Private und gesetzliche Krankenversicherungen Wechsel der Krankenversicherung: "Heute bereue ich das sehr"

Dieser Kassenpatient machte Erfahrungen mit aufdringlichen Angeboten von Zusatzleistungen:

"Ich bin Kassenpatient und hatte kürzlich einen Augenarzttermin bei einer Ärztin, die ich bereits früher einmal aufgesucht hatte und zu der ich einmal Vertrauen hatte und die mich immer sorgsam untersucht hatte. Vor kurzem war die Praxis jedoch einem Augenzentrum angeschlossen worden, das massiv in der Presse beworben wird. Die Helferin drückte mir ein Blatt in die Hand, auf dem drei verschiedene Vorsorgeuntersuchungen angeboten wurden. Alle als IGEL-Leistungen. Vorsorge 1 kostete 50 Euro für eine Augendruckmessung, Vorsorge 2 war für 98 Euro und das dritte Paket für 130 Euro zu haben. Ich wollte mal ausprobieren, was passiert, wenn man keine der Optionen bucht und setzte mich ins Wartezimmer. Ich wartete ziemlich lange. Viele Patienten, die nach mir eingetroffen waren, wurden vor mir behandelt. So konnte ich mir den Bildschirm ansehen, der die Vorsorgepakete noch einmal detailliert erklärte. Außerdem pries er Botox-Behandlungen an. Jede Mitarbeiterin und auch die Augenärztin selbst sprachen mich penetrant auf die diversen Vorsorgepakete an und rieten mir dazu, sie entweder heute oder doch wenigstens in naher Zukunft zu buchen. Ich stellte mir vor, wie es einer Rentnerin mit einer Mini-Rente wohl geht, wenn sie einen beträchtlichen Teil ihrer Rente für ein Luxus-Vorsorgepaket, dessen Nutzen die Krankenkasse bezweifelt, aufwenden muss. So eine Behandlung stört das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient massiv." (Anonym)

Sehr zufrieden zeigt sich hingegen diese gesetzlich versicherte Leserin - und lobt das Solidaritätsprinzip:

"Ich bin gesetzlich versichert und liebe es. Oft liest man nervige, deprimierende, enttäuschende Geschichten über die gesetzliche Versicherung. Aber ich kann das nicht teilen - ich weiß, dass das wohl nicht die Regel ist. Ich habe drei verschiedene Autoimmunerkrankungen, und das zu diagnostizieren war verflucht schwierig. Aber ich habe bei allen Fachärzten, die ich im Laufe der Zeit aufsuchen musste oder wollte, ziemlich schnell einen Termin bekommen, ziemlich gute Behandlungen und ein ziemlich gutes Gefühl. Auch 'normale' Arztbesuche konnte ich immer problemlos organisieren. Vielleicht hab ich einfach Glück. Aber das glaube ich nicht. Trotzdem muss ich manchmal lachen, wenn ich in der Apotheke meine Medikamente hole. 'Meine Krankenkasse hasst mich bestimmt!' - denn für mich zahlen bestimmt zig Leute pro Monat mit, bei meinen teuren Behandlungen und Medikamenten. Aber dafür haben wir Krankenkassen. Das ist das Solidaritätsprinzip. Ich liebe es. Denn man weiß nie, was einem im Leben erwartet. Und die wenigsten Leute suchen sich einen Motorradunfall, Autoimmunerkrankungen oder MS aus. Danke dafür!" (Jana B., 23 Jahre)

Privatversicherte erleiden nachweislich mehr Doppeltuntersuchungen und fragwürdige Behandlungen. Zudem kann die Versicherung ganz schön teuer werden. Das können diese drei Leser bestätigen:

"Ich habe mich mit Anfang 20 selbständig gemacht. Damals wurde ich falsch von der gesetzlichen Krankenkasse beraten und habe mich dann für die private Krankenkasse entschieden. Heute bereue ich das sehr und würde gerne zurück wechseln, aber es gibt keine realistische Möglichkeit dazu, ohne meine Selbständigkeit aufzugeben. Bei den Ärzten frage ich mich mittlerweile oft, ob sie Untersuchung X auch bei einem Kassenpatienten gemacht hätten. Wenn ich mich mit Freunden austausche, ist es schon auffällig, dass sie (meist Kassenpatienten) in vergleichbaren Krankheitsfällen immer wesentlich weniger behandelt und untersucht wurden. Dabei habe ich aber nicht das Gefühl, dass die zusätzlichen Untersuchungen Sinn ergäben, sondern es scheint mir ein einfacher Weg für höhere Abrechnungen zu sein." (Nina G., 35 Jahre)

