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"El Olivo" im Kino:Die Entführung eines Olivenbaums

"El Olivo - Der Olivenbaum" im Kino

Großvater, Enkelin und ihr Freund, der Baum - Szene aus "El Olivo".

(Foto: joseharo/Piffl)

Menschen und Bäume - entwurzelt von der Moderne: Trotzdem will der Film "El Olivo" Mut machen. Denn was ist schon der ganze heutige Irrsinn gegen die zeitlosen Wahrheiten dieser Erde?

Nachhaltig ist ein neudeutsches Wort, und wie die meisten neudeutschen Worte wird es gern als Etikett irgendwo hingepappt, wo es gar nicht hingehört.

In dem spanischen Dorf, in dem Alma (Anna Castillo) aufgewachsen ist, stand ein Olivenbaum, länger, als irgendjemand zurückdenken kann - zweitausend Jahre, hat Almas Großvater behauptet, als sie klein war.

Ein Symbol für Nachhaltigkeit? Nicht hier, die moderne Ernährungsindustrie und der finanzielle Notstand haben die Traditionen des Ortes, ganz kurzhaltig, weggefegt. Das Olivenöl ist zu teuer in der Herstellung, man setzt jetzt eher auf Hühnchenmassenproduktion. Das Dorf, ganz Spanien, wurde von der Finanzkrise durchgerüttelt, man kämpft ums Überleben.

Der Olivenbaum, den der Großvater sein Leben lang gepflegt hatte, wurde verkauft. Und mit dem Baum ist auch er gegangen, er ist nur noch eine Hülle - er spricht nicht mehr und starrt ins Leere, wenn Alma ihn füttert. Und das nimmt Alma viel mehr mit als der Verlust des Baumes.

Alma ist die Heldin in Icíar Bollaíns Film "El Olivo - Der Olivenbaum", zu dem Paul Laverty das Drehbuch geschrieben hat. Laverty ist Ken Loachs Stammautor. In "The Angel's Share - ein Schluck für die Engel" hat er schon herrlich störrische Kids erfunden, und Alma macht es den anderen auch nicht leicht.

Die Welt aus den Menschen heraus erklären - auf spanische Art

Sie findet heraus, wo der Baum jetzt ist, eine Freundin ist nach Deutschland gezogen, wie so viele Spanier, und die kriegt es heraus: Ein Energiekonzern hat ihn für 30 000 Euro gekauft und sich in Düsseldorf ins Foyer der Firmenzentrale gestellt, als Symbol für Nachhaltigkeit, obwohl der Baum es wahrscheinlich nachhaltiger gefunden hätte, in seinem Olivenhain zu bleiben.

Alma will ihn nun um jeden Preis zurück - also lügt sie ihrem Onkel die Hucke voll, und dem jungen Rafa, von dem sie ganz genau weiß, dass er in sie verliebt ist. Sie erfindet eine sehr katholische Story, und die beiden fühlen sich irgendwie gezwungen, mit ihr und einem geklauten Laster den Baum aus Düsseldorf zu entführen. Was eine Gewissensentscheidung ist, werden sie dann unterwegs noch lernen.

Die Verbindung zu Ken Loach ist nicht zufällig. Als junge Filmemacherin hat Bollaín über ihn ein Buch geschrieben, und wie er versucht sie, die Welt aus den Menschen heraus zu erklären. Auch für Bollaín ist das ein Ziel, nur weniger nordisch und nüchtern, auf eine sehr spanische, märchenhafte Weise, mit surrealem Touch.

Reisendes Denkmal der Hoffnung

Es landet dann erst mal eine Freiheitsstatue auf der Ladefläche das Lasters, das Trio kutschiert durch die Landschaft wie ein reisendes Denkmal der Hoffnung. Alma hat bald ein schlechtes Gewissen - Rafa wird seinen Job verlieren, auch dem Onkel droht Ärger, aber die Dinge sind ihr entglitten. Die beiden haben längst angefangen, sich mit ihrer Mission zu identifizieren.

Wenn dann die spanische Freundin aus Düsseldorf auf Facebook aktiv wird, ahnt man schon, was passieren wird. Aber "El Olivo" ist so sympathisch, dass man trotzdem gerne folgt. Was auch ein bisschen daran liegt, dass die Sache eben mehr als eine persönliche Angelegenheit ist: Der Baum im Foyer ist ein Symbol der Entfremdung geworden, und die empfindet nicht nur Alma.

Die Zeit kann man zwar nie zurückdrehen, aber was sind schon zweitausend Jahre auf dieser Erde, die sich immer weiterdreht? Es liegt eine surreale Hoffnung darin, sich vorzustellen, dass jeder Holzweg, auf den sich die Menschen begeben, im großen Ganzen nicht mehr zählt als ein Wimpernschlag.

El Olivo , ES 2016 - Regie: Icíar Bollaín. Drehbuch: Paul Laverty. Kamera: Sergi Gallardo. Mit Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs, María Romero. Piffl Medien, 99 Minuten.

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