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Erste afroamerikanische Frau auf Dollarnote:Schöner Schein

FILE PHOTO: House Democrats hold news conference to protest against delay in putting Harriet Tubman on the new $20 bill

Im Sommer 2019 protestierten die Demokraten vor dem US-Finanzministerium gegen den Aufschub der Umgestaltung des Zwanzig-Dollar-Scheins. Vergeblich.

(Foto: Yuri Gripas/Reuters)

Die Freiheitskämpferin Harriet Tubman soll endlich die neue 20-Dollar-Note in den USA zieren. Auf der war bisher der frühere Präsident und Sklavenhalter Andrew Jackson zu sehen.

Von Gerhard Matzig

Zwei Banknoten über je 500 Taler brachten etwa fünf Gramm auf die Waage. Der gleiche Betrag in Münzen war rund 18 Kilogramm schwer. Das war im 19. Jahrhundert, als sich auch in Deutschland der enorme Vorteil des in China schon seit Jahrhunderten gebräuchlichen Papiergeldes herumsprach. Nämlich die im Wortsinn leichte Handhabung.

Man konnte entweder Münzen im Gewicht eines vollen Bierkastens mit sich herumschleppen - oder etwas Federartiges. Das Federgewicht setzte sich durch. Doch die schon lange ersehnte, symbolisch bedeutsame Einführung einer neuen 20-Dollar-Note, die in den USA nun unter Führung des neuen Präsidenten geplant ist, zeigt: Auch Leichtgewichte können schwerwiegend sein. Gewicht und Gewichtigkeit sind nicht dasselbe.

Am Montag gab die Sprecherin des US-Präsidenten Joe Biden bekannt, dass das Finanzministerium das Porträt von Harriet Tubman "auf den 20-Dollar-Schein bringen" will, denn es sei wichtig, "dass unsere Banknoten, unser Geld, die Geschichte und Diversität unseres Landes zeigen". Harriet Tubman, erst Sklavin, dann Freiheitskämpferin, wird die erste afroamerikanische Frau auf einem Geldschein sein. Der seit 1928 auf dem Schein gezeigte Andrew Jackson, Präsident bis 1837, Sklavenhalter und ein Vorbild von Donald Trump, wird also von der 1913 gestorbenen Ex-Sklavin verdrängt, die auch als "Moses of her people" bezeichnet wird.

Tubman half Sklaven als Aktivistin der "Underground Railroad" bei der Flucht in den Norden

Kein Wunder, dass Trump die schon unter Barack Obama geplante und zuvor von Amerikanern per Voting millionenfach bejahte Initiative stoppte. Er soll empört gesagt haben: "You want me to put that face on a 20-dollar bill?" Offenbar war das präsidiale Frauenbild ein anderes. Das Unternehmen, eine schwarze Frau zu würdigen, die in den USA verehrt wird als Ikone der Freiheit, hielt Trump für "reine politische Korrektheit".

Als eine der bekanntesten Aktivistinnen des Anti-Sklaverei-Netzwerks "Underground Railroad" schleuste Tubman unter Lebensgefahr viele Afroamerikaner aus der Südstaaten-Versklavung in die Freiheit des Nordens. In Colson Whiteheads 2017 mit dem Pulitzer-Preis gewürdigtem Roman "Underground Railroad" über das Netzwerk in einem der dunkelsten Kapitel der Geschichte Amerikas kann man lesen: "Wie viel man in Quidah für sie bezahlte, war schwer zu sagen, denn sie war Teil eines Großeinkaufs, achtundachtzig Menschenseelen für sechzig Kisten Rum und Schießpulver (...). Körperlich taugliche Männer und schwangere Frauen brachten mehr als Halbwüchsige." Auch Menschen waren einmal ein Zahlungsmittel. Gut, dass ein Geldschein daran zu erinnern hat. Wie auch daran, dass der Weg des Geldes einer ist, der durch die ganze Geschichte eines Landes führt.

In der Geldgeschichte war das über den ökonomischen Nennwert hinausgehende Moment des Zeichenhaften immer schon von kultureller Bedeutung - und insofern von streitbarer Natur. Man erinnert sich beispielsweise an die umstrittene 2-DM-"Gedenk"-Münze mit dem Abbild von Franz Josef Strauß. Aber auch an den eher kuriosen Skandal, den eine 1968 auf den Seychellen herausgegebene 50-Rupien-Banknote auslöste. Denn neben dem Porträt der britischen Königin, das ist mindestens der Preis, den eine Kronkolonie zu zahlen hat, hatte man ornamental gedachte Palmblätter versehentlich so angeordnet, dass sie ein in diesem Zusammenhang überraschendes Wort formten: S-E-X. Bis heute schweigt die Königin dazu ganz wunderbar königlich. Bald darauf kamen ja auch neue Rupienscheine in Umlauf.

© SZ/khil
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