Fortsetzungen in der Filmindustrie Mehr davon

Selbst Flops wie "Muppets Most Wanted" werfen noch Geld ab - man kann schließlich wieder Plüsch-Kermits verkaufen.

(Foto: dpa)

Hollywood setzt in diesem Sommer auf Altbekanntes. Regisseure wie Steven Spielberg und Steven Soderbergh schimpfen laut über den Einheitsbrei, doch schuld daran ist niemand anderes als der Zuschauer.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles, Los Angeles

Das Geräusch war nicht zu überhören, wahrscheinlich hat es jeder Einwohner von Los Angeles am Montagmorgen vernommen. Nein, es stammte nicht aus der Olvera Street, wo die Menschen den mexikanischen Feiertag Cinco de Mayo zelebrierten, es kam aus den Hügeln von Hollywood.

Es war ein kollektives Ausatmen, als die Verantwortlichen der Filmbranche die Zahlen des vergangenen Kino-Wochenendes sahen. 91,6 Millionen Dollar spielte der Film "Amazing Spider-Man 2" in den USA ein, dazu 277 Millionen Dollar an ausländischen Kinokassen. Er hat damit das Budget von 200 Millionen Dollar bereits erreicht und dürfte ein finanzieller Erfolg werden. "Was dieses Wochenende so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass wir nach dem tollen Start in den USA auch umwerfende Ergebnisse von den anderen Kontinenten bekommen haben", sagt Rory Bruer, Vertriebschef bei Sony.

Weil auch die Fortsetzung von Captain America (Budget: 170 Millionen, weltweiter Umsatz bislang: 680 Millionen) die Erwartungen erfüllt hat und bei Marvel-Produzent Kevin Feige für mehr als nur ein Ausatmen ("Ich möchte mich bei all den unglaublichen Fans bedanken.") gesorgt hat, dürfen sich die Verfechter von Blockbustern bestätigt fühlen: Popcorn-Kino funktioniert noch.

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Entschlossene Frauen und wilde Monster

Kinobesucher müssen in diesem Sommer vor allem bis fünf zählen können. Freilich kaschieren die Produzenten die Anzahl der Fortsetzungen außer bei "Spider-Man 2" und "The Expendables 3" (Budget: etwa 90 Millionen Dollar) mittlerweile mit martialischen Untertiteln, jedoch: "Dawn of the Planet of the Apes" (120 Millionen) ist nichts anderes als "Planet of the Apes 2", "Transformers: Age of Extinction" (165 Millionen) ist "Transformers " und "X-Men: Days of Future Past" (225 Millionen) ist "X-Men 5".

Zu diesen "Sequels" (Fortsetzungen), "Prequels" (Erzählen der Vorgeschichte) und "Inbetweenquels" (irgendein Zeitraum in diesem fiktiven Universum) kommen noch aktuelle Versionen bekannter Geschichten wie etwa "Godzilla" oder "Teenage Mutant Hero Turtles".

Es gibt mal wieder phantastische Superhelden, muskelbepackte Pistoleros, degenerierte Monster. Die Anzahl der zerstörten Gebäude pro Film dürfte im oberen dreistelligen Bereich liegen, die Anzahl getöteter Menschen und schlechter Sprüche nur knapp darunter.

Überaus wichtig im Finanzierungssystem Hollywoods

Diese Strategie, weiter auf Krawallfilme mit dreistelligem Millionenbudget zu setzen, verwundert zunächst. Der vergangene Sommer galt als Spielzeit der Mega-Flops, in Hollywood sorgte man sich nach den desaströsen Einspielergebnissen von "The Lone Ranger", "R.I.P.D.", "After Earth", "Pacific Rim" und "White House Down", dass die Zeit der Blockbuster vorbei sein könnte. Die sind überaus wichtig im Finanzierungssystem in Hollywood, sie werden aufgrund ihrer vermeintlichen Verlässlichkeit beim Umsatz "Zeltstangen" genannt, weil es schön trocken bleibt, auch wenn andere Projekte scheitern.

Die Frage mag deshalb lauten: Haben die in Hollywood denn gar nichts gelernt? Die Antwort: Doch, haben sie. Und wie! Es gab auch erfolgreiche Filme im vergangenen Sommer, Fortsetzungen wie etwa "Monsters University" oder "Despicable Me 2" und Superhelden-Geschichten wie "Man of Steel" oder "The Wolverin".

Am besten funktionierte eine Kombination aus beidem, "Iron Man 3" spielte weltweit 1,2 Milliarden US-Dollar ein. Die Strategie in diesem Sommer lautet deshalb: Wir geben dem Zuschauer, was er kennt.