Kinofilm "The Artist" Angst vor dem Spielen ohne Text

Darum erzählt sein Film das Schicksal eines Stummfilm-Stars, der vom Tonkino überholt wird, während seine einstige Protegé und heimliche Liebe darin einen kometenhaften Aufstieg erlebt. "Vielleicht ist es das, was die Leute so berührt", sagt Hazanavicius. "Die Welt verändert sich so schnell, man schaut kurz nicht hin und bumm, ist es zu spät, und man ist aus der Mode."

Feige findet es der Hauptdarsteller Jean Dujardin, 39, heute, Angst vor der Wortlosigkeit gehabt zu haben.

(Foto: dpa)

Dass Hazanavicius seinen Film drehen konnte, verdankt er vor allem seinem zweiten und dritten Kinofilm, bei denen er ebenfalls mit Jean Dujardin zusammenarbeitete: Die Geheimagenten-Parodie "OSS 117" und ein Nachfolger waren in Frankreich sehr erfolgreich, danach traute man ihm mehr zu. Und schließlich ließ sich der Produzent Thomas Langmann überzeugen, bei dem waghalsigen Projekt mitzumachen und es zum Teil selbst zu finanzieren - ein großes Risiko. Dann blieb nur noch ein Hindernis. Der Hauptdarsteller musste überzeugt werden. Jean Dujardin, 39, ist in Frankreich bekannter als sein Regisseur.

Um die Jahrtausendwende war er vier Jahre lang in einer Fernseh-Soap zu sehen und heiratete schließlich seine Serienpartnerin Alexandra Lamy, das dürfte wenigen französischen Illustrierten-Lesern entgangen sein. Im Kino wurde der gelernte Schlosser mit Komödien bekannt, mit Ausflügen ins Autorenkino hat er bislang weniger Erfolg gehabt.

Als Hazanavicius ihm die Hauptrolle in "The Artist" antrug, hatte Dujardin erst einmal Selbstzweifel: "Ich habe mich gefragt, ob die Leute mich darin sehen wollen", sagt er. Vielleicht war es Angst vor dem Spielen ohne Text. Feige, findet er heute. Aber schließlich sei ihm klar geworden, wie idiotisch es sei, das Projekt abzulehnen. Hazanavicius werde schon wissen, was er tut, schließlich hat er ihm die Rolle des George Valentin auf dem Leib geschrieben; ebenso wie die weibliche Hauptrolle von vornherein für Hazanavicius' Frau Bérénice Bejo gedacht war.

"Wenn der Film nicht funktioniert, kommen wir alle ins Irrenhaus"

Und dann begannen die Dreharbeiten. Ein Vorteil von Stummfilmen ist, dass man am Set viel Lärm machen kann. "Es lief Musik, und wir haben geredet; Englisch, Französisch, irgendwas; ich habe mich sehr wohlgefühlt", sagt Dujardin. Aber dass der Film diesen Zauber entwickelt, das habe niemand verstanden.

"Das ist wie Chemie, man mischt etwas zusammen, und plötzlich wird etwas daraus - das hat uns alle überrascht", sagt er. Schon ist die Rede von den Oscars, aber darüber will er sich keine Gedanken machen. Völlig verrückt sei es, was da passiert, man dürfe sich nicht daran gewöhnen. Und jetzt? Eigentlich würde er gerne einmal ein Musical drehen. "Ah, Michel könnte das. Aber ich werde mich hüten, ihm davon zu erzählen; er muss die Idee selber haben."

"Wenn der Film nicht funktioniert, kommen wir alle ins Irrenhaus", hat der amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein gesagt, der noch vor der Premiere in Cannes eine Millionensumme für die Verleihrechte an dem Film für die USA, Großbritannien und China ausgab.

The Artist hat funktioniert, und wie. Es ist eine Liebeserklärung an das Kino geworden, tieftraurig und federleicht, rasend komisch und bitterernst. "Das Kino ist die gemeinsame Sprache von mir und den Zuschauern", sagt Hazanavicius. Es ist nicht ganz klar, was er damit meint. Aber was soll's, er hat es ja jetzt geschafft.

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