Kirche und Film:Ein Heidenspaß

Kirche und Film: Über seltsame Pfarrer in Filmkomödien - wie aktuell Rowan Atkinson in "Wonka" - regten sich Vertreter der Kirche früher furchtbar auf, das ist heute anders.

Über seltsame Pfarrer in Filmkomödien - wie aktuell Rowan Atkinson in "Wonka" - regten sich Vertreter der Kirche früher furchtbar auf, das ist heute anders.

(Foto: Warner Brothers)

Blasphemischer Klamauk? Über den alten und neuen Umgang der katholischen Kirche mit der Darstellung von Geistlichen in Filmkomödien.

Von Martin Zips

Bigott und korrupt ist er, dieser Pater Julius. Ihn interessiert nur eines: Schokolade. "Widerwärtig, heilige Dinge für einen solchen Zweck zu verwenden", urteilt der Filmkritiker des US-amerikanischen Catholic Review. Mit "heiligen Dingen" meint er den Pater, welcher von "Mr. Bean"-Darsteller Rowan Atkinson verkörpert wird. Mit dem Zweck: die aktuelle Filmkomödie "Wonka". Für Jugendliche, so der Kritiker, sei der Film "moralisch ungeeignet".

Dass offizielle oder selbsternannte kirchliche Repräsentanten sich mit Spaß im heiligen Kontext schwertun, ist nicht neu. Als 1980 die Monty-Python-Satire "Das Leben des Brian" in die deutschen Kinos kam, riet die deutsche katholische Filmkommission von einem Besuch ab: Es handele sich um "eine mit krampfhaftem Klamauk und Kalauern überladene Satire", "zynisch und in manchen Szenen für Christen beleidigend". Bereits Papst Pius XI. hatte in seiner Enzyklika "Vigilanti cura" ("Mit wachsamer Sorge") Katholiken dazu aufgerufen, Filme nach christlichen Maßstäben zu beurteilen. In Deutschland übernimmt das seit Jahren der "Filmdienst", in dessen Gründungsmanifest von 1947 es heißt, man müsse das jugendliche Publikum gegen "Filmschäden immunisieren".

Doch die cinephile Masse hatte nie Lust auf "Immunisierung". Man amüsierte sich lieber über Charlie Chaplin im Predigerkostüm oder Fernandel als Don Camillo. Man lachte, wenn Heinz Rühmann als "Pater Brown" ermittelte oder Leopoldo Trieste als verklemmter Pater Adelfio in "Cinema Paradiso" vom Filmvorführer sündige Szenen entfernen ließ. Sogar wenn Paolo Bonacelli als Priester auf der Rückbank eines Taxis infolge der blasphemischen Sex-Beichte von Roberto Benigni in Jim Jarmuschs "Night on Earth" zusammenbrach, wurde sehr gelacht.

Mittlerweile herrscht auch auf katholischer Seite meist heitere Komödien-Gelassenheit (auf protestantischer Seite ging's ohnehin entspannter zu). Ist doch lustig, wenn in einer Szene von "Monsieur Claude und seine Töchter" der Pfarrer sich im Beichtstuhl am Tablet Soutanen anschaut, statt sich für die Probleme einer Gläubigen zu interessieren. Er ist doch auch nur ein Mensch! Sogar mit Rowan Atkinson als grimassierenden Geistlichen (nach "Mord im Pfarrhaus", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" jetzt eben in "Wonka") hat man sich - mit Ausnahme des Catholic Review - abgefunden. Lieber über Filmkomödien die Menschen erreichen als gar nicht.

Papst Franziskus fordert seine Priester sogar explizit dazu auf, den "freudigen Humanismus" eines Don Camillo zu leben. Auch zitiert er Pater-Brown-Erfinder Gilbert Keith Chesterton in seinen Ansprachen. Sogar Roberto Benigni hat er kürzlich empfangen. Benigni war vor 40 Jahren noch wegen "Beleidigung der Religion" zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Bei seiner Begegnung mit Franziskus aber strahlte er derart, dass man fürchten musste, er werde dem Heiligen Vater gleich einen frivolen Witz erzählen.

"Ein fröhliches Herz tut dem Leib wohl", so heißt es in der Bibel (Spr 17,22). Wunderbar, wenn das auch vom ein oder anderen Religionsvertreter heute so gesehen wird.

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