Amtseinführung Donald Trumps Jackie Evancho - eine passendere Wahl gibt es nicht

Jackie Evancho bei ihrem Auftritt vor dem Kapitol

(Foto: AFP)

Sie hat die Nationalhymne für Donald Trump gesungen. Als weißes, blondes, amerikanisches Mädchen ist Jackie Evancho eine Vorzeigekünstlerin im Sinne der Konservativen. Dafür wird die 16-Jährige massiv angefeindet.

Von Juliane Liebert

Im Weißen Haus ist Jackie Evancho schon länger keine Unbekannte. In den vergangenen Jahren hat sie mehrfach für den damaligen Präsidenten Obama gesungen, etwa 2010 beim National Christmas Tree Lighting - und stets fand sie das "awesome" ("großartig", "fantastisch"). Dass sie nun bei Donald Trumps Inauguration die Nationalhymne vortragen hat, findet die 16-Jährige ebenfalls: "awesome".

Aller Kritik zum Trotz.

Der designierte Präsident hatte Mühe, überhaupt Künstler für die Veranstaltung zu finden. Eigentlich alle auch nur ansatzweise bekannten Musiker sagten ihm ab. Evancho war die Erste, die Trumps Anfrage angenommen hat. (Mötley Crüe wurden eingeladen und wollten spielen, um postwendend wieder ausgeladen zu werden.) Für Barack Obama traten 2009 Aretha Franklin und Beyoncé auf. So namhaft ist Jackie Evancho nicht.

2000 geboren, nahm sie 2010 an der fünften Staffel der Castingshow America's Got Talent teil, für die sie sich vorher zweimal vergeblich beworben hatte. Sie war zehn Jahre alt und sang Opern, Titel wie "O mio babbino caro". So gut, dass man ihr vorwarf, sie sänge Playback - sie bewies das Gegenteil und landete trotzdem nur auf dem zweiten Platz.

Seitdem hat sie sechs Studioalben, drei Livealben, 31 Singles und eine EP veröffentlicht. Fünf ihrer sechs Alben erreichten Platz 1 der Billboard Classical Charts. Zudem ist sie die jüngste Solokünstlerin überhaupt, die je Platin holte - mit ihrem Weihnachtsalbum "O Holy Night".

Sie wollte aus Patriotismus auftreten, nicht für Donald Trump. Das muss man betonen, denn nach eigener Aussage ist ihre Zusage kein politischer Akt. "Ich fühle mich wirklich geehrt, dass ich wieder für den Präsidenten auftreten darf", sagte sie. Seit der Bekanntgabe ihrer Zusage hagelte es Support aus dem Trump-Lager — und Hass von seinen Gegnern und Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft.

Schwester Juliet nicht nach Washington gereist

Denn wer bei der Inauguration nicht anwesend ist, ist ihre Schwester. Auch wegen ihr steht Jackie Evancho in der Kritik. Die 18-jährige Juliet hieß früher Jacob und outete sich vor einiger Zeit medienwirksam in der Teen Vogue als Transgender. Ihre Eltern kämpfen gerade dafür, dass sie in ihrer Schule die Mädchentoilette benutzen darf.

Als erklärte LGBT-Aktivistin ist Juliet nicht gerade Trumps Zielgruppe. Sie werde nicht nach Washington reisen, sagte sie. Den Auftritt ihrer Schwester verteidigte sie aber. Bei einem Hausbesuch der New York Times sagte sie: "Ich werde da sein." Und ihre Schwester fügte hinzu: "Im Geiste."