Amtseinführung Donald Trumps Ist ihr Auftritt ein Verrat an der Schwester?

Aber wie kommt Donald Trump dazu, die 16-jährige Jackie Evancho auszuwählen?

Allein optisch passt das weiße, blonde, amerikanische Mädchen natürlich als Vorzeigekünstlerin im Sinne der Konservativen. Die Figur des frühreifen Wunderkindes beinhaltet außerdem immer auch ein Moment des Kitsches.

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Trumps Wahl

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Nachdem erst keiner mitmachen wollte, konnten die Veranstalter von Trumps Vereidigung nun erste Zusagen melden. Genauer gesagt: 360.   Von Jonathan Horstmann

Je restriktiver eine Gesellschaft wird, umso kitschiger wird ihre Kunst. Und dass sie bei America's Got Talent nicht einmal gewonnen hat, kommt ihr zugute - schließlich speist sich die Wut vieler Trump-Wähler aus einer empfundenen Benachteiligung. Die Angriffe auf sie wegen ihres Auftrittes spielen diesen Impetus noch in ihre Hände: Sie ist ein unbeschriebenes Blatt, eine Art Engelkind, auf dem "die Liberalen" rumhacken, weil es für sein Land singen will - eine passende Wahl.

Ist Evanchos Auftritt Verrat an der Sache der Schwester, sei es aus Karrierestreben, Patriotismus oder Naivität? Kann man einer 16-Jährigen (die noch nicht einmal wählen gehen durfte) Verantwortung für die Entscheidung geben, für einen Politiker zu singen, sei es Obama oder Trump? Einerseits nein, andererseits sind Jugendliche ab 14 auch in den USA strafmündig. Zumindest teilweise ist sie also natürlich für das verantwortlich, was sie tut.

Je mehr Menschen sie für ihren Auftritt kritisieren, desto mehr Sympathie werden ihr allerdings diejenigen entgegenbringen, die ihr dankbar dafür sind, dass Donald Trump überhaupt noch eine einigermaßen prominente Künstlerin für seine Amtseinführung engagieren konnte.

Jackie Evancho sagt, sie singe für ihr Land. "Darauf freue ich mich am meisten — auf das Publikum. Es wird ein großes Publikum geben. Und ich liebe großes Publikum."