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Archäologie:Schatz am Toten Meer

Die biblischen Fragmente sind auf Griechisch verfasst und enthalten Auszüge aus dem Zwölfprophetenbuch.

(Foto: Menahem Kahana/AFP)

In Israel haben Forscher Münzen, einen Korb und Fragmente einer fast 2000 Jahre alten Schriftrolle gefunden. Auf ihr sind biblische Texte zu lesen.

Von Peter Münch, Tel Aviv

In einer Höhle nahe des Toten Meers haben israelische Forscher einen archäologischen Schatz geborgen. Als wichtigste Fundstücke gelten dabei nach Angaben der nationalen Altertumsbehörde die Fragmente einer fast 2000 Jahre alten Schriftrolle mit biblischen Texten auf Griechisch. In der gleichen Gegend waren vor rund 60 Jahren durch Zufall die sogenannten Qumran-Rollen mit den ältesten bekannten Bibeltexten gefunden worden, die zu den wichtigsten archäologischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts gezählt werden.

Sichergestellt wurden die Funde in einer extrem schwer zugänglichen Höhle, die den Namen "Höhle des Horrors" trägt. Ihr Einstieg liegt inmitten einer Felswand, rund 80 Meter unterhalb einer Bergspitze. Von dort aus mussten sich die Forscher in die Höhle abseilen. Die Lage der Höhle ist wohl auch der Grund dafür, dass sie von Plünderern verschont geblieben ist, die sich in dieser Gegend seit dem Fund der Qumran-Rollen oft eine Art Wettrennen mit den Archäologen liefern.

Die klimatischen Bedingungen in der Höhle sorgten für die gute Konservierung

Neben den Bibeltexten stießen die Forscher noch auf andere spektakuläre Funde. Darunter ist ein vollständig erhaltener Korb mit rund 100 Litern Fassungsvermögen. Er soll 10 500 Jahre alt und damit der älteste Korb der Welt sein. Unter zwei Steinplatten wurde zudem ein 6000 Jahre altes mumifiziertes Skelet eines Kindes - vermutlich eines Mädchens im alter von sechs bis zwölf Jahren - entdeckt, das in eine Decke eingewickelt war. Die besonderen klimatischen Bedingungen in der Höhle sorgten für die gute Konservierung.

Zu den weiteren Fundstücken zählen Münzen mit jüdischen Symbolen, Speerspitzen und Reste von Sandalen, die aus der Zeit des sogenannten Bar-Kochba-Aufstands stammen. Jüdische Rebellen, die sich in den Jahren 132 bis 135 nach Christus gegen das römische Reich erhoben hatten, ließen diese Gegenstände wohl in der Höhle zurück.

Archäologische Funde in Israel

Zu den Funden gehört auch ein Korb, der auf 10 500 Jahre geschätzt wird. Damit wäre er der älteste der Welt.

(Foto: Yaniv Berman/dpa)

Die archäologischen Arbeiten in diesem Teil der Judäischen Wüste hatten 2017 begonnen. Um mögliche Fundorte aufzuspüren, sind auch Drohen im Einsatz. Die ersten Exponate dieser Suche wurden nun am Dienstag präsentiert. "Die Funde sind nicht allein für unser kulturelles Erbe wichtig, sondern auch für die gesamte Welt", erklärte dazu Avi Cohen, der Direktor des zuständigen Ministeriums für Kulturerbe.

Der Direktor der Israelischen Antikenbehörde Israel Hasson nutzte die Funde, um weitere finanzielle Förderung für die Ausgrabungen in der Judäischen Wüste anzumahnen. "Die neu entdeckten Schriftrollen-Fragmente sind ein Weckruf für den Staat", sagt er. "Für diese historisch wertvolle Operation müssen genügend Mittel bereitgestellt werden. Wir müssen sicherstellen, dass wir die noch unentdeckten Dinge in den Höhlen vor den Dieben finden.

© SZ/clu
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