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Gesundheit - Berlin:Tarifvertrag für Altenpflege: Kritik an Caritas-Ablehnung

Berlin
Steffen Kühhirt spricht. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Schwerin (dpa/mv) - Die Ablehnung eines bundesweiten Tarifvertrages für die Altenpflege durch den kirchlichen Anbieter Caritas ist bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf massive Kritik gestoßen. "Das ist das komplett falsche Signal und steht in krassem Gegensatz zur aktuellen Debatte in der Pflegepolitik", erklärte Steffen Kühhirt von Verdi Nord am Freitag. Nach seinen Worten würde ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag für Tausende Altenpfleger und Altenpflegerinnen im Norden deutliche Einkommensverbesserungen bedeuten.

Verdi und der Arbeitgeberverband BVAP hatten im September eine Erhöhung der Stundenlöhne für ausgebildete Altenpflegekräfte in vier Schritten bis auf 18,50 Euro ab Januar 2023 vereinbart. Dieser Tarifvertrag sollte für allgemeinverbindlich erklärt werden. Laut Gesetz müssen Caritas und Diakonie, wo viele Pflegekräfte beschäftigt sind, zu einem solchen Antrag an das Bundesarbeitsministerium ein Votum abgeben. Die Bundeskommission der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas erklärte am Donnerstag ihre Ablehnung.

Laut Sozialministerium in Schwerin lagen die durchschnittlichen Monatseinkommen für Pflegefachkräfte in Mecklenburg-Vorpommern 2019 Bei etwa 2600 Euro. Bei einer Erhöhung des Stundenlohnes auf die vereinbarten 18,50 Euro könnten die Bruttolöhne um bis zu 600 Euro im Monat steigen.

Den Angaben zufolge waren 2019 in der Pflege landesweit rund 27 000 Fach- und Hilfskräfte tätig. Angesichts der zunehmenden Zahl von Pflegebedürftigen wächst auch der Bedarf an Pflegekräften. So hat sich die Zahl der auf Pflege angewiesenen Menschen nach Angaben des Statistischen Landesamtes von 2005 bis 2019 auf 103 000 verdoppelt.

Verdi befürchtet, dass sich das Personalproblem in der Altenpflege weiter verschärft. "Unterbesetzungen und Schichten bis an die Erschöpfungsgrenze sind Normalität. Wir brauchen dringend Korrekturen und bessere Vergütungen per Tarifvertrag", forderte Kühhirt.

© dpa-infocom, dpa:210226-99-609014/2

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