"In die PKV einzutreten war die größte Fehlentscheidung meines Lebens. Sie fiel aufgrund besonderer Lebensumstände. Vorteile habe ich als Privatpatient gegenüber gesetzlich Versicherten nie gehabt. Wohl deswegen, weil ich fast immer Hausärzte genommen habe, bei denen das Wohl der Patienten ihr Handeln bestimmte. Bei Fachärzten wurden die Krankheiten behandelt, bei meinen (wenigen) Hausärzten wurde ich behandelt. Mit dem Eintritt ins Rentenalter begann die finanzielle Überraschung. Nein, der Versicherungsbeitrag wurde nicht erhöht, im Gegenteil, der wurde sogar etwas niedriger. Aber der hohe Arbeitgeberanteil fiel weg. Stattdessen bekam ich gerade mal 90 Euro von der Rentenversicherung für meine PKV. Das hatte ich nicht gewusst und brachte mich in die Nähe der Armutsgrenze. Durch eine Änderung des Vertrages konnte ich die Härten abmildern und zahle jetzt nur noch knapp 400 Euro monatlich statt über 800 Euro. Dafür habe ich einen Eigenanteil von 2000 Euro jährlich. Sollte ich mal über Silvester ins Krankenhaus kommen, hätte ich also 4000 Euro hinzulegen. Folge des hohen Eigenanteils ist, dass ich Arztbesuche vermeide. Eine äußerst schmerzhafte Rippenprellung - oder war es ein Bruch? - habe ich per Google auskuriert. Ebenso eine jetzt von vor Weihnachten bis nach Silvester aufgetretene Nasen- und Stirnhöhlenentzündung. Ibuprofen gegen die blöden Kopf- und Augenschmerzen hatte ich noch aus den Beständen meiner Frau, die gesetzlich versichert ist und sich niemals Gedanken gemacht hat, ob sie zum Arzt geht oder nicht. Nach einer nicht zu umgehenden vorsorglichen Darm- und Magenspiegelung sollten weitere Untersuchungen im Krankenhaus erfolgen. Mein toller Hausarzt hat mich davor bewahrt, da ich nicht die geringsten Symptome für deren Notwendigkeit zeigte. Dass ich nicht zu umgehende Behandlungen möglichst bündele, um sie in einem einzigen Kalenderjahr abzuwickeln, ist ja wohl klar. So, als eine Augenoperation notwendig wurde. Leider wurde deren Notwendigkeit erst spät im Jahr festgestellt, so dass mir für weitere längst überfällige Behandlungen kaum Zeit bis zum Jahresende blieb. In diesem Fall erwiesen sich die Fachärzte als äußerst hilfreich und boten mir die Rückdatierung ihrer Rechnungen an. Eine Bürgerversicherung würde diese Tricksereien mit meiner Gesundheit entbehrlich machen und mir vielleicht sogar ein paar Lebensjahre wegen nicht verschleppter Krankheiten bescheren." (Heinz R., 71 Jahre)

"Ich, weiblich, 30 Jahre, kurzzeitig Kopfschmerzen, leider privat versichert, daher überwiesen zum Neurologen. Die Kopfschmerzen waren schon wieder vergangen, aber nach ausführlicher Anamnese, vollständiger neurologischer Untersuchung, zusätzlich EEG (Hirnstrommessung), Messung von Nervenleitgeschwindigkeiten, Ultraschall- und Duplexuntersuchung aller möglichen hirnversorgenden Gefäße ohne Auffälligkeiten (ärztlicher Zeitaufwand insgesamt circa 1,5 Stunden). Darauf am Folgetag Termin für Kernspin vom Kopf erhalten. Auch unauffällig. Aber Kopfschmerzen hatte ich zu dem Zeitpunkt ja eh schon nicht mehr." (X. X., 30 Jahre)