Gesundheit - Hannover:Schlachthof dicht: 127 Beschäftigte mit Corona infiziert

Agrar
Eine Lösung wird auf eine Testkassette eines Corona-Schnelltests aufgeträufelt. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Georgsmarienhütte (dpa) - Nach einem Coronavirus-Ausbruch mit inzwischen 127 infizierten Beschäftigten ruht der Betrieb in einem Schlachthof im niedersächsischen Georgsmarienhütte. 38 positiv getestete Beschäftigte wohnen im Landkreis Osnabrück, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Die Mehrheit der Betroffenen - nämlich 89 - lebt im benachbarten Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es unter anderem in Lengerich Sammelunterkünfte für rumänische Arbeiter. Unter den positiv Getesteten sind auch bereits Geimpfte, in Lengerich laut einem Stadtsprecher mindestens 25 Prozent. Es handele sich überwiegend um Männer.

Der erste Fall war dem Schlachthof-Betreiber Steinemann Holding GmbH bei einem Test vor Dienstbeginn im Betrieb aufgefallen. Es handelte sich um einen Reiserückkehrer, der nach Betriebsangaben kurz zuvor geimpft worden war. Der Landkreis Osnabrück ordnete PCR-Tests für alle rund 300 Beschäftigten an, darunter etwa 60 in der Verwaltung.

Zu Ansteckungen sei es nicht im Schlachthof, sondern offenbar bei privaten Treffen gekommen, bevor die Quarantäne angeordnet gewesen sei, sagte Geschäftsführer Andreas Steinemann. Der Schlachthof bleibe voraussichtlich bis Ende September geschlossen. "Für uns ist der Ausbruch eine Katastrophe. Wir geben rund 100.000 Euro pro Monat für Corona-Schutzmaßnahmen aus", sagte der Chef des Wurstherstellers aus Steinfeld (Oldenburg), der den Schlachthof im Kreis Osnabrück erst im vergangenen Herbst übernommen hatte.

Für Kritiker der Fleischindustrie ist der Ausbruch keine Überraschung. "Auch wenn wir Leiharbeit beseitigt haben, wurden vielerorts die Herrschaftsstrukturen übernommen", sagt Sebastian Zöppel, Gewerkschaftssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Region Osnabrück. Die Bedingungen in den Sammelunterkünften seien zwar verbessert worden, teilweise müssten die überwiegend aus Rumänien stammenden Arbeiter aber immer noch überhöhte Preise für ein Bett bezahlen. Für die Personalakquise und Unterkünfte seien weiterhin Subunternehmer zuständig.

Als Reaktion auf Corona-Ausbrüche in der ersten Welle der Pandemie etwa beim Marktführer Tönnies hatte die Bundesregierung Werkverträge in der Fleischindustrie verboten. Dieses Verbot gilt seit Jahresbeginn. Zudem investierten Unternehmen in Hygienevorkehrungen. Allerdings müsse sich die Wohnsituation der vorwiegend aus Osteuropa stammenden Beschäftigten noch deutlich verbessern, mahnte bereits im April die DGB-Beratungsstelle "Faire Mobilität" in Dortmund.

© dpa-infocom, dpa:210916-99-238333/6

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