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Neue Unternehmensmodelle:Häring & Ludwig: Vereinbarkeit wird einfach dazugehören

  • Unternehmen: Häring & Ludwig
  • Firmensitz: Gröbenzell
  • Beschäftigte: 2
  • Sagen von sich: Halbe Zeit, volle Kraft

PLAN W: Sie haben in München eine Personalberatung gegründet, die Hochqualifizierte in Teilzeit und Jobsharing vermittelt. Warum?


Martina Ludwig: Wir selbst haben lange in Teilzeit gearbeitet und schlechte Erfahrungen mit Headhuntern gemacht, die an Teilzeitbeschäftigten kein Interesse haben. Weil die Provision nun mal vom Jahresgehalt abhängt und bei Teilzeit entsprechend niedrig ausfällt.

Christina Häring: Und weil wir viele super ausgebildete und kompetente Frauen kennen, die aus familiären Gründen Teilzeit arbeiten und es damit unheimlich schwer haben, sich beruflich zu entwickeln und zu verändern - auf ihrem Niveau. Daraus ist die Idee entstanden, eine Personalberatung mit Fokus auf flexiblen Arbeitsmodellen zu gründen.

Ludwig: Und dass flexible Modelle funktionieren, das leben wir selbst vor: Wir leiten unser Unternehmen im Jobsharing.

Christina Häring (links) und Martina Ludwig (rechts) wollen Arbeitgeber davon überzeugen, dass Karriere in Teilzeit möglich ist.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit Jobsharing auch wirklich klappt?

Häring: Die Chemie muss stimmen. Wir beide zum Beispiel vertrauen uns blind. Meinungsverschiedenheiten haben wir höchstens mal bei Formulierungen. Werte und Arbeitsstil müssen einfach passen, das ist die Grundvoraussetzung. Wenn sich dann noch die jeweiligen Kompetenzen ergänzen, ist das ideal.

Ludwig: Das Schöne ist, dass man flexibel bleibt, weil nicht 100 Prozent der eigenen Zeit verplant sind. Wenn viel los ist, arbeitet man auch mal vollzeitnah, dann mal wieder weniger. Auch für Unternehmen ist es gut, je nach Auftragslage flexibel sein zu können. Von diesem Mehrwert wollen wir die Arbeitgeber überzeugen.

Und, wie läuft Ihr Geschäft?

Ludwig: Nun, wir stehen natürlich noch am Anfang. Wir haben Erfolge und Misserfolge. Wir haben Kandidatinnen an Unternehmen vermittelt, die für eine bestimmte Funktion explizit eine Teilzeitkraft gesucht haben. Aber es scheitert auch mal eine Jobsharing-Platzierung am Bauchgefühl des Unternehmers, der sich nicht traut, es einfach auszuprobieren.

Häring: Ein breiterer Kulturwandel wird erst eintreten, wenn nicht mehr die meisten Entscheider Ehefrauen zu Hause haben, die ihnen den Rücken freihalten. Aber gerade kleinere und mittlere Unternehmen sind schon heute Teilzeit gegenüber offen. Da wird der Einzelne gesehen mit seinen Kompetenzen.

Eigentlich sollte das ja normal sein.

Häring: Ist es aber nicht immer. Unsere Kandidatinnen kommen meist zu uns, weil sie sich schlicht auch als Teilzeitkraft eine respektvolle Behandlung wünschen.

Ludwig: Jeder sollte in dem Modell arbeiten können, das zu seiner aktuellen Lebenssituation passt. Familienfreundlichkeit funktioniert aber nur, wenn sie wirklich gelebt wird, zum Beispiel wenn auch Führungskräfte mal in Teilzeit arbeiten. Sie wird langfristig immer wichtiger werden, spätestens, wenn künftig Menschen nicht nur wegen ihrer Kinder, sondern auch wegen pflegebedürftiger Eltern nicht mehr durchgehend Vollzeit arbeiten können. In Zukunft wird Vereinbarkeit einfach dazugehören, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

© Süddeutsche.de/sks

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