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Gender:In der Geschlechter-Falle

Online-/Digital-Grafik

Grafik: SZ

(Foto: Sead Mujic)

Spitzen-Jobs erreichen Frauen in der Politik leichter als in Unternehmen. Der Gleichberechtigung schadet das womöglich sogar: Ein System in der Krise taugt nicht als Vorbild. Doch der Wandel wird kommen - dank der Digitalisierung.

Der Mann saß außen, und er war allein. Neben ihm vier kluge und eloquente Frauen: Das ist nicht die Regel in der Welt der Konferenzen und Tagungen, in der noch immer eher die Frau die Solitärin in der Runde ist. Und galant, man könnte auch sagen: gönnerhaft, wie Männer dann so sind, nehmen sie die Dame gerne in die Mitte. Das ist diskussionstechnisch ein eher unglücklicher Platz. Besser man sitzt außen, um die Debatte und die Gesprächspartner im Blick zu haben. So kann die Höflichkeit der einen für die anderen leicht zum Hindernis werden, sich angemessen Gehör zu verschaffen.

Das ist schon das erste häufige Missverständnis beim Thema Gendergerechtigkeit, und nicht das einzige. So wollen manche Vorkämpferinnen für mehr Frauenmacht die Diskussionsrunden am liebsten nur noch mit Frauen besetzen. Nach dem Prinzip: Lange genug hatten wir reine Männerrunden (wer das noch mal nachempfinden mag, kann sich alte Schwarz-Weiß-Filmchen von Werner Höfers sonntäglichem ARD-Frühschoppen reinziehen), dann ist es jetzt eben Zeit für Frauenrunden.

Das Argument ist bekannt aus der Debatte um Führungspositionen in Gesellschaft und Wirtschaft. Lange genug hatten auch da nur Männer das Sagen, warum jetzt nicht mal nur Frauen? In ihrer scharfen Form gering schätzen manche dabei sogar die Frage der Qualifikation mit dem Argument: Wir kennen genügend Fälle, in denen Männer schlecht führen, dann werden wir jetzt auch mal ein bisschen schlechte Führung durch Frauen aushalten.

Wenn die Wirtschaft nicht weiblicher wird, stockt der Fortschritt

Diesel-Gate, Klima-Katastrophe, Bildungsnotstand: Es stimmt ja, dass die Verursacher der derzeit diskutierten großen Übel fast immer Männer waren. Aber das Leben auf der großen Bühne ist eben kein Spiel, und Deutschland hat angesichts dramatischer Herausforderungen in Wirtschaft und Politik keine Zeit zu verlieren, braucht alle Kraft und alles Können. Dass vor allem die Gefahr für Klima und Umwelt größtmöglichen Einsatz erfordert, hat sich mittlerweile herumgesprochen; die beinahe einzigen, die noch auf ein Abschwellen der "Klimahysterie" warten, sind die Realitätsverweigerer der AfD.

Es werden zwar nicht allein die Frauen sein, die die Umwelt retten (auch wenn die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg zufällig eine junge Frau ist und der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland ein alter Mann) - aber ohne mehr Frauen in Verantwortung wird es mit der Klimawende ganz sicher nicht funktionieren, dazu später mehr.

Die Süddeutsche Zeitung, dieser selbstreferenzielle Bezug sei gestattet, hat dieser Tage ihren ersten Plan-W-Kongress veranstaltet, in der Bundeshauptstadt Berlin und unter großer Anteilnahme auch in den sozialen Netzwerken: Plan W für weiblich, aber auch W für Wirtschaft. Denn Wirtschaft bestimmt die Rahmenbedingungen von Staat und Gesellschaft. Wenn Wirtschaft nicht weiblicher wird, dann mag sich trotzdem einiges ändern im Land, aber zu wenig und zu langsam. Deswegen ist es wichtig, die beiden Ws stärker zu verbinden und weiblicher zu denken und zu handeln.

Entsprechend wurden beim SZ-Kongress die aktuellen Probleme vom Klima über die Digitalisierung bis zu New Work und New Leadership vermessen, und das heißt immer auch: Es wurde über politische Gestaltung geredet. Mit dabei also Politiker und, vor allem, Politikerinnen. Das war dem "W"-Element des Kongresses geschuldet, aber auch dem Umstand, dass wichtige Akteure der deutschen Politik Frauen sind.

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Auf dem Plan-W-Kongress diskutieren Expertinnen darüber, was sich hinter dem Schlagwort New Work verbirgt.   Von Larissa Holzki

Man könnte ja meinen, die deutsche Politik habe kein Genderproblem mehr - immerhin stehen an der Spitze von Regierungen und Parteien viele Frauen. Angela Merkel ist so lange Bundeskanzlerin, dass sich ein Erstwähler womöglich fragen könnte, ob auch ein Mann als Bundeskanzler überhaupt noch möglich ist. Einige Bundesländer werden oder wurden von Frauen regiert, in vielen Kabinetten herrscht Parität. Beide bisherigen Volksparteien werden von Frauen geführt, und bei den kleineren Parteien gehört die Doppelspitze aus Mann und Frau zur Normalität. In vielen Parteien gibt es Frauen- und/oder Männerquoten für die Listenplätze. Sogar in der manchmal immer noch recht betulichen CDU.

Das klingt gut, aber nun tut sich eine Falle auf, die das Bemühen um mehr Gleichberechtigung unterlaufen könnte - ausgerechnet jetzt. Denn die Politik, das weiß jeder, hat heute ein Glaubwürdigkeitsproblem wie vielleicht nie zuvor, und das gilt dann zwangsläufig auch für ihre führenden Figuren. Viele davon sind, wie gesagt, Frauen. Am Ende könnte es soweit kommen, dass die Unfähigkeit der Politik zur vernünftigen Gestaltung der Zukunft die alten Vorurteile wieder belebt, dass Frauen "es" eben doch nicht können, sieht man ja, an Merkel, AKK und den anderen.

Andrea Nahles, die unglückliche SPD-Vorsitzende, ist nicht gescheitert, weil sie eine Frau ist. Die notorisch selbstzerstörerische SPD ist auch mit dem einen oder anderen männlichen Vorgänger nicht viel besser umgesprungen, aber in der innerparteilichen Debatte um Amt und Person hat Nahles doch einige Tiefschläge einstecken müssen, die einem Mann erspart geblieben wären.