bedeckt München 15°

Gesundheit - Potsdam:Handwerkskammern sehen großen Hilfsbedarf

Brandenburg
Euro-Münzen auf Euro-Banknoten. Foto: Tobias Hase/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

Potsdam (dpa/bb) - Wegen der Corona-Krise können Unternehmen seit Mittwoch Soforthilfe beantragen - bei den Handwerksbetrieben ist der Bedarf bereits sehr hoch. "Das Interesse oder besser die Notwendigkeit der Nutzung des Soforthilfeprogramms ist groß", berichtete der Handwerkskammertag des Landes auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Wie viele Betriebe letztlich davon Gebrauch machen könnten, sei davon abhängig, wie lange die Mittel reichten. Die Bewilligung geht nach der Reihenfolge der Anträge.

Klein- und Kleinstunternehmen, Solo-Selbstständige und Freiberufler können seit Mittwoch die Mittel aus dem Soforthilfeprogramm beantragen. Die Hilfen sollen kurzfristig ausgezahlt werden. Die Formulare für Anträge können über das Wirtschaftsministerium und die Investitionsbank im Internet bezogen werden, die Anträge bearbeitet die Investitionsbank. Das Land stellt zunächst 7,5 Millionen Euro sofort bereit, weitere Mittel sollen aus dem Nachtragshaushalt kommen, über den der Landtag kommende Woche abschließend entscheidet.

Durch Absagen aller Veranstaltungen, Schul- und Kita-Schließungen, Auftragsstornierungen, Produktionsunterbrechungen oder Quarantänemaßnahmen sind laut Handwerkskammertag inzwischen alle Gewerke der mehr als 40 000 Betriebe von der Krise betroffen. "Am stärksten trifft es natürlich durch die verschärften Maßnahmen seit dem Wochenende die Friseure und Kosmetiker", erklärte das Gremium. In Brandenburg mussten demnach fast 4400 Friseur- und Kosmetikunternehmen schließen.

Auch Betriebe in Kombination mit Einzelhandel gehörten zu den Betroffenen, wie der Handwerkskammertag berichtete. Beispiel Kfz-Gewerbe: Der Verkauf musste schließen, die Werkstätten dürfen weiter geöffnet bleiben. Aber auch Bäcker und Fleischer hätten mit erheblichen Umsatzrückgängen zu kämpfen, da weniger Menschen in die Geschäfte kämen. Zudem sei auch hier das Café-Geschäft - "ein wichtiges Standbein bei den Bäckern" - weggebrochen.

"Betroffen sind aber genauso Fotografen, deren wichtige Einnahmequelle Veranstaltungen sind, genau wie Baugewerke, die durch Kita- und Schulschließung dezimierte Mitarbeiterzahlen in Kauf nehmen müssen", betonte der Handwerkskammertag. Das Gremium vertritt die Interessen der drei Handwerkskammern Cottbus, Frankfurt (Oder) - Region Ostbrandenburg und Potsdam und ihrer Mitgliedsbetriebe.

Rund 3600 Unternehmer haben sich den Angaben zufolge in den vergangenen Tagen an die Kammern in ihren Bezirken gewandt: "Grundsätzliche Fragen waren Liquiditätssicherung, Kurzarbeit, Steuererleichterungen, Personalfragen durch Schließungen, aber auch Fragen der Ausbildung oder arbeitsrechtliche Fragen."

"Jeder Auftrag, in den Gewerken, die noch arbeiten dürfen, hilft", betonte das Gremium. Wichtig sei daher die Botschaft: "Der Kunde soll durchaus seine Handwerker auch in diesen Zeiten - wie Dachdecker, Installateure, Maler - beauftragen."

Auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) berichten von Hilfeersuchen ihrer Mitglieder, bei der IHK Cottbus etwa gingen sie von mehr als 450 Südbrandenburger Unternehmen aus allen Branchen und unabhängig ihrer Größe ein. "Betroffene Unternehmen machen mitunter die härteste Zeit ihres Geschäftslebens durch", erklärte Hauptgeschäftsführer Marcus Tolle. "Sie brauchen Liquidität."

Fast 8000 Anfragen aus Unternehmen gingen bisher zum Soforthilfeprogramm in Brandenburg ein, teilte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB), Steffen Kammradt, mit. Größte Branchengruppen sind mit über 75 Prozent Dienstleister, Handel und Gastronomie. Mehr als 90 Prozent der Fragesteller hätten weniger als 10 Beschäftigte. Stornierungen, rapide Auftragsrückgänge und ausbleibende Kunden sind die mit Abstand häufigsten Problembeschreibungen.

Die Höhe der Hilfen richtet sich nach der Beschäftigtenzahl: Für bis zu 5 Erwerbstätige sind maximal 9 000 Euro möglich, für bis zu 15 Erwerbstätige maximal 15 000 Euro, für bis zu 50 Erwerbstätige höchstens 30 000 Euro und für bis zu 100 Erwerbstätige höchstens 60 000 Euro.

Zur SZ-Startseite