf einer Länge von 42 Meilen überspannen.

Zwanzig Jahre lang hat Christo an dem Projekt "Over the River" gearbeitet, 15 Millionen Dollar hat er ausgegeben. Nun hat der Künstler es aus Protest gegen Präsident Trump abgesagt. Selbst wenn er den letzten von zahllosen Prozessen um das Recht, das Land entlang des Arkansas River in Colorado für seine Kunstaktion verwenden zu dürfen, gewinnen würde - er wäre nicht mehr interessiert, sagte er der New York Times.

Es geht ihm dabei weniger um eine symbolische Geste: Trump ist als Präsident jetzt Herr über das staatliche Land, auf dem "Over the River" stattfinden sollte. Die Aussicht, unter diesen Umständen mit Bundesbehörden einen Deal über die Benutzung des Lands abzuschließen, war Christo unerträglich.

Christo, 81, ist bekannt geworden mit seiner 1985 realisierten Verpackungsaktion der Brücke Pont Neuf in Paris. 1995 folgte der "Wrapped Reichstag" in Berlin, 2005 "The Gates" im New Yorker Central Park. Im vergangenen Jahr schuf er eine Art schwimmende Brücke aus 220 000 Kunststoffwürfeln auf dem Iseosee in der Lombardei. 1,2 Millionen Besucher kamen.

Für "Over the River" plante Christo, den Fluss, der sich durch ein enges Tal schlängelt, auf einer Länge von 68 Kilometern an acht Stellen mit markisenartigen "Dächern" aus silbrig schimmerndem Gewebe zu überspannen. Es hätte zwei Jahre gedauert, die Konstruktion für die insgesamt rund zehn Kilometer langen Dächer zu errichten. Nach zwei Wochen, während derer Hunderttausende Besucher nach Colorado gekommen wären, sollte die Installation wieder abgebaut werden. Wie bei allen seinen Projekten hätte Christo die gesamten Kosten von geschätzt 50 Millionen Dollar selbst übernommen. Er hatte das Projekt wie alle vor ihm noch mit seiner 2009 verstorbenen Partnerin Jeanne-Claude entwickelt.

Die Kunst der Kritik

Gegenüber der Times begründete der aus Bulgarien stammende Christo seine Entscheidung so: "Ich komme aus einem kommunistischen Land. (...) Ich bin gerne vollkommen frei. Hier ist die amerikanische Regierung der Grundbesitzer. (...) Ich kann kein Projekt durchführen, von dem dieser Grundbesitzer profitiert." Ohne explizit Kritik an Trump zu üben, sagte Christo: "Ich finde das Projekt nicht mehr reizvoll. Warum sollte ich noch mehr Geld für ein Projekt ausgeben, an dem ich kein Interesse mehr habe?"

Christo ist nicht der einzige bekannte amerikanische Künstler, der seinem Abscheu gegenüber der neuen Regierung Ausdruck gibt. Ein anderer ist der Hollywood-Star Shia LaBeouf, der mit Performance-Künstlern am letzten Freitag eine Webcam vor dem New Yorker Museum of the Moving Image installierte. Dort sollen in der gesamten ersten Amtszeit von Trump Passanten 24 Stunden am Tag den Satz "He will not divide us." ("Er wird uns nicht trennen") wiederholen. In der Nacht zum Donnerstag wurde LaBeouf während der Dauer-Performance festgenommen, nachdem er mit einem Mann in Streit geraten war.

Schon vor zwei Wochen hatte Richard Prince, einer der erfolgreichsten Gegenwartskünstler, auf diskretere Weise gegen Trump protestiert. 2014 hatte Trumps Tochter Ivanka bei ihm einen Inkjet-Druck im Stil seiner "Instagram"-Serie in Auftrag gegeben. Er zeigte ein Selfie Ivankas beim Frisieren. Prince überwies die von ihr dafür gezahlten 36 000 Dollar an sie zurück und erklärte auf Twitter: "Dies ist nicht mein Werk. Ich habe es nicht gemacht."

Seit Trumps Wahl denken auch viele andere Künstler über den Widerstand gegen die Regierung nach. Spätestens seit den Attacken gegen Meryl Streep nach ihrer Rede bei den Golden Globes ist ihnen klar, dass Trump mit seiner Verachtung der "Elite" auch sie meint.

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