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Krankenhäuser - Emden:Netz der Geburtshilfestationen dünnt weiter aus

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Ein Mann läuft mit Kinderwagen über einen Deich. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Hannover/Emden (dpa/lni) - In Niedersachsen soll 2021 eine weitere Geburtsstation in einem Krankenhaus schließen. Vom Klinikum Emden wird die Geburtshilfe nach Aurich umziehen. Für die schwangeren Frauen und ihre Familien aus Emden ist das eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Ebenso weit weg liegt das Krankenhaus in Leer.

Die Wegggang der Geburtsstation aus Emden gehört zu einer größeren Umverteilung der Fachgebiete innerhalb des ostfriesischen Klinikverbundes Aurich-Emden-Norden. Für eine Übergangszeit solle so wirtschaftlicher gearbeitet werden, teilte der Verbund im vergangenen November mit. Bis Ende 2027 soll eine Zentralklinik mit Geburtshilfe und allen anderen Abteilungen auf der grünen Wiese in Uthwerdum gebaut werden - gleichermaßen gut erreichbar von allen drei Städten.

Der genaue Zeitpunkt für die Schließung der Emder Geburtshilfe stehe noch nicht fest, sagte eine Sprecherin des Klinikverbundes auf Anfrage. Die Verlagerung solle aber 2021 abgeschlossen werden. Sie verwies darauf, dass es in Aurich bislang schon etwa 1200 Geburten im Jahr gebe. In Emden seien es nur etwa 400 Geburten. Auf der anderen Seite erhalte Emden wichtige Fachgebiete, so die Gynäkologie.

Doch das Netz der Geburtsstationen dünnt mit diesem Schritt weiter aus. 2012 gab es nach Angaben des Sozialministeriums noch 1131 Geburtshilfebetten in den Kliniken. Bis 2020 sank die Zahl auf 965 Betten. Die vier Landkreise Diepholz, Peine, Wesermarsch und Wittmund haben gar keine klinische Geburtshilfe mehr. Geburtshäuser als Alternative gibt es im Land nur wenige. Und auch sie dürfen nicht weiter als 20 Fahrminuten entfernt von einer Klinik liegen.

Gesundheitsministerin Carole Reimann (SPD) geht trotzdem davon aus, "dass eine gut erreichbare Versorgung mit Geburtsstationen weitgehend sichergestellt ist". Das Land habe leider kaum Einfluss darauf, wenn Krankenhäuser kleinere Geburtshilfen wegen Mangel an qualifiziertem Personal nicht mehr betreiben könnten. Ziel sei in solchen Fällen, die umliegenden Geburtshilfen zu sichern und entsprechend auszubauen.

Sehr anders sieht der Hebammenverband Niedersachsen die Entwicklung. "Dass eine große Stadt wie Emden nicht mehr über eine Geburtshilfestation verfügen soll, kann ich nicht verstehen", sagte die Vorsitzende Veronika Bujny. Für die Gebärenden bedeute es Unruhe, weiter fahren zu müssen, sich zu sorgen, ob im Krankenhaus Platz ist. Das führe auch dazu, dass Geburten vermehrt eingeleitet werden.

"Wir finden, dass Frauen auf dem Land das Recht haben sollten, wohnortnah zu gebären", sagte Bujny. Deshalb müssten Geburten den Krankenhäusern so vergütet werden, "dass die Häuser die Schließung nicht länger als lukrativ empfinden". Auch der Landfrauenverband Deutschland will mit einer Online-Petition erreichen, dass überall wohnortnahe Geburtsstationen erhalten bleiben.

Im Landkreis Diepholz, nach Fläche dem fünftgrößten im Land, gibt es seit Schließung der Station Bassum Ende 2011 keine Geburtshilfe mehr. Der Kreistag stimmte im vergangenen Juni für den Bau eines neuen Zentralkrankenhauses in Twistringen. Dort soll es dann nach Angaben einer Sprecherin auch eine Frauen- und Geburtsabteilung mit 28 Betten geben. Doch die Klinik werde frühestens in sieben Jahren fertig sein.

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