Digitalisierung und Smart Home:Viele Meister sagen: "Das tu ich mir nicht mehr an."

Lesezeit: 5 min

Was sind denn die vielversprechendsten Bereiche?

Aktuell ist die Elektromobilität sehr im Fokus. Schon in naher Zukunft werden wir viel mehr Autos haben, die elektrisch fahren. Zum anderen ist die Informationselektronik ein großes Thema. Es geht ganz klar weg vom Fernseher hin zu Multimedia-Anwendungen. Der Computer wird die Kommandozentrale im Haus - sei es für Youtube oder die Türsprechanlage.

Was auf lange Sicht kommt, ist das "assistierte Leben". Wenn man älter wird, kann man daheim in seiner Burg bleiben. Statt ins Pflegeheim zu gehen, wird die Wohnung umgebaut und annehmlich gestaltet. Dann geht das Licht an, wenn ich reinkomme und wenn ich falle, merkt der Teppich das und ruft den Doktor an. Das ist schon Stand der Dinge, das werden wir in den nächsten fünf Jahren verstärkt erleben.

Und doch gibt es, wie in jeder Branche, Firmen, die größeren Neuerungen skeptisch gegenüber stehen.

Das ist in der Tat zwiespältig. Viele, die in den 80ern und in den 90ern Betriebe übernommen haben, sind jetzt selbst um die 60 Jahre alt. Da gibt es Meister, die sagen: "Das tu ich mir nicht mehr an mit dem modernen Schnickschnack."

Die meisten mischen dann aber doch ein bisschen mit bei der neuen Technik. Schließlich wollen viele den Betrieb nicht zusperren, wenn sie in Rente gehen, sondern verkaufen. Und einem möglichen Interessenten, der dafür ja auch Geld bezahlen soll, können Sie nicht sagen: "Ich habe das so laufen lassen, hier sind meine drei Kunden, bei denen kannst du die Glühbirnen wechseln."

In Summe hat das Handwerk wohl begriffen, dass man sich weiterentwickeln muss. Die Weiterbildungskurse sind jedenfalls immer gut gebucht. Da machen die Kammern mit, die Verbände, aber auch private Anbieter, etwa Technikhersteller.

Hat sich auch der Anspruch geändert, den die Kunden an einen Elektriker stellen? Eine Sicherung reindrehen, bekommen die meisten noch hin. Aber wenn es im hochkomplexen digital vernetzten Zuhause ein Problem gibt, sind sie vermutlich aufgeschmissen.

Die Sicherung können Sie nach wie vor selbst reindrehen. Aber auch beim Thema Vernetzung sind viele Kunden sehr tief im Thema. Schließlich ist auch alles im Internet zu finden. Deshalb sagen wir den Kollegen: Bitte nehmt die Kunden ernst, denen könnt ihr nichts vom Pferd erzählen.

Mittlerweile gibt es auch viele kleine Systeme aus dem Baumarkt für jedermann. Begabte Bastler können sich das selbst einrichten. An die Steckdose muss immer noch ein Zwischensteckerle und daran noch die Stehlampe, bedient wird per Wlan. So haben Sie dann auch eine kleine smarte Lösung. Das ist aber nichts, womit sich die Elektriker befassen, denn für die Stunden, die das braucht, ist die Arbeitszeit einfach zu teuer.

Aber je weiter die Smart-Home-Technologie fortschreitet, je professioneller die Technik wird, desto weniger können Sie das als Laie beherrschen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema