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Digitalisierung und Smart Home:"Die Veränderungen fürs Handwerk sind schon heftig"

Mit der Digitalisierung verändern sich die Anforderungen an Elektriker

Mit der Digitalisierung verändern sich die Anforderungen an Elektrotechniker.

(Foto: dpa)

Die Digitalisierung des Zuhause verändert auch den Beruf des Elektrotechnikers. Ein Brancheninsider spricht über Jobchancen und Kundenansprüche.

Während der U-Bahnfahrt mit dem Smartphone die Heizung steuern, auf dem Heimweg von der Arbeit schon mal den Backofen aktivieren und vom Sofa aus das Heimkino mit dem Tablet starten: Die Digitalisierung verändert den Alltag und das Wohnen vieler Menschen grundlegend und damit auch das Berufsbild zahlreicher Handwerker. Irgendjemand muss schließlich all die intelligenten Systeme und vernetzten Geräte installieren und einrichten - und das Ganze wieder zum Laufen bringen, sobald es ein Problem gibt.

Hans Auracher ist Vorstandsmitglied beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke. Dort ist er für das Thema Aus- und Weiterbildung zuständig. Der gelernte Elektroinstallateur erklärt, wie gravierend die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Beruf sind - und wie gut sich die Branche auf die Zukunft eingestellt hat.

SZ: Kann jemand mit dem Ausbildungsniveau von vor 20 Jahren den Job überhaupt noch adäquat ausüben?

Hans Auracher: Vielleicht kann jemand der in einem Unternehmen fest angestellt ist, eine Art Hausmeister noch zurechtkommen mit dem, was er damals in der Ausbildung gelernt hat. Aber die Betriebe, die wirklich am Markt sind und die, die ausbilden, können sich das auf keinen Fall leisten. Die brauchen Mitarbeiter, die bei der technischen Entwicklung auf dem Laufenden geblieben sind.

Was hat sich am Berufsbild verändert?

Die Veränderungen fürs Handwerk sind schon heftig. Mittlerweile muss man zum Beispiel einen Wetterfühler verbauen können, damit bei Sonne der Rolladen herunterfährt. Neben der Steuerungstechnik ist aber auch weiterhin die Energieverteilung im Haus eine wichtige Aufgabe. Das Verlegen von Leitungen macht immer noch 80 Prozent der Arbeit aus - schließlich brauchen all die Soundsysteme, Lampen und Heizkörper, die jetzt digital gesteuert werden, Strom. Ob Sie jetzt die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder irgendwann das Elektroauto in der Garage in das System integrieren wollen: Sie haben es mit Energie zu tun.

Aber ehrlich gesagt verläuft die aktuelle technische Entwicklung nicht ganz so rasant, wie das in der Öffentlichkeit manchmal erscheinen mag. Gebäude-Automation gibt es im Gewerbebereich schon seit 30 Jahren, jetzt kommt die Sache in den Privathaushalten an. Das ganze Thema ist vor allem das Ergebnis einer tollen Marketingarbeit.

Wie meinen Sie das?

Ich meine den Begriff "Smart Home". Letztlich bedeutet dieser Begriff dasselbe wie intelligente Gebäudesteuerung und die gibt es bereits seit Jahren. Man greift auf bewährte Technik zurück und passt sie für den normalen Haushalt an. Außerdem hat die Entwicklung von Smartphones und Tablets dazu beigetragen, das Ganze attraktiv zu machen. Dabei hat "Smart Home" mit dem Smartphone erst einmal gar nichts zu tun. Wenn Sie ein smartes Zuhause haben, dann müssen Sie es eben nicht selbst übers Handy steuern. Dann entscheidet das intelligente Haus selbst, ob geheizt werden muss, um die Raumtemperatur zu halten. Trotzdem fasziniert es viele Leute, über ihr Display kontrollieren zu können, wer gerade an der Haustür klingelt oder wie warm es im Wohnzimmer ist. Solche Sachen werden nachgefragt.

Digitalisierung und Smart Homes werden also auch von den Betrieben als Wachstumsmarkt wahrgenommen?

Auf jeden Fall. In den letzten Jahren wurde sehr viel investiert. Das liegt auch an den niedrigen Zinsen - die Leute heben das Geld vom Sparkonto ab und bauen lieber das Haus aus.

